Grossaufmarsch an der Stadtzuger Nationalfeier: «Habt euer Land und euch selbst gern»

Der Aargauer Geschichtenerzähler Philipp Galizia überzeugte an der Nationalfeier in Zug mit Witz und einer schlichten Botschaft.

Cornelia Bisch
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Die 14-jährige Lou Vogel aus Hünenberg sang die Nationalhymne. (Bild: Maria Schmid, Zug, 1. August 2019)

Die 14-jährige Lou Vogel aus Hünenberg sang die Nationalhymne. (Bild: Maria Schmid, Zug, 1. August 2019)

Ein bisschen üben wolle er nun mit dem Zuger Festvolk, da eine Qualitätsprüfung im vergangenen Jahr eine eher unterdurchschnittliche sängerische Leistung beim Vortragen der Nationalhymne festgestellt habe. Der Aargauer Musiker, Schauspieler und Geschichtenerzähler Philipp Galizia liess die grosse Festgemeinschaft auf dem Zuger Landsgemeindeplatz im Rahmen seiner Ansprache einige «Hopp Schwiz»-Wellen vorführen, denen er – da weniger global, wie er meinte – zwei «Hopp Zug»-Wellen folgen liess. «Nicht schön muss es tönen», ermahnte der Künstler die Besucher, «sondern laut.» An die Hymne wagte er sich schliesslich doch nicht heran, aber ein beherztes «Zum Geburtstag viel Glück» sangen die Zuger ihrer Schweiz.

«Unsere Nationalhymne ist doch schon ein wenig altbacken», fand Galizia.

Stattdessen schlug er das traditionelle Nidwaldner Tanzlied «Händ ­anenand» als Alternative vor. Begleitet von seiner Bassgeige trug er das Lied, das die fröhliche Gemeinschaft, Treue und innere Werte hochhält, vor.

Humorvoll sinnierte Galizia über die Pflege des eigenen Gärtleins und den Begriff Heimat, über jugendliche Liebe, das Älterwerden und den manchmal doch recht hässlichen , grauen Alltag. «Zuzusehen, wie sein Gegenüber immer älter wird, ist schon ziemlich hart», fand er. Deshalb setze man sich mit der Zeit doch lieber nebeneinander hin, denn «d’Ussicht isch eifach schöner». Dabei könne es durchaus vorkommen, dass man die Hand des anderen wiederfinde, fügte er hintergründig hinzu.

Junge Sängerin aus Hünenberg

Die kurze Panne mit dem Kirchengeläut, das punkt acht Uhr hätte einsetzen sollen, jedoch nicht zu hören war, umschiffte der Aargauer Künstler mit der Wiederholung des Nidwaldner Tanzliedes. «Feiert euer Land», schloss er, «habt es gern und euch auch.»

(Bild: Maria Schmid, Zug, 1. August 2019)

(Bild: Maria Schmid, Zug, 1. August 2019)

Die Nationalhymne intonierte schliesslich die 14-jährige Lou Vogel aus Hünenberg, die bereits einige Performance-Erfahrung in der Musicalschule «Voice Steps» gesammelt hat und am Europäischen Jugend-Musicalfestival 2018 ausgezeichnet wurde. Sie meisterte die drei Strophen, die für ihre Stimme etwas tief gesetzt waren, bravourös und erntete herzlichen Applaus. Im Anschluss daran heizte die Gruppe Baba Shrimps dem Festvolk mit poppig heissen Rhythmen ein.