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HAGENDORN: Schiesserei im «Schlangestübli»

Drei Männer wurden am Dienstagabend bei einem Streit in einem Haus durch Schüsse aus einer Schrotflinte verletzt. Noch ist das Motiv für die Tat nicht klar.
Wolfgang Holz
In dieser Scheune wurden drei Männer bei einer Schiesserei mit einer Schrotflinte verletzt. Die Polizei sucht nach Spuren. (Bilder Werner Schelbert)

In dieser Scheune wurden drei Männer bei einer Schiesserei mit einer Schrotflinte verletzt. Die Polizei sucht nach Spuren. (Bilder Werner Schelbert)

«Eigentlich geht es hier sehr friedlich zu», sagt ein Sekschüler, der mit seinen Kameraden gerade in Hagendorn auf den Bus wartet. Den «Schlangenmann» allerdings kennt er, der oben am Berg an der Dorfstrasse in einer umgebauten Scheune zusammen mit 60 teils hochgiftigen Schlangen wohnt. Im «Schlangestübli» eben.

Mehrere Personen verhaftet

Genau dort, wo Speikobras, Grüne Mambas und eine riesige Python in abgeschlossenen Terrarien leben, gab es am vergangenen Dienstag kurz vor 21 Uhr einen Streit zwischen dem 56-jährigen Schlangenbesitzer – einem Schweizer –, einem 30-jährigen Russen sowie einem 28-jährigen Kosovaren. Dies berichtet die Zuger Polizei.

«Bei der Auseinandersetzung ist es dann zu einer Schussabgabe gekommen, wobei alle Beteiligten mittelschwer verletzt wurden», sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Anwohner haben die Polizei alarmiert, und ­mehrere Einsatzpatrouillen sowie der Rettungsdienst Zug rückten daraufhin sofort zum Tatort aus. Sie trafen auf die drei Verletzten, die ins Spital gebracht wurden. Lebensgefahr für diese bestehe nicht.

Blutüberströmt angetroffen

Aklin: «Diverse Personen wurden noch in der Nacht einvernommen und in Gewahrsam genommen.» Um wie viele Personen es sich dabei handelt, will die Kommunkationsverantwortliche nicht verraten. «Es sind mehrere – die drei, die bei der Tat verletzt wurden, sowie weitere Personen, die sich vor Ort befanden.» Die Tatwaffe, eine Schrotflinte, konnte sichergestellt werden. «Wir wissen auch, wer geschossen hat», gibt die Polizeisprecherin auf Nachfrage Auskunft. Sie will aber noch nicht sagen, welcher der drei es gewesen ist, weil der Tatablauf nach wie vor nicht klar sei. «Genauso wenig ist geklärt, wer Täter und wer Opfer bei dieser gewaltsamen Auseinandersetzung war.» Es gebe aber zahlreiche Spuren, die von der Spurensicherung derzeit noch aufgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft Zug leite die Untersuchung. Was die Giftschlangen betrifft, seien diese unter Kontrolle und versorgt.

Die Ehefrau des Liegenschaftsbesitzers, in dessen Scheune der derzeit arbeitslose Schlangenbesitzer zur Miete wohnt, ist dem am Kopf blutüberströmten Schweizer anscheinend unmittelbar nach der Schiesserei im Haus begegnet. Dies erzählt ihr Ehemann, der Stunden später von der Arbeit heimgekommen sei. «Der Angeschossene hat sie gebeten, ihn ins Spital zu bringen.» Kurz darauf seien jedoch bereits die Zuger Polizei und der Rettungsdienst Zug eingetroffen. Die Polizei habe daraufhin Computer, Telefon und Bargeld konfisziert. «Inzwischen haben wir aber alles wieder zurückbekommen», so der Ehemann. Seine Frau stehe unter Schock und werde von einem Care-Team betreut.

Doch warum ist es überhaupt zu der Schiesserei inmitten der ­Schlangenkäfige gekommen? Noch gibt es kein eindeutiges Tatmotiv. Wenn man sich im Dorf umhört, ist oft die Rede von «Drogen», die möglicherweise der Hintergrund für die Auseinandersetzung sind.

Geht es um Drogen?

Eine Hagendornerin will nämlich gesehen haben, wie immer wieder junge Leute auffällig an der benachbarten Bushaltestelle gewartet haben und dann irgendwann hinüber ins «Schlangestübli» gegangen seien. Ein Schüler ist sich ­sicher, dass andere Jugendliche regelmässig am Dorfbrunnen vor dem ­Volg-­Laden Marihuana geraucht haben: «Das riecht man einfach!» Zuvor seien die Jugendlichen dabei aus der Richtung des «Schlangestübli» gekommen. Ein Dritter berichtet von Motorradfahrern, die immer wieder vor dem «Schlangestübli» aufgekreuzt seien. «Uns sind solche Informationen auch zugetragen worden», nimmt Judith Aklin von der Zuger Polizei Stellung zu den Drogendeal-Gerüchten. «Wir haben dafür allerdings keine gesicherten Erkenntnisse.»

Die junge Verkäuferin, die an diesem sonnendurchfluteten, schläfrigen Nachmittag an der Kasse im Lebensmittelladen sitzt, stimmt die Nachricht von der Schiesserei, knapp 500 Meter entfernt, nachdenklich: «Ich finde es komisch, dass ein Kunde von uns, den ich bisher immer als sympathisch erlebt habe, plötzlich in eine Schiesserei verwickelt ist.»

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