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Glosse

Gut Ding will Kreisel haben

Dreieinhalb Jahre für einen Kreiselbau - eine bald unendliche Geschichte, findet unser Autor Marco Morosoli.
Marco Morosoli
Marco Morosoli.

Marco Morosoli.

Das Verwaltungszentrum des Kantons Zug an der Ecke Aabachstrasse/General-Guisan-Strasse kommt einfach nicht zur Ruhe. Seit knapp drei Jahren sind beim dortigen Kreisel die verschiedensten Baumaschinen im Einsatz. Die einen sind kaum wahrnehmbar, die Mehrheit jedoch schlicht Nervensägen.

Beim Bau der Meteorwasserleitung zwischen der V-Zug und der Schützenmatte sowie Zielschächten an der Ecke Gotthardstrasse/Industriestrasse und auf der Höhe der Gubel- und Industriestrasse spielt der Aabachkreisel seit 2017 eine Schlüsselrolle. Zeitgleich trieben auch noch die Wasserwerke ihr Fernwärmeprojekt Circulago im Bereich der Aabachstrasse voran. Um diese Funktion zu erfüllen, war ein Bauinstallationsplatz notwendig, und ein tiefer Schacht wurde ausgehoben und mit Betonwänden ausgekleidet. Alles in allem haben die Bauarbeiter für die Erstellung des Bauinstallationsplatzes fast drei Monate gebraucht. Oberstes Ziel: Der Verkehr auf der wichtigen Achse in Richtung Autobahn darf nicht beeinträchtigt werden.

Mitte März 2017 war an einer Pressekonferenz der Stadt Zug von einer Fertigstellung der Bauarbeiten gegen Ende 2018 die Rede. Die Wichtigkeit des Projekts unterstrich die Stadt Zug als Bauherrin damit, dass gleich acht Behördenvertreter vor Ort waren. Das Medieninteresse war hingegen bescheiden. Mit Prognosen ist das immer so eine Sache. Die Bohrarbeiten für die Meteorwasserleitung aus dem Gebiet Verzinkerei zum Seeufer südlich der Schützenmattturnhalle waren erst zu Beginn des laufenden Jahres abgeschlossen. Mitunter hatte auch noch ein Bohrkopf Ärger gemacht: Beim Leitungsbau verfing sich dieser in Gebäudeankern des Gerichtsgebäudes. Konsequenz: ausgraben. Denn ihn dort zulassen, wo er war, gab es als Variante nicht. Der Bohrer war für so was schlicht zu teuer. Wieder gingen wertvolle und vor allem viele Tage verloren, nur der Lärm wollte nicht weichen. Dass die ganze Übung mit der Meteorwasserleitung zu guter Letzt auch noch statt 19,6 Millionen Franken fast 25 Millionen Franken gekostet hat – gegessen.

Für Aussenstehende herrscht auf dieser Baustelle der grosse Schlendrian. Der Rückbau respektive Neubau der Strassenanlage zeigt kaum Fortschritte. Das hinderte die Stadt als Bauherrin für den Tunnelbau und das ganze Drumherum jedoch nicht daran, noch eine weitere Baustelle zu eröffnen. Es galt, die Gubelstrasse vom Aabachkreisel bis zum Parktower vierspurig auszubauen. Dieser Strassenabschnitt dürfte nunmehr der breiteste in der Zuger Innenstadt sein. Zwei Fahrspuren für den Individualverkehr und gleich noch zwei Busspuren. Eine Traumkombination für jeden Verkehrsplaner. In dieser Form gemahnt das Strassenwerk an eine Prachtallee in einer europäischen Metropole. Bäume hat es dort auch sehr viele. Die neue Zuger Flaniermeile?

Der fehlende Baufortschritt sorgte auch anderswo für Sorgenfalten. Das Datum des grossen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes im Zuger Westen von Ende August 2019 nahte. Es gab Anfragen bei der Stadt Zug als Bauherrin, ob das Projekt noch vor dem Schwingfest fertig sei. Ein Blick auf den Kreisel zeigte: Sie schaffen es nicht. Die Verantwortlichen unterbrachen aber immerhin die Bauarbeiten beim Aabachkreisel. Da die Mannschaft, die nach der grossen Schwingerparty für das Finish dort betraut ist, um einige Arbeiter kleiner geworden ist, ziehen sich die Strassenbauarbeiten immer noch hin.

Nachdem das Projekt Gubelstrasse vor etwas mehr als zwei Wochen weitgehend beendet war, kümmerten sich die Bauarbeiter gleich noch um die Aabachstrasse. Mit grossem Interesse verfolgen derzeit Personen, die häufig am Aabachkreisel vorbeischlendern, womit das triste Steinfeld im verkehrsumflossenen Knotenpunkt dereinst verschönert werden wird. Der Baum, der einmal mitten im Kreisel stand, ist nicht mehr. Bei einem Autounfall hat dieser irreparable Schäden davongetragen.

Wann genau rund um den Kreisel alles wieder fast so sein wird, wie es einst war, ist nicht bekannt. Ruhe kehrt jedenfalls nicht so schnell ein. Die Stadt plant die Einebnung der General-Guisan-Strasse. Die Fortsetzung der Baumallee ist ein Teil des Projektes. Was klar ist: Die Trottoirs kommen breiter zu stehen als heute. Dass diese Arbeiten notwendig sind, zeigt sich übrigens aktuell wieder: In der Wanne bricht Wasser durch. Die nächste Periode von viel Lärm steht den kantonalen Angestellten im Verwaltungszentrum an der Aa durch das nächste Projekt der Stadt Zug in diesem Gebiet ins Haus, wenn dereinst der Bau des neuen Hauptstützpunkts für die Zugerland Verkehrsbetriebe umgesetzt werden wird. Dort ist für einmal nicht die Stadt Zug die Bauherrin, sondern die Zugerland Verkehrsbetriebe. Ihr grösster Einzel-Aktionär ist der Kanton Zug mit 68 Prozent. Der Lärm wird also «in house» produziert.

Rund um den Aabachkreisel heisst die Devise also bis auf Zusehen hin: Nur was sich ändert, bleibt erhalten.

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