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GÜSEL: Eine Epoche geht nun zu Ende

In dieser Woche sind die Mitarbeiter des städtischen Werkhofs mit den Fahrzeugen für die Abfallentsorgung unterwegs – zum letzten Mal.
Das waren noch Zeiten: Ab 1953 war der Rücklader mit hydraulischer Pressvorrichtung unterwegs. (Bild: pd)

Das waren noch Zeiten: Ab 1953 war der Rücklader mit hydraulischer Pressvorrichtung unterwegs. (Bild: pd)

Christian Raschle

Güsel, Abfall, Kehricht, Altlasten, Müll und weitere Begriffe sind Beweis dafür, dass die Entsorgung von verbrauchten Konsumgütern die Gesellschaft immer wieder beschäftigt. Im Ehgraben («Schissigässli»), der die beiden Teile der Stadtzuger Altstadt trennt, sorgte ursprünglich ein Ferkel für die Verwertung der menschlichen und tierischen Abfälle, bis das Tier zu gewichtig war und sich im engen Raum nicht mehr bewegen konnte – sodass eine Nachfolgerin diese Aufgabe ebenfalls befristet übernehmen musste. Regenfälle sollten die Restabfälle entlang der Rinne in den Schwanenplatz und von dort in den Zugersee schwemmen. Der Hygiene wurde dabei wenig Beachtung geschenkt, weshalb auch in Zug in regelmässiger Folge Krankheiten wie Ruhr, Cholera und Typhus auftraten. Auch von Pestepidemien blieb die Kleinstadt nicht verschont.

Die Zeit der Zweispänner

Das beschauliche Städtchen Zug vergrösserte zwischen 1850 und 1880 die Einwohnerzahl von 3302 auf 4805 Einwohner. 1884 entschied der Stadtrat, dass in der inneren und äusseren Altstadt jeweils am Samstag und vor Feiertagen der Kehricht einzusammeln sei. Der Zuger Stadtrat übertrug die Abfalltransporte periodisch einem privaten Fuhrhalter, dem als Hilfskraft ein Stadtarbeiter beigesellt wurde. In den folgenden Jahren wurde das Abfuhrwesen zeitlich verdichtet. Zwischen April und Oktober wurde der Abfall zweimal eingesammelt, neu auch am Mittwoch. Die Transporte mussten am Mittwoch mit zwei, am Samstag mit drei Zweispännern mit genügend grossem Wagen erfolgen. Trotz behördlicher Vorschriften blieb die nun widerrechtliche, private Entsorgung ein Problem. Beliebt war der Siehbachplatz, aber die erfinderischen Zuger fanden auch weitere für sie passende Orte, sodass sich der Stadtrat gezwungen sah, Bereiche zu definieren, an denen neben der öffentlichen Abfuhr auch private Deponien erlaubt waren. Zu diesem Zweck liess der Stadtrat auch Aufschüttungen am Ufer des Zugersees vornehmen, was zu Auseinandersetzungen mit dem Kanton, dem Eigentümer des Sees, führte.

1912 bewilligte der Stadtrat den Betrag von 2760 Franken für die Anschaffung eines Fuhrwagens nach dem Patent des Zürcher Wagenbauers Jakob Ochsner. Damit war Zug eine der ersten Schweizer Städte, die auf das neue System setzten. Ochsner hatte zudem den damals noch viereckigen Ochsner-Kübel entwickelt. Gedeckt war auch der Kehrichtwagen, der eine spezielle Vorrichtung für die Entleerung des Kübels enthielt. Das System Ochsner wirkte überzeugend, sodass ab 1920 das noch dünn besiedelte Hertiquartier und seit 1927 Oberwil von der regelmässigen Abfuhr bedient werden. 1931 ging die Epoche der pferdebespannten Fuhren zu Ende, und die Stadt kaufte den ersten Ochsner-Kehrichtwagen (siehe Bild).

Stadt betrieb zahlreiche Deponien

Im Laufe der Jahre und bei zunehmendem Wachstum der städtischen Bevölkerung wurde der Wagenpark der Abfallfahrzeuge erweitert. Anderseits dauerte der Kampf gegen wilde Deponien an, wobei die Stadt nicht nur mit Privaten im Clinch lag, sondern auch mit der Korporation und dem Kanton Zug. Die Stadt betrieb zeitweise zwölf Deponien, vier davon sogar ausserhalb des Gemeindegebietes. 1964 eröffnete der Kanton die Deponie Baarburg und erlaubte den Gemeinden die Ablagerung des Kehrichts, bis sich die Wasserversorgung der Stadt Zürich wegen verunreinigtem Trinkwasser beschwerte. Die Deponie wurde 1981 geschlossen, der Mülltransport erfolgte fortan für alle Zuger Gemeinden über die Kehrichtverladestation in Sihlbrugg in die Kehrichtverbrennungsanlage Winterthur.

Der 1993 neu gewählte erste Zuger Stadtökologe Emil Stutz erarbeitete ein Konzept für die Trennung des Abfalls und wenn möglich dessen Wiederverwertung. Der neue Ökihof fand und findet bei der Zuger Bevölkerung hohen Zuspruch. Politik und Fachleute arbeiteten eng zusammen und schufen 1996 den Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba). Die Stadt Zug besitzt seit vielen Jahren keine Deponie mehr, und nun werden ab 2016 auch die Transporte für die Entsorgung von ausserkantonalen Dienstleistern ausgeführt.

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