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Die Pläne für einen riesigen Stall in Hünenberg stossen auf Widerstand

Der Bauer Martin Schuler verfolgt in Drälikon ein Bauvorhaben, das hierzulande seinesgleichen sucht. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz wehrt sich dagegen. Der härteste Kampf für Schuler steht indes noch aus.
Raphael Biermayr
Martin Schuler züchtet auf seinem Hof Jersey-Rinder. Auf der Weide im Hintergrund soll eine Halle von riesigen Ausmassen entstehen. (Bild: Maria Schmid (Drälikon, 11. Juli 2018))

Martin Schuler züchtet auf seinem Hof Jersey-Rinder. Auf der Weide im Hintergrund soll eine Halle von riesigen Ausmassen entstehen. (Bild: Maria Schmid (Drälikon, 11. Juli 2018))

Martin Schulers Pläne sorgen für Wirbel. Denn der 34-jährige Milchbauer als Drälikon will in der Chueweid, wie das betreffende Gebiet in der Reussebene mit Flurnamen tatsächlich heisst, einen neuen Kuhstall bauen. Einen Stall, wie es ihn in der Schweiz offenbar kein zweites Mal gibt: eine weisse Halle von 200 Metern Länge, 50 Metern Breite und 20 Metern Höhe. Das Ausmass dieser Halle, die im Gegensatz zum heutigen Stall nicht in der Grundwasserschutzzone stehen würde, erklärt Schuler unter anderem mit der Ausnutzung der Thermik: Durch die natürliche Luftzirkulation müsse man sie nicht künstlich belüften.

Blick auf die geplante Halle (im Hintergrund, hinter den Pappeln) von der Weinrebenkapelle her. (Visualisierung: pd)

Blick auf die geplante Halle (im Hintergrund, hinter den Pappeln) von der Weinrebenkapelle her. (Visualisierung: pd)

Gegenwärtig seien 255 Jersey-Kühe und 173 Stück Jungvieh auf dem Betrieb, weitere 76 Tiere seien bei anderen Betrieben untergebracht. Künftig sollen alle Tiere auf dem 30 Hektaren grossen Hof sein. Die geplante Halle verfügt über eine Kapazität für bis zu 1040 Tiere. Diese Zahl wolle er nicht erreichen, behauptet Schuler. Er gibt einen voraussichtlichen Viehbestand von 400 bis 450 Kühen plus 300 bis 400 Stück Jungvieh an.

Landschaftschutz kündigt Besuch an

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) hat kürzlich eine Medienmitteilung dazu verschickt, die kritisch ausfällt: Das Vorhaben sei überdimensioniert; die anfallenden Güllemengen würden die Wiesen veröden und die Nitratbelastung der Böden verschärfen. Die SL schreibt weiter, dass eine «Tierfabrik», wie sie in Drälikon geplant sei, gar dem Image der Schweizer Landwirtschaft schaden würde.

Schuler hatte Vertreter der Stiftung – wie anderer Schutzverbände auch – zu einer Besichtigung eingeladen. Von der SL sei aber niemand auf dem Hof erschienen. Der Geschäftsleiter der SL, Raimund Rodewald, bestätigt das auf Anfrage. Die Stiftung habe sich mit den Vertretern anderer Verbände ausgetauscht und verfüge «über alle Projektinformationen». Rodewald hat gegenüber unserer Zeitung einen baldigen Besuch in Drälikon angekündigt, um «die Bauherrschaft von der Aufgabe des Vorhabens überzeugen zu versuchen».

Die geplante Halle (im Hintergrund) in einer weiteren Ansicht. (Visualisierung: pd)

Die geplante Halle (im Hintergrund) in einer weiteren Ansicht. (Visualisierung: pd)

Er dürfte es schwer haben. Denn der dreifache Vater Martin Schuler – seine Familie führt den Hof in dritter Generation – verbindet mit der Halle nichts weniger als seine Existenzsicherung. Trotzdem würde er die Kapazität nicht ausnutzen wollen? Wirtschaftlich gesehen müsste er nämlich die heutige Produktionsmenge verdoppeln, «um überleben zu können», sagt er. «Wir werden unseren heutigen Bestand nur um 50 Prozent erhöhen. Die Liegeflächen sind doppelt so gross wie in der Tierschutznorm vorgeschrieben, was dem Tierwohl zugutekommt», hält er fest.

Dahinter steckten auch finanzielle Überlegungen. «Nur ein gesundes Tier wird alt und ist somit länger einträglich», erklärt er. Zusätzliche Einnahmen verspricht er sich von einer Molkerei, die er auf seinem Hof aufbaut. In dieser wird er die Milch selbst zu verarbeiten, neben Trinkmilch beispielsweise zu Joghurt.

Schuler denkt gross. «Der Spinner der Gegenwart ist der Visionär von morgen», sagt er lächelnd über sich. Gelernt hat er diese Sichtweise auf «Studienreisen», wie er sie nennt. In den USA, Australien, Neuseeland und Dänemark habe er sich ein Bild von zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben gemacht.

«Die Innovationsbereitschaft ist im Ausland viel grösser», hat er festgestellt. In der Schweiz sei das Problem, dass man «zwar Innovation von den Bauern verlangt, aber gleichzeitig ein Bild von vor hundert Jahren aufrechterhalten will. Die Einstellung ist im Allgemeinen konservativ.»

Stimmbevölkerung wird entscheiden

Dass sein Vorhaben auf Widerstand stossen würde, war Schuler von Anfang an klar. Der beredte Bauer hält mit Transparenz dagegen: Er stellt sich den Fragen von Interessierten, die auf seinen Hof kommen, und er hat eine Broschüre drucken lassen. Darüber hinaus ist das Projekt auf einer Website mitsamt Erklärvideos dokumentiert.

Diese intensive Aufklärungsarbeit ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Hünenberger Stimmbevölkerung die Voraussetzung für die Umsetzung schaffen muss: Diese setzt nämlich eine Umzonung voraus. Gegenwärtig läuft die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung. Schuler rechnet «allerfrühestens im Sommer 2019» mit der Abstimmung.

Auf politischer Ebene erwartet er Gegenwind. Schon als er das Projekt im Jahr 2013 erstmals dem Gemeinderat präsentierte, seien die Vorbehalte gross gewesen, erinnert er sich. Diese bezogen sich nicht zuletzt auf den befürchteten Einschnitt ins Landschaftsbild.

Martin Schuler hat mittlerweile Visualisierungen mit Blickwinkel vom Dorf her anfertigen lassen. Aus der Ferne wirkt die Halle, die von zwei Seiten von Pappeln abgeschirmt ist, nicht so mächtig, wie es die Zahlen vermuten lassen. Letztlich ist es eine Frage der Perspektive.

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