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Leserbrief

Grundsätzliches zu den Wahlen

«Ein Vollblutpolitiker, der niemanden kaltlässt», Ausgabe vom 6. September

«Müller kam von unten ...» lese ich da in diesem Artikel und es scheint, als ob Staunen darob gefragt sei, ungefähr nach dem Motto: «Was kann schon Gutes aus Nazareth kommen!» «Von unten» also, von daher, wo man nichts erwartet, weil ja da auch kaum etwas ist; nur Gipser, Zimmermann, Maurer oder sonst so was Handwerkliches, wo Können vor Wissen steht. Von «oben» wäre dagegen – so ist zu vermuten – ein Studium in Ethnologie, Politologie, Philosophie, Soziologie, Medienwissenschaften oder sonst eines dieser Orchideenfächer, möglichst im Verbund, und unbeschwert angeeignet im Geld der Eltern in Rückenlage schwimmend. Nicht Können also, sondern Vielwissen als Voraussetzung suggeriert das «von unten» in dieser Hommage auf einen der erfolgreichsten, tatkräftigsten Politiker der letzten Jahre in unserem Land.

Platon erkennt im «Staat» vier Kardinaltugenden für erfolgreiche Staatsführung; Weisheit, Tapferkeit, Masshalten aus deren drei Gerechtigkeit, dem wichtigsten Gut in der Politik erwachse. Vertraute man diesem Rezept, könnte man sich fragen, entspricht der Werdegang eines zu wählenden Politikers der Maxime «Verkosten nicht Vielwissen sättigt». Weisheit ist nicht Wissen, sondern verkostete Lebenserfahrung, Tapferkeit verlangt zur Einübung Entbehrungen und Masshalten setzt beide Eigenschaften voraus – Weisheit und Tapferkeit. Ob diese Eigenschaften, die dann gemäss Platon Gerechtigkeit generieren, von «unten» oder «oben» stammen, ist kein Kriterium für einen guten Politiker, nicht mal etwas Staunenswertes.

In diesen Zeiten des Wahlgetümmels wäre es vielleicht angebracht, anstelle der angestrebten oder gesammelten Titel eines Kandidaten, vermehrt darauf zu achten, ob dieser die Voraussetzungen zur Aneignung der erwähnten Eigenschaften lebte oder ob da nur ein Packesel des Wissens oder gar Ehrgeiz sich anbietet. Das «von unten» oder «oben» jedenfalls ist absolut bedeutungslos. Könnte es nicht gar sein, dass das unbedingt Auszuschliessende in der Politik, die Vorteilnahme in irgendwelcher Form dank der Stellung, dieser Hang sich «oben» eher tummelt, weil Haben nach Mehrhaben schreit?

Hans Arnold-Bürgi, Rotkreuz

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