GRÜNES LICHT
Ja zum 5,5-Millionen-Kredit: Der Zuger Kantonsrat ermöglicht den Bau von Solaranlagen und Ladestationen

Nicken, schweigen, Einigkeit. Ohne Kontroverse genehmigt das Zuger Kantonsparlament die Mittel, um Fotovoltaikanlagen auf Kantonsgebäuden und Ladestationen für Elektrofahrzeuge in eigenen Tiefgaragen zu bauen. Während der Beratung stellt sich jedoch die Frage, ob es dem Kanton Zug in erster Linie um die Umwelt geht – oder doch nicht eher um sein Image.

Kilian Küttel
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Realität in Risch: Auf dem Dach der Waldeggturnhalle wird schon jetzt Solarstrom produziert.

Realität in Risch: Auf dem Dach der Waldeggturnhalle wird schon jetzt Solarstrom produziert.

Bild: Werner Schelbert (2. September 2016)

Als Beat Iten als Erster vor den Kantonsrat tritt, um ihn fünf Minuten lang mit Begriffen wie «sukzessiv», «nachfrageorientiert», «sinnvoll» und «nachhaltig» zu bedienen, bringen ihm die meisten Parlamentarier ihr aufrichtiges Desinteresse entgegen.

Kaum war Iten, SP-Kantonsrat aus Unterägeri und Präsident der Kommission für Hochbau, ans Rednerpult getreten, kam in der Ratsrechten Gemurmel auf, das auf eine gewisse geistige Abwesenheit schliessen liess. Auf der anderen Seite der Turnhalle (und des politischen Meinungsspektrums) stierten die Vertreterinnen und Vertreter von ALG und SP in ihre Laptops, als würden die Lottozahlen gezogen. Und in den Reihen von CVP und FDP kühlten die ersten verlassenen Sitzflächen ab, was von der Kaffeemaschine draussen niemand behaupten konnte.

Kommissionspräsident Iten votierte für ein Ja

Der Mangel an Aufmerksamkeit war kein Zeichen fehlenden Respekts, sondern ein Indiz dafür, dass die Debatte um den 5,5-Millionen-Kredit für das Projekt Ökoplus so viel Reibung verursachen würde wie ein frisch gewachstes Snowboard auf einer vereisten Piste am Titlis. Und dieser Eindruck sollte nicht täuschen.

«Der Kanton Zug hat sich beim Bau von Fotovoltaikanlagen und der Nutzung von Solarstrom in Vergangenheit nicht sonderlich hervorgetan», sagte Iten. Die Kommission sei «einhellig der Meinung», es sei an der Zeit, Sonnenenergie stärker zu nutzen. Erfreut habe man deshalb vom vorgeschlagenen Objektkredit Kenntnis genommen. Iten beantragte im Namen der Kommission, den Antrag der Zuger Regierung anzunehmen und den Objektkredit für 5,5 Millionen Franken für das Programm Ökoplus zu sprechen.

Das Parlament folgte Itens Vorschlag

1 Million Franken davon will der Kanton investieren, um in eigenen Tiefgaragen und bei Aussenplätzen in Kantonseigentum Ladestationen für Elektrofahrzeuge zu bauen. Mit den restlichen 4,5 Millionen Franken sollen Liegenschaften des Kantons mit Solaranlagen bestückt werden. Laut einer Studie können bei 18 Gebäuden Fotovoltaikanlagen installiert und wirtschaftlich, sprich rentabel, genutzt werden – etwa bei den Verwaltungsgebäuden an der Aabacherstrasse, bei der Zuger Polizei oder auf dem Dach der Zuger Kantonsschule, dem erneuten Tagungsort des Parlaments.

Dieses folgte Itens Vorschlag und genehmigte den Kredit stillschweigend in erster Lesung. Es tat das praktisch vorbehaltlos. Einzig die FDP, vertreten durch Thomas Gander (Cham), ermahnte die Regierung, beim Bau der Ladestationen die Kosten genau im Blick zu behalten und die verschieden teuren Standorte nochmals kritisch zu hinterfragen. Und ALG-Sprecher Ivo Egger (Baar) appellierte an die Regierung, die «Umsetzung schnellstmöglich voranzutreiben». Der Handlungsbedarf sei unbestritten.

So sahen das auch die Vertreter von SVP, CVP und SP, die sich alle für die Vorlage aussprachen – und in ihren Voten derart ausnahmslos darauf hinwiesen, dass der Kanton Zug mit dem Projekt eine Vorbildrolle einnehmen werde, dass sich mit der Zeit die Frage stellte: Steht bei Ökoplus nur die Umwelt oder nicht vielleicht doch die Aussenwahrnehmung des Kantons Zug im Zentrum der Aufmerksamkeit? Oder um es mit den Worten von René Kryenbühl (SVP, Oberägeri) zu sagen:

«Dank zusätzlicher Ladestationen in kantonalen Tiefgaragen und an Aussenparkplätzen wird die Elektromobilität weiter gefördert. Davon profitieren alle: der Kanton, seine Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt auch die Umwelt.»

Baudirektor Florian Weber will mit der Realisierung starten

Die Antwort auf diese Frage muss offenbleiben – und spielt letztlich auch keine entscheidende Rolle. Baudirektor Florian Weber jedenfalls ist es wichtig, «jetzt endlich von der Planungs- in die Realisierungsphase zu gehen». Dem Rat sagte er, das Programm sei der konsequente Schritt, um die Ziele zu erreichen, die sich der Kanton Zug mit dem Energieleitbild aus dem Jahr 2018 gesetzt hat.

Und auch Weber wies darauf hin: «Mit dem Bau von Fotovoltaikanlagen und der Installation von Ladestationen kann der Kanton Zug seine Vorbildfunktion wahrnehmen.»