HÄRTEFÄLLE
Grossspende in Oberägeri, verhaltene Nachfrage in Baar: So unterstützen die Zuger Gemeinden die lokale Wirtschaft

Nur wenige Zuger Gemeinden gewähren ihren Unternehmen in Coronazeiten direkte Finanzhilfen. Die meisten halten das Härtefallprogramm von Bund und Kanton für ausreichend. Dennoch kommen auch sie dem Gewerbe entgegen: mit Mieterlässen oder Fristverlängerungen.

Fabian Gubser
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Blick auf Oberägeri.

Blick auf Oberägeri.

Bild: Stefan Kaiser (24. April 2019)

Von Corona betroffene Unternehmen können sowohl bei Bund als auch beim Kanton Unterstützung beantragen. Erst kürzlich stockte der Kanton Zug sein Härtefall-Programm auf 150 Millionen Franken auf – der Kantonsrat muss dies allerdings noch gutheissen.

Doch nicht nur das: Auch auf der untersten Staatsebene können gebeutelte Firmen auf Hilfe hoffen; im Kanton Zug haben die Gemeinden Baar, Steinhausen und Oberägeri direkte Finanzhilfen gesprochen – letztere Dank einer privaten Spende.

Die Kriterien sind dabei nicht einheitlich. Unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips zahlen Baar und Steinhausen nur, wenn die Betriebe von Bund und Kanton keine ausreichende Hilfe erhalten haben. Oberägeri derweil definierte einen Kriterienkatalog, der sich an jenem für die Härtefallmassnahmen von Bund und Kanton anlehnt.

Privatperson in Oberägeri spendete 250'000 Franken

Verglichen mit dem Härtefallprogramm des Kantons wurde bis jetzt allerdings weder viel bewilligt noch viel ausbezahlt. So stellte die Gemeinde Baar 500'000 Franken zur Verfügung, von denen an zwei Betrieben bisher insgesamt 10'000 Franken ausbezahlt wurden. Die Gemeinde Steinhausen bewilligte bis jetzt einen Betrag von rund 5000 Franken, der an drei Firmen ausbezahlt wird. Insgesamt stellt die Kommune 100'000 Franken zur Verfügung.

Eine äusserst grosszügige Spende von einer Privatperson für Coronahilfen erhielt die Gemeinde Oberägeri. Sie verteilte fast die gesamte Spende von 250'000 Franken, 190'000 Franken an rund 25 Unternehmen und den Rest an Einzelpersonen oder Familien. 100'000 Franken davon wendete sie unter anderem für Massnahmen wie Einkaufsgutscheine fürs Gewerbe auf, an denen sie sich beteiligte. Auch Unterägeri sprach für diese Massnahme Gelder.

Der Grund für die teilweise verhaltene Nachfrage liegt offenbar bei der grosszügigen und schnellen Hilfe des Kantons. Gemeinderätin Carina Brüngger (FDP) aus Steinhausen sagt:

«Ich finde, das Tempo des Kantons Zug ist erwähnenswert.»

Der Zuger Stadtrat André Wicki (SVP) ergänzt:«Der Kanton ging mit seiner Unterstützung immer schneller und aktiver als der Bund voran.» Auch die Höhe wird gelobt: In Hünenberg empfand man diese als «sehr grosszügig».

Am meisten Geld sprach Zug, jedoch nur indirekt: Der auf zehn Millionen Franken dotierte Coronafonds ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern vor allem für die Bereiche Kultur und Sport vorgesehen. 4,7 Millionen wurden bereits bewilligt, davon entfällt ein Grossteil auf die Pro-Zug-Gutscheine, die der Wirtschaft zugutekommen (3,5 Millionen).

Sechs Gemeinden verzichten auf finanzielle Hilfe

Keine finanzielle Hilfe für Unternehmen beschlossen die Gemeinden Risch, Neuheim, Cham, Menzingen, Walchwil und Hünenberg. Sie alle verwiesen auf Bund oder Kanton. Die Gemeinden kamen jedoch den Betrieben anderweitig entgegen: Menzingen beispielsweise stellte den Restaurants gemeindeeigene Parkplätze kostenlos zur Verfügung. Cham erliess den Restaurants, die in Liegenschaften der Gemeinde zu Hause sind, zum Teil die Mieten. In Hünenberg werde man nach der Coronakrise rückwirkende Mietzinsreduktionen für die Geschäfte in den eigenen Liegenschaften prüfen. Risch verlängerte die Zahlungsfristen und beschloss ein temporärer Aufschub von Betreibungen seitens der Gemeinde.

«Unterägeri und Oberägeri klären momentan ab, welche finanziellen Massnahmen in Frage kommen», sagt der Unterägerer Gemeindepräsident Josef Ribary. Nächste Woche werde dieses Thema an einer Sitzung mit dem Gewerbeverein Ägerital und der Vereinigung «Fachgeschäfte Ägerital (Pro Bon) behandelt.