Grosser Gemeinderat
Die Erweiterung der Bossard-Arena wurde intensiv diskutiert

Der Zwischenbericht zu einer Kapazitätsausweitung des EVZ-Stadions hatte es im Stadtparlament schwer, aber es gab Ideen.

Marco Morosoli
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Die Bossard-Arena, wie sie aktuell steht.

Die Bossard-Arena, wie sie aktuell steht.

Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 11. September 2020)

Das Gute kommt zuerst. Der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug hat Dienstagabend den Zwischenbericht des Stadtrats zur angedachten Erweiterung der Bosssard-Arena im Gebiet Herti mehrheitlich positiv zur Kenntnis genommen. 21 der anwesenden Gemeinderäte drückten bei der Abstimmung den positiven Knopf, deren zwölf zeigten ihren Unwillen über das umfangreiche Dossier, welches der Stadtrat zusammengetragen hatte. Wohlwissend, dass Politiker in Bezug zum Sport oftmals ein zwiespältiges Verhältnis an den Tag legen.

Nach einem Abend zum Thema «Erweiterung Bossard-Arena» ist eines klar. Der EVZ als Treiber hinter dieser Idee muss sich auf einen längeren Kampf einstellen, als denjenigen, der in diesem Jahr am 7. Mai mit dem dritten Playoff-Final-Sieg geendet hat und den Zentralschweizern den zweiten Meistertitel einbrachte. Der EVZ kam ohne Verlängerungen durch.

Das dürften die Zuger Eishockeyaner, oder besser deren Management, in Sachen Kapazitätsausbau in ihrer Heimstätte nicht durchkommen. Sie können sich eher am längsten Playoff-Spiel, das in Norwegen vor vier Jahren erst nach einer Spielzeit von 214 Minuten und 14 Sekunden endete. Von den 5 000 Zuschauern im Eisstadion von Hamar (Norwegen) waren nur wenige noch vor Ort als die Storhamar Dragons gegen die Sparta Warriors das 2:1 erzielten.

Der SP-Sprecher verlangt schon mal Transparenz

Wie viele Redner am Dienstagabend gratulierte der SP-Gemeinderat Urs Bertschi dem EVZ zu seinem Meistertitel. Er mahnte aber schon in seinem zweiten Abschnitt der Rede an, dass es gelte «trotz momentaner Euphorie, klaren Kopf zu bewahren» Was er, respektive seine Partei wolle, darüber liess der SP-Mann die Versammelten wissen, dass «vor der Klärung der Frage einer allfälligen Stadionerweiterung volle Transparenz hinsichtlich sämtlich der ins Auge gefassten Optionen» zu schaffen sei.

Urs Bertschi präsentiert auch gleich den Katalog seiner zu beantwortenden Fragen: Kosten, Risiken, Finanzielles, Rechtliches. Schon in diesem Verfahrensstand erinnerte er daran, dass bei einer allfälligen Abgabe der Bossard-Arena von der Stadt mittels Baurecht an den EVZ daran, dass dann bei diesem Geschäft nicht die Stadt den «horrenden Abschreiber» tragen müsste. Bertschi erwähnte dies, weil mittlerweile die Abschreibungsvorschriften von degressiv auf linear umgestellt wurden. In diesem Stil des Herummäkelns ging es dann weiter. Nur schon deshalb dürfte es spannend sein, das Wortprotokoll der Sitzung des Grossen Gemeinderats zu lesen.

Auch EVZ Fans haben Bedenken

Martin Iten, er präsentierte den Zwischenbericht zur Stadionerweiterung aus Sicht der Alternative-die Grünen/CSP, liess seine Zuhörer wissen, dass der im Nachgang an den zweiten Meistertitel einen «brummenden» Schädel gehabt hatte. Er hätte auch ein Schlafmanko beklagt und tagelang eine heissere Stimme hatte. Ein EVZ-Fan? Ja. In seinen Augen sei es jedoch merkwürdig, dass ein Stadion, das noch vor ein paar Jahren als das modernste in Europa angepriesen worden sei, «bereits nicht mehr den Ansprüchen genügen soll».

Iten wunderte sich auch, dass das Stadion ja gerade als Infrastruktur reichte, um den Meistertitel zu erringen. Er legte nach: «Wenn wir heute Abend über die Dringlichkeit einer Stadionerweiterung reden, tun wir es nicht aus einer Not heraus, sondern im Rahmen einer ganz und gar nicht zwingenden Optimierung im Bereich des Konsumationsapparats und des noch-mehr-Geld-Verdienens seitens des EVZ».

Viel Jubel gab es zwar auch später nicht, aber Lob

Nach der vorerwähnten Voten machte es Gregor Bruhin (SVP) in einer nüchternen Art, aber er dankte den Studienerstellern für ihre Arbeit. Eishockey sei in Zug von «öffentlichem Interesse.» Er sei stolz über den Titelgewinn des EVZ. Als Politiker sagte Bruhin, dass ihm respektive seiner Fraktion noch «einige Informationen» in finanzieller Hinsicht fehlen würden.

Der SVP-Gemeinderat brachte dabei die 65 Millionen ins Spiel, welche die Stadt damals beisteuerte, als 2008 über das Projekt abgestimmt worden sei. Noch kürzer mochte der GLP-Gemeinderat Daniel Meyer sprechen. Er erinnerte daran, dass die Stadt Zug wachse, der Kanton Zug wachse. In diesem Kontext sei die angedachte Erweiterung der Bossard-Arena von derzeit 7200 Zuschauern auf deren 9000 gar nicht so gross.

Stadtrat André Wick sucht die Relationen

Der Zuger André Finanzchef André Wicky sah im ganzen Projekt eine Riesenchance Nutzer (EVZ) und Betreiber (KEB/Stadt) zusammenzuführen. Er sagte auch, wenn weitere Fakten vorliegen, «erst dann können wir richtig loslegen».

Die Positionen sind bezogen. Wer wie viele Worte noch für die weiteren Debatten sicher eingelagert hat, ist unklar. Klar ist: Der diesjährige EVZ-Meistertitelgewinn könnte da geradezu ein Spaziergang gewesen sein.