Mein Lieblingsgegenstand: Grünes, kleines Wohlfühlelement

Der Bonsai begleitet Harry Ziegler seit Jahren durch den Berufsalltag. Mit beruhigender Wirkung.

Harry Ziegler
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Bonsai, Bär und Chefredaktor Harry Ziegler bilden eine ideale Gemeinschaft. (Bild: Maria Schmid, Zug, 5. Juli 2019)

Bonsai, Bär und Chefredaktor Harry Ziegler bilden eine ideale Gemeinschaft. (Bild: Maria Schmid, Zug, 5. Juli 2019)

Eines vorab: Mein Bonsai ist unecht. Das heisst, er sieht zwar täuschend echt aus, ist aber aus Kunststoff. Vom Topf bis zum satten Grün der Krone. Ausser gelegentlichem Abstauben braucht er keine Pflege. Und das ist gut so.

Warum also eine unechte Pflanze und weshalb ausgerechnet ein Bonsai. Die Frage weshalb es ein unechtes Gewächs ist, die ist relativ schnell beantwortet. Ich mag Pflanzen zwar, leider haben diese bei mir jeweils kein langes Leben, sie verdursten und verdorren – einfach, weil ich diese nach einer gewissen Zeit nicht mehr als Pflanze, sondern als Einrichtungsstück im Büro wahrnehme. Und halt eben auch so behandle. Wenn ich dann einmal bewusst hinschaue, ist es in der Regel zu spät, was bei einem echten Bonsai jeweils ein ziemlich teures Vergessen wäre.

Ausdruck von Harmonie und vor allem: Geduld

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, warum auf meinem Pult ein Bonsai steht. Ich habe einmal in einem Roman – Autor (es war kein japanischer) und Titel habe ich inzwischen vergessen – gelesen, wie der Protagonist jeweils zum Entspannen an seinen Bonsaipflanzen herumschnippelte und gar grandios übers Leben sinnierte. Und so nebenbei habe ich mit Hilfe von Brockhaus und Wikipedia erfahren, was «bonsai» eigentlich bedeutet. Die Bonsaikunst entstammt der Gartenkunst des Kaiserreiches China.

Das japanische Wort geht zurück auf den chinesischen Begriff «pénzai»und bedeutet «Anpflanzung in der Schale». Nach chinesischem Verständnis soll Harmonie zwischen den Naturelementen, der belebten Natur und dem Menschen in miniaturisierter Form dargestellt werden. Die belebte Natur wird hierbei meist durch einen Baum dargestellt. Mich fasziniert die Kompaktheit des Bonsai, die durch geduldige Eingriffe am Gewächs selber erreicht wird. Vor allem, wenn man sich vorstellt – und das geht auch bei einem Bonsai aus Kunststoff – wie viel Geduld notwendig ist, bis Mensch den Baum in die gewünschte Form gebracht hat. Und, zugegeben, Geduld ist meine Stärke nicht. So ist mein Plastikbonsai quasi die ständige Mahnung, mich vermehrt in Geduld zu üben.

Nun klettert jedoch noch ein kleiner Schwarzbär aus Kunststoff am Topf des Bonsai hoch. Zu diesem Bären habe ich eine ebenso enge Bindung, wie zu meinem Bonsai. Geschenkt hat ihn mir eine ehemalige Mitarbeiterin. Sie hat mich jeden Morgen, wenn ich ins Büro kam mit den Worten «Guete Morge, Bär» begrüsst. Aufgrund meiner Körpergrösse und -fülle. Mittlerweile geniesst die Mitarbeiterin den Ruhestand, der Bär ist mir geblieben.

Bonsai, Bär und ich: eine ideale Gemeinschaft

Ich mag Bären, ihre ruhige, teils behäbige aber auch geniesserische Art. Sie bewegen sich in einem gemächlichen Passgang, sie können im Bedarfsfall aber bis zu 50 Stundenkilometer schnell laufen.

Und vor allem können sie sich kolossal aufregen, was ich mit ihnen gemeinsam habe. Deshalb bilden mein Bonsai, mein Bär und ich eine ideale Gemeinschaft. Der Bär, weil er mir Spiegel meines Wesens ist. Der Bonsai, weil er mich zu Ruhe und Geduld mahnt.

In der Sommerserie der «Zuger Zeitung» stellen die Redaktorinnen und Redaktoren ihre Lieblingsgegenstände vor.