HANDBALL: Taffe Engländerin mit viel Charme

Laura Innes ist eine Globetrotterin. Derzeit fühlt sich die Torhüterin des LK Zug in der Schweiz heimisch.

Luc Müller
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Derzeit wohnt Laura Innes in einer WG in Cham. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Derzeit wohnt Laura Innes in einer WG in Cham. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Laura Innes (23) schläft in original Bettwäsche der Olympischen Spiele 2012 in London. Diese durfte sie aus dem Athletendorf mitnehmen: Sie stand im Aufgebot der britischen Frauen-Handballnationalmannschaft. Auf ihrem Bett in der Wohngemeinschaft in Cham – hier lebt sie seit Februar mit zwei anderen Frauen zusammen – liegt auch das offizielle Olympiamaskottchen des vergangenen Jahres: ein Löwe mit der Mähne in den britischen Landesfarben. «Ich habe jetzt mit dem LK Zug zum ersten Mal einen Titel gewonnen», erzählt die 23-Jährige auf Hochdeutsch. Die Sprache hat sie sich selber beigebracht, indem sie mit ihren Mitspielerinnen ohne Angst drauflosspricht. Auch Schweizerdeutsch versteht sie schon super.

Als Au-pair tätig

2010 war Laura Innes, die im englischen Leeds aufgewachsen ist, schon einmal beim LK Zug als Torfrau engagiert. Damals kam sie aus Dänemark, wo sie Handball spielte. Doch nachdem eine alte Verletzung wieder aufgebrochen war, reiste sie von der Schweiz zurück auf die Insel, um sich behandeln zu lassen. Im vergangenen August kehrte sie wieder nach Zug zurück: «Ich wollte unbedingt wieder hierher. Hier fühle ich mich pudelwohl.» Derzeit arbeitet sie als Au-pair bei einer Familie in Zürich: Vier Kinder im Alter zwischen zwei und acht Jahren hat sie zu betreuen. Erst seit fünf Jahren spielt Laura Innes auf höchstem Niveau Handball – in ihrem Heimatland ist der Sport unpopulär. Speziell für die Olympischen Spiele im eigenen Land wurde die Handballmannschaft wieder aufgebaut. Rund 20 Spiele für die Nationalmannschaft hat sie absolviert.

Früher Rugby gespielt

«Ich bin während des Spiels schon impulsiv und dirigiere laut. Ich muss mit den Abwehrspielerinnen viel kommunizieren», sagt sie und lacht. Als Torfrau hat sie sowieso wortwörtlich eine spezielle Position. «Ich bin die Erste, die jeweils einen Angriff lanciert», so Laura Innes, «zudem darf ich keine Angst haben vor den harten Bällen. In einem Spiel habe ich dreimal voll einen Wurf ins Gesicht bekommen und eine Gehirnerschütterung davongetragen.» Hart im Nehmen ist sie: Früher hat sie in England Rugby gespielt. Und auch auf ihrem Weg – seit Jahren ist sie fürs Handballspielen in Europa unterwegs – zeigt sie Stärke. Über ihrem Bett hängt ein Poster des legendären Boxchampions Muhammad Ali. Darunter ist der Spruch zu lesen: «Champions are made from something, they have deep inside of them a desire, a dream, a vision.» Das Poster habe sie auf allen ihren Lebensstationen im Ausland begleitet, «deshalb ist es schon ein bisschen abgewetzt», meint sie. Mit ihren Eltern und ihrem Bruder und ihrer Schwester kommuniziert sie oft übers Internet. Einen Freund hat sie derzeit nicht. Das letzte Mal hat sie Mutter und Vater am Samstag, 27. April, gesehen. An diesem Tag hat sie mit ihren Mitspielerinnen im Heimspiel in Zug den Meistertitel klar gemacht. «Jetzt haben wir Trainingspause. Das geniesse ich. Jetzt bleibt noch ein bisschen Zeit, den Meistertitel zu feiern.» Und so sieht man sie nun auch mal im Pub.