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HAGENDORN: Aus dem geheimen Leben der Bäume

Besitzen Bäume ein Gedächtnis, ein Sozialleben? Empfinden sie Schmerz, sind sie lernfähig? Eine Führung von Pro Natura Zug zeigte, dass man erst am Anfang einer faszinierenden Forschung steht.
Dorotea Bitterli
Thomas Neurauter, Vorstandsmitglied von Pro Natura Zug, führt eine Gruppe durch den Wald. (Bild: Werner Schelbert (Hagendorn, 22. Juli 2017))

Thomas Neurauter, Vorstandsmitglied von Pro Natura Zug, führt eine Gruppe durch den Wald. (Bild: Werner Schelbert (Hagendorn, 22. Juli 2017))

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Im Rahmen seiner diesjährigen Ausstellung «Lebendige Land(wirt)schaft» bot am Samstagnachmittag das Ziegeleimuseum Hagendorn bereits zum dritten Mal die begehrte Waldbegehung mit Thomas Neurauter an. Der professionelle Gärtner, Vorstandsmitglied von Pro Natura Zug und Stiftungsrat des Museums, führte rund fünfzig Interessierte durch den nahe gelegenen Wald, blieb immer wieder stehen und sprudelte nur so über vor Wissen, Staunen und Begeisterung für sein Thema: den Baum als wundersam fühlendes und kommunizierendes Lebewesen. Dabei gelang es ihm, zu zeigen, wie Fühlen und Kommunikation immer nur einer Sache dienen – dem Überleben.

Bäume und Wälder leben seit Urzeiten vor, was die naturwissenschaftliche Forschung in ihren Labors erst langsam begreift und bestätigt: Gemeinsam geht’s besser.

Bäume kommunizieren etwa über ihr Wurzelwerk

So verbindet beispielsweise ein natürlich gewachsener Wald – im Gegensatz zu einer angepflanzten Plantage – seine Baumindividuen unterirdisch durch ein riesiges Geflecht von Pilzen, welche das Wasser verteilen, Nährstoffe weiterleiten oder Schwermetalle ausfiltern. Eine Handvoll Walderde enthält mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Die Bäume kommunizieren aber auch über ihr Wurzel- und Laubwerk und reagieren mit veränderten Duftstoffen. Eichen und Buchen blühen und fruchten nur alle fünf bis sieben Jahre, und sie «machen ab», wann das geschehen soll.

Buchen bilden eigentliche «Familien». Die dichte Laubkrone der «Mutterbuche» schützt ihre «Kinder» über Jahrzehnte hinweg durch Lichtdrosselung, sodass sie langsam wachsen, denn dies ist Voraussetzung für das Erreichen eines hohen Alters. Über die Wurzeln aber «stillen» die Mutterbuchen ihre «Babys» mit Zucker und anderen Nährstoffen. Ohne Licht bleiben die Knospen der Jungbuchen bitter, was verhindert, dass sie von Rehen und Hirschen gefressen werden. Wenn der Mutterbaum stirbt und fällt, stellt sich der Stoffwechsel der Jungbuchen auf Licht um, das Höhenwachstum setzt ein, und die Knospen werden zuckerhaltiger.

Alles ist vernetzt und profitiert voneinander

Bäume scheinen zu lernen und so etwas wie ein «Gedächtnis» zu haben. Wächst ein Baum beispielsweise mit viel Wasser auf, ist er plötzlich auftretender Trockenheit hilflos ausgeliefert und stirbt schneller daran als «Asketen», die nicht «verwöhnt» wurden, keinen Überfluss erwarten und daher robuster sind.

Neurauter führte die Besucher in einen verborgenen, schattigen Teil des Waldes und erklärte, warum es hier selbst an heissen Sommertagen um viele Grade kühler ist. Er wies auf das herumliegende Totholz hin, zeigte, wie darauf neues Leben entsteht. Und er erzählte, wie der Specht auch in gesunde Bäume seine Löcher hackt, wie sich Pilze ansiedeln, welche die Löcher vergrössern, wie der Specht irgendwann auszieht, ihm die Fledermäuse folgen, der Kleiber oder schliesslich die Käuze und Eulen. Alles ist vernetzt, profitiert voneinander.

«Jetzt verstehe ich besser, warum man im Wald nicht mehr aufräumen sollte», sagte Margrit Geissbühler aus Menzingen nach der Führung. Und Barbara Harris aus Rotkreuz erklärte: «Ich habe mir Notizen gemacht – für meine eigenen Wanderungen.» Nachdem sie auch noch kurz durch die neue Sonderausstellung geführt worden waren, bedankten sich die Besucher mit Klatschen und Worten für die spannende und sinnliche Lektion in Ökologie.

Hinweis

Weitere Infos zum Thema: Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume, 2015, ISBN 978-3-453-26067-0.

Und zur Sonderausstellung: www.ziegelei-museum.ch.

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