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Muri: Gute Lebensmittel für einen Franken

Die Organisation Tischlein deck dich hat in zehn Jahren Lebensmittel für fast eine Million Franken für ärmere Menschen gerettet. Jede Woche profitieren rund 120 Personen.
Eddy Schambron
Myrtha Leuppi ist eine der 15 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die bei «Tischlein deck dich» die Kunden bedient. (Bild: Eddy Schambron)

Myrtha Leuppi ist eine der 15 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die bei «Tischlein deck dich» die Kunden bedient. (Bild: Eddy Schambron)

Frau F. kommt mit dem Geld, das ihrer Familie zur Verfügung steht, kaum über die Runden. Sie ist arm und froh, dass sie jede Woche bei «Tischlein deck dich» in Muri für einen Franken Lebensmittel für ihre Familie beziehen kann. Seit zehn Jahren gibt es die Organisation Tischlein deck dich in Muri, seit zehn Jahren werden von Freiwilligen vollständig einwandfreie Lebensmittel vor der Vernichtung bewahrt und im Jugendhaus der Gemeinde armutsbetroffenen Personen aus der Region zugänglich gemacht. Die Abgabestelle Muri unterstützt so jede Woche gegen 120 Menschen, wie Abgabestellenleiter Peter Rüetschi weiss. Im letzten Jahr kamen so fast 13 000 Kilogramm Lebensmittel in hungrige Mägen. Seit der Eröffnung in Muri vor zehn Jahren konnten an der Abgabestelle gegen 145 000 Kilogramm Lebensmittel verteilt werden. Das entspricht einem Warenwert von rund 937 000 Franken.

Es wird verkauft, was da ist

«Das Angebot wechselt beständig», sagt Rüetschi, je nach Abgabe von Grossverteilern oder kleineren Lebensmittelhändlern, Bäckereien oder Bauern. Überproduktionen oder bald ablaufende Lebensmittel werden gern von der Logistik-Plattform Zentralschweiz in Baar geholt und auf die verschiedenen Abgabestellen verteilt, kleinere Posten holen die insgesamt 15 Helferinnen und Helfer von «Tischlein deck dich» auch persönlich in der Region ab. An einem Dienstag im Januar gab es in Muri unter anderem Brot und Zopf, Salatsauce oder tiefgefrorene Fleischportionen, Risotto und natürlich Weihnachtsguetzli und spanische Nüssli. «Bei uns ist Weihnachten halt etwas später», lacht Rüetschi. Auch andere Feste, etwa Ostern, verschieben sich jeweils um ein paar Wochen. Geschätzt werden die Lebensmittel und Süssigkeiten, die extra für diese Anlässe produziert werden, auch später noch. Nur wer am oder unter dem Existenzminimum lebt, bekommt von der Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri eine Karte, die zum Bezug von Lebensmitteln für einen symbolischen Franken berechtigt. Zu den Kundinnen und Kunden von «Tischlein deck dich» gehören «Working Poor» genauso wie Familien, Alleinerziehende, Migranten und Menschen, die Sozialhilfe oder eine Invalidenrente beziehen.

Ganz natürliche Kontakte

Einige gehen offen mit ihrer prekären finanziellen Situation um, andere haben Mühe, die Tür zu «Tischlein deck dich» aufzustossen, weil sie sich für ihre Bedürftigkeit schämen. «Wir hatten auch schon einen Mann, der die Tochter schickte, weil er sich nicht getraute, selber zu kommen», so Rüetschi. Dabei ist Scham unbegründet: Die Helferinnen und Helfer begegnen den Menschen ganz natürlich, führen sie als Kundinnen und Kunden durch das Angebot, kennen mit der Zeit sogar die Situation zahlreicher Leute ziemlich gut und wissen beispielsweise, wer kein Schweinefleisch isst oder wer auf Joghurt verzichtet. «Wir haben ein tolles Team», freut sich Rüetschi. Genauso wie bei jedem Lebensmittelhändler gelten hier die Hygienevorschriften und das Lebensmittelgesetz sowie die strikte Einhaltung der Kühlkette. «Auch unsere Ware ist jederzeit, wenn sie an die Kundschaft gelangt, von einwandfreier Qualität.» Lebensmittel von Anbietern sind bei «Tischlein deck dich» jederzeit herzlich willkommen. Ebenso weitere Helferinnen und Helfer. «Es ist eine gute Sache, für die wir uns hier einsetzen können», unterstreicht Rüetschi (peter.rueetschi@hotmail.com, 079 647 32 09).

«Tischlein deck dich» erreicht pro Woche an seinen 129 Abgabestellen in der ganzen Schweiz rund 18 400 Menschen in Not. Damit wird ein sozial sinnvoller und ökologisch nachhaltiger Beitrag zum respektvollen Umgang mit Lebensmitteln geleistet. Die Organisation wurde 1999 von der ehemaligen Bon Appétit Group gegründet. Unterstützt wird sie unter anderem von Coop und Migros sowie Prodega TransGourmet und zahlreichen regionalen Zulieferern.

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