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HALSEGG: Herzblut im Untergrund

In einer unterirdischen Festung zwischen Unterägeri und Sattel befindet sich seit acht Jahren das einzige Dufour-Museum der Schweiz. Der Tatendrang der Betreiber ist ungebrochen – ein besonderes Hotel zeugt davon.
Raphael Biermayr
Der Eingang zum Museum ist durch einen Schuppen getarnt (oben). Darin findet sich zum Beispiel die Entstehungsgeschichte der ersten Schweizer Landkarte, verantwortet von Guillaume-Henri Dufour (unten, links). In der Nachbarfestung finden sich weitere historische Gegenstände wie die Schreibmaschine von 1900, die bereits das @-Zeichen kennt. (Bilder: Raphael Biermayr (Halsegg, 29. Juni 2017))

Der Eingang zum Museum ist durch einen Schuppen getarnt (oben). Darin findet sich zum Beispiel die Entstehungsgeschichte der ersten Schweizer Landkarte, verantwortet von Guillaume-Henri Dufour (unten, links). In der Nachbarfestung finden sich weitere historische Gegenstände wie die Schreibmaschine von 1900, die bereits das @-Zeichen kennt. (Bilder: Raphael Biermayr (Halsegg, 29. Juni 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Wie heisst der erste Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements? Diese Frage treibt Thomas Landolt an einem Morgen um, 15 Meter tief im Boden der Halsegg, nah der Gemeindegrenze von Unterägeri und Sattel. In dieser sehr stillen Umgebung wird man mit einer tumultuarischen Schweiz konfrontiert, von der viele – wenn überhaupt – in der Schule nur Eckdaten vermittelt erhielten. Es ist die Zeit der Freischarenzüge von 1844 und 1845, des Sonderbundkriegs von 1847 sowie der ersten Bundesverfassung von 1848. Zu jener Zeit machten sich zwar viele einen Namen, einer von ihnen überragte aber die anderen: Guillaume-Henri Dufour, Militär, Kartograf, Ingenieur, Politiker und Humanist (siehe Box).

«Den Bindestrich zwischen den Vornamen mochte er gar nicht», sagt Landolt, der sich bei dieser Information auf einen Dufour-Biografen bezieht, lächelnd. Er und seine Mitstreiter vom Verein Schweizer Dufour-Museum haben 2009 einen Ort geschaffen, der sich dem eindrücklichen Leben des arbeitswütigen Vielbegabten widmet. Das Museum ging aus einer Ausstellung hervor und ist das einzige seiner Art. Nicht mal in Dufours Heimat Genf gibt es eines. «Wir konnten das fast nicht glauben», spricht der Walchwiler Landolt den im kalten unterirdischen Raum stehenden Gedanken aus. «Diese Tatsache war unsere grosse Motivation, das Museum zu verwirklichen.»

Eine Unterkunft ohne Komfort

Die Betreiber sind zufrieden, was die Besucherzahlen nach acht Jahren Bestehen anbelangt. Etwa 5000 Franken würden jährlich durch Gruppenführungen zusammenkommen. Damit und mit Spenden finanzieren Landolt und Co. den Unterhalt des Museums sowie der wenig danebenliegenden, baugleichen zweiten Festung auf der Halsegg. Diese ist in ihrer ursprünglichen Funktion als Artilleriestellung belassen worden. Die Kanonen hier hätten den Rapperswiler Seedamm treffen können, erklärt Landolt, der als einstiger Maschinenbaustudent fasziniert ist von der Technik.

Der Betreiberverein ist bestrebt, das Angebot auszubauen. Kürzlich hat er in einer der Festungen das «Kein-Sterne-Hotel» eingeweiht: zwei Massenschläge mit insgesamt 24 Betten sowie zwei Duschen, für die ein Wasserboiler installiert wurde – zuvor gab es nur Kaltwasser. Zwei Gruppen hätten sich für Übernachtungen angemeldet, sagt Landolt. Dieses Beispiel unterstreicht das Herzblut der Verantwortlichen, auf das man auch in den verschiedenen Themenräumen des Museums trifft. Neben Tafeln, die durch Dufours Leben und Wirken führen, sind zahlreiche Originalexponate zu sehen, manche davon sind Leihgaben. Beispielsweise mehrere Hefte mit detailgetreuen Zeichnungen. Die in die Jahre gekommenen Museumsgründer sind darum besorgt, dass ihr Projekt dereinst auch ohne sie existiert. Der Verein wurde bereits um jüngere Aktivmitglieder ergänzt, «wir können aber noch mehr brauchen», sagt der Walchwiler.

Ulrich Ochsenbein! So lautet die Antwort auf die eingangs erwähnte Frage. Wikipedia ist die zugrunde liegende Quelle, die sich erst wieder an der frischen Luft offenbart: In den Festungen gibt es keinen Handyempfang. Und das soll auch so bleiben.

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