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Pro & Contra

Halloween, Fasnacht und Oktoberfest: Fremde oder eigene Bräuche pflegen?

Fremde Bräuche zu pflegen, ist für die einen eine willkommene Bereicherung, für andere fast ein Verrat an den eigenen Traditionen. Harry Ziegler unterstützt die Wandelbarkeit der Schweizer Bräuche, Cornelia Bisch hingegen will das Alte bewahren.
Harry Ziegler
Harry Ziegler, Chefredaktor Zuger Zeitung

Harry Ziegler, Chefredaktor Zuger Zeitung

Halloween hat sich als Brauch bei uns etabliert. Ob die Traditionspuristen das nun mögen oder nicht. Punkt. Klar ist (und das trifft nicht nur uns Schweizer): Brauchtum ist wandelbar. Und je simpler es ist, desto besser. Mittlerweile wird ja auch das Münchner Oktoberfest in fast allen Dörfern und Städten kopiert und kommerzialisiert. Und dieses ist wirklich simpel: Eingängige Stampfmusik, einfache Kostüme und Bier – und schon kann ein «Brauchtumsevent» abgefackelt werden.

Einheimische Bräuche würden durch Übernahme fremder an den Rand gedrängt oder gar verschwinden, wird geklagt. Diese Klage ist meist so alt wie ein Brauch selbst. Nur: Ohne künstliche Revitalisierung hätten wohl viele einheimische Bräuche nicht überlebt, schreibt der Volkskundler Ueli Gyr im Historischen Lexikon der Schweiz. Mehr noch: Durch die Wiederbelebungsmassnahmen haben sich einige Bräuche zu Grossanlässen entwickelt. Zum Beispiel das Klausjagen in Küssnacht am Rigi.

Betrachten wir Halloween und die Fasnacht etwas näher, so lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten ausmachen: Verkleiden, Streiche spielen (Intrigieren), Wildheit, Ausbrechen aus dem Alltagstrott. Und an beiden Anlässen werden grosszügig Gaben verteilt. An Halloween Süssigkeiten, an der Fasnacht saure Orangen. Ich mag beides.


Cornelia Bisch, Redaktorin Zuger Zeitung

Cornelia Bisch, Redaktorin Zuger Zeitung

Warum in die Ferne schweifen, fand schon Dichtervater Goethe. Schweizer Bräuche gibt es schliesslich wie Sand am See. Viele davon werden nur in einzelnen Dörfern oder Städten gepflegt und sind darüber hinaus weitgehend unbekannt. Fragen Sie mal einen Aargauer nach dem Zuger Chrööpfelimeh-Singen. Oder haben Sie schon mal das Aarauer Bachfischet erlebt?

Manche Bräuche werden so stiefmütterlich gepflegt, dass sie zu sterben drohen. Warum also nicht seine Energie darauf verwenden, das ureigene Brauchtum zu retten, statt mit ausländischen Traditionen anzubandeln, deren Hintergrund hier kaum bekannt ist? Zugegeben, das kürzlich zelebrierte Halloween-Fest hat was. Das Vergnügen der Schweizer daran, sich zu verkleiden, zu gruseln und Süsses zu verspeisen, zeigt die Fasnacht jedes Jahr aufs Neue eindrücklich. Da liegt die Bettelwanderung für «Süsses oder Saures» doch auf einer ähnlichen Wellenlänge.

Gruselige Alternativen gibt es jedoch mehr als genug. Etwa die Harder-Potschete in Interlaken oder die Roitschäggättä im Lötschental, wo einem unfassbar schaurige Gestalten den Schrecken so richtig herrlich durch Mark und Bein jagen. Hochdramatisch und archaisch mutet auch der Feuerbrauch des Chienbäse-Umzugs in Liestal an, der wohl in seiner Art weltweit einzigartig ist. Dagegen ist Halloween bloss kalter Kaffee.

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