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Handwerk und Ästhetik zeigen sich an diesem Ort in Cham in Fülle

Vom Bänkli aus, auf dem ich besonders gern sitze, habe ich den Rundumblick. Kunst und Geschichte, wohin das Auge fällt. Und in heissen Tagen wie diesen ist es hier angenehm kühl.
Andreas Faessler
In den Bänken der Chamer Pfarrkirche St. Jakob ist man von viel Schönem umgeben.

In den Bänken der Chamer Pfarrkirche St. Jakob ist man von viel Schönem umgeben.

Mein Lieblingsbänkli steht symbolisch für viele seiner Art. Es befindet sich nicht an einem exponierten Punkt, wo beschauliche Landschaften oder munteres Treiben das Auge beschäftigen, sondern in der Kirche. Ja, ich sitze tatsächlich am liebsten auf einem Chilebänkli.

Dafür muss ich weder Kirchgänger noch überhaupt religiös sein. Meine Vorliebe für diese besondere Art der Sitzgelegenheit gründet hauptsächlich in meinem ausgeprägten Interesse an Kunst und Geschichte. Kaum woanders ist beides so konzentriert unter einem Dach vereint wie in einem historischen Kirchengebäude.

Im Kanton Zug ist die Chamer Pfarrkirche St. Jakob eines derjenigen Gotteshäuser, die mich am meisten faszinieren. Darum zeigt unser Bild die dortigen Bankreihen mit ihren aufwendig gearbeiteten Wangen. Am liebsten sitz ich da, wenn ansonsten keine Menschenseele im Raum ist – und das ist ja in Zeiten wie diesen ohnehin meist der Fall. Dann nämlich kann ich die grandiose Kulisse rund um mich und über mir gänzlich ungestört auf mich wirken lassen.

Viel Stoff für den kunstaffinen Geist

In Ästhetik und Farben zusammen mit architektonischen Formen wirkt jede Kirche ganz anders, jede ist für sich einmalig, und somit ist auch die jeweilige Stimmung ganz unterschiedlich. Der monumentale, helle Raum der Chamer Kirche liefert dem kunstaffinen Geist reichlich Stoff. Der filigran-verspielte Stuckhimmel, wohl von Wessobrunn beeinflusst, in barocker Symmetrie darin eingebettet die stimmigen Deckengemälde von Josef Anton Mesmer und Josef Keller. Allein mit dem Plafond kann man sich auf dem Bänkli sitzend eine halbe Stunde innig beschäftigen.

Ebenso viel visuellen Input liefern die barock-klassizistische Altargruppe, die Kanzel und der reich gefasste Orgelprospekt. Altarblätter, Reliefs, Figurenschmuck, Schnitzereien – alles feinste Handwerkskunst und gemessen am Aufwand von unbezifferbarem Wert. Man findet sich inmitten eines festlichen Bühnenbildes. Und wenn ein Organist dann zufällig noch sakrale Literatur exerziert, ist die sinnliche Kunstschau perfekt.

Grundsätzlich ist es so, dass die Dauer meines Aufenthaltes auf meinem Bänkli sich proportional zur Anzahl der Eindrücke verhält. Kirchen wie diejenigen von Cham oder Baar lassen mich recht lang verweilen. Setzt man mich erst in eine Ottobeurener Basilika, in eine «Wies» oder in einen Stephansdom, so habe ich wahres Sitzleder. Es sind so andere Welten voller bleibender Eindrücke für einen selbsternannten Schöngeist – meist nur eine einzige Tür vom Alltagstrott entfernt.

Wünsche, Hoffnungen, Bitten

Intensiviert werden diese einmaligen Stimmungslagen in den Gotteshäusern – da bin ich mir sicher – durch die zahllosen Wünsche, Hoffnungen und Bitten, welche Gläubige und auch Andere über Jahrhunderte hierhin getragen haben und die irgendwo in der Aura des Gebäudes präsent geblieben sind. Sie prägen die aussergewöhnliche Atmosphäre mit, die mich für einen Moment so richtig zu Ruhe kommen und Kraft tanken lässt.

Und nicht zuletzt ist das Innere einer Kirche während der hochsommerlichen Hundstage stets ein angenehm kühler Ort.

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

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