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HANS HÜRLIMANN: Die ersten Gratulanten warteten im Auto

Vor 40 Jahren wurde letztmals ein Zuger Bundesrat. Dies war selbst für den Gewählten eine Überraschung.
Jürg J. Aregger
Am 5. Dezember 1973 werden Hans Hürlimann, CVP (Mitte), Georges-André Chevallaz, FDP (links), und Willi Ritschard, SP, als neue Bundesräte vereidigt. (Bild: Keystone)

Am 5. Dezember 1973 werden Hans Hürlimann, CVP (Mitte), Georges-André Chevallaz, FDP (links), und Willi Ritschard, SP, als neue Bundesräte vereidigt. (Bild: Keystone)

Es war ein turbulenter Tag im Bundeshaus, der 5. Dezember 1973. Gleich drei Bundesräte galt es zu ersetzen, und rund zehn Kandidaten standen in den Startlöchern – eine Kandidatin gab es damals noch nicht. Zurückgetreten waren der Baselstädter Hans-Peter Tschudi (SP), der Walliser Roger Bonvin (CVP) und der Tessiner Nello Celio (FDP). Die Fraktionen kürten als ihre offiziellen Kandidaten Arthur Schmid (SP, Aargau), Enrico Franzoni (CVP, Tessin) und Henri Schmitt (FDP, Genf).

Es kam alles anders

Intern waren die Entscheide zum Teil sehr knapp ausgefallen, sodass auch die Unterlegenen noch Chancen hatten. So kam es dann auch. Am Tag vor der Wahl gab der eben gewählte Nationalratspräsident Anton Muheim (SP), selber Luzerner Regierungsrat, bekannt, er stehe nicht zur Verfügung und nähme eine Wahl auch nicht an. Er hatte als einer der Topfavoriten gegolten. Dies erhöhte die Chancen von Hans Hürlimann. Um den als schwach eingestuften Aargauer Bildungsdirektor und Präsidenten der SP Schweiz zu verhindern, richteten bürgerliche Auguren ihr Augenmerk auf Willi Ritschard, der früher Nationalrat und seit 1963 solothurnischer Regierungsrat war. Mit seiner Wahl traf man zwei Fliegen auf einen Schlag: der SP einen nicht portierten Bundesrat vor die Nase zu setzen und vor allem den im Volk sehr populären Preisüberwacher und früheren Nationalrat Leo Schürmann (CVP, Solothurn) zu verhindern. Damals galt noch die Kantonsregel: Aus dem gleichen Kanton konnte nur einer im Bundesrat sein.

Zu viele Alphatiere?

Von der CVP sass bereits der als blitzgescheit geltende Kurt Furgler (St. Gallen) im siebenköpfigen Gremium. Viele Mitglieder der Vereinigten Bundesversammlung befürchteten, dass Furgler und Schürmann die Landesregierung beherrschen würden; andere glaubten, die beiden politischen Alphatiere würden sich verkrachen, was sich auf das Ansehen des Bundesrates negativ auswirken könnte.

Die neuen Magistraten wurden dann bereits im ersten Wahlgang erkoren: Willi Ritschard (SP, Solothurn) erhielt 123 Stimmen, sein interner Kontrahent 77, Hans Hürlimann (CVP, Zug) brachte es auf 132 Stimmen, sein Kontrahent auf 84, und Georges-André Chevallaz (FDP, Waadt) erreichte 137 Stimmen, sein Kontrahent 93.

Zuger Regierung blieb in Zug

Bei Hürlimanns Wahl durften nur zwei Mitglieder des kantonalen CVP-Präsidiums im Bundeshaus anwesend sein: der spätere Baudirektor Paul Twerenbold und Urs B. Wyss, langjähriger Kantonsrat, Stawiko-Präsident und auch Mitglied des Zuger Stadtparlaments. Die Zuger Regierung wie auch Hürlimanns Frau hatten in Zug zu warten, bis die allfällige Wahl erfolgt war.

Drei Zuger – Mitglieder der Zunft der Bauleute und der CVP – liessen es sich aber nicht nehmen, die Wahlsendung im Auto vor dem Bundeshaus zu verfolgen: der Historiker Hans Koch, Chefarzt Gottfried Bernhart und Kantonsgerichtspräsident Viktor Schaller. Sie gehörten zu den ersten Gratulanten, die den Zuger Bildungsdirektor mit Blumen beehrten. Mit von dieser Partie war zudem der Autor dieses Textes, damals Redaktor beim «Zuger Tagblatt» – also bei einer der Vorgängerinnen unserer Zeitung. Es war sein erster Besuch im Bundeshaus und sollte sein bisher letzter bleiben ...

Der zufriedene zweite Hürlimann

Alois Hürlimann, wie Hans Hürlimann aus Walchwil stammend, strahlte vor Freude, als sein Namensvetter die Wahl geschafft hatte, obwohl er als CVP-Fraktionschef den offiziellen Kandidaten hatte unterstützen müssen. Er gehörte mit dem Zuger Ständerat Othmar Andermatt (FDP, Baar), Enrico Franzoni und Professor Leo Schürmann zu den ersten, die Hans Hürlimann gratulierten. Der populäre Zuger Baudirektor qualifizierte seinen Kollegen als «guten, seriösen Bundesrat». Bei künftigen Wahlen, so meinte Alois Hürlimann weiter, müsse man sich überlegen, ob man die Kandidaten bereits drei Wochen vor der Wahl präsentieren und sie so einem Kesseltreiben aussetzen wolle. Für Hans Hürlimann sei es ein Vorteil gewesen, nicht der offizielle Fraktionskandidat zu sein. Es sei positiv, dass noch zu Lebzeiten von alt Bundesrat Philipp Etter (siehe Kasten) wieder ein Zuger ins Bundesratskollegium habe Einsitz nehmen können.

Auch der andere Zuger Nationalrat, Andreas C. Brunner (FDP), zeigte sich mit dem Wahlausgang zufrieden. Und Nationalratspräsident Muheim meinte: «Ich bin froh, dass einer aus der Zen-tralschweiz das Rennen machte ...»

Obwohl die Medienwelt vor 40 Jahren mit der heutigen nicht zu vergleichen ist, fiel dem Journalisten des «Zuger Tagblatts» schon damals auf: «Das Rudel von Fotografen und Reportern von den Zeitungen, von Radio und Fernsehen umlagerte die Erfolgreichen, wie dies sonst nur die Sportstars erleben: Die Schweizer Innenpolitik war einmal ‹in› und wurde in den Stuben direkt verfolgt.» Und weiter stand im «Tagblatt»: Der fast unbeweglich die Wahl verfolgende 53-jährige Zuger Bundesratskandidat musste sich erst durch ein Heer von Gratulanten und Fotografen ‹kämpfen›, um die Annahme der Wahl bekannt zu geben.» Seine Worte «meine Herren Nationalrätinnen und Nationalräte» verrieten etwas von der inneren Spannung des Gewählten. In seiner neuen, schweren Aufgabe wolle er nur dem Gewissen verpflichtet sein. Er habe den Willen, weiterhin mit allen Kräften dem Land zu dienen.

«Eine gewisse Überraschung»

Trotz des Medienrummels fand Bundesrat Hürlimann Zeit, dem «Tagblatt» kurz Rede und Antwort zu stehen. Er hoffe, so führte er aus, dass man im Rahmen der Kollegialbehörde im Bundesrat einig werde, was dem Land am besten diene. In diesem Sinne gelte es, Prioritäten zu setzen. «Ich bin gewillt, jedes Departement zu übernehmen, wie dies ja schon beim Regierungsrat selbstverständlich ist», sagte er. So vertrete er denn auch den Standpunkt, es sei nicht gut, für die Departemente direkt die Vorsteher zu wählen, sondern jene zu bestimmen, die innerhalb der Kollegialbehörde fähig zum Regieren seien: «Allerdings kann ich eine gewisse Affinität zu den bisher verwalteten Departementen im Kanton Zug – Erziehung und Militär – nicht verleugnen.» Da er als unterlegener Kandidat nicht mit der Wahl habe rechnen können, sei diese für ihn doch eine gewisse Überraschung.

Grosse Zuger Delegation

Gegen Mittag trudelte dann die offizielle Zuger Delegation im Bundeshaus ein. Die Gratulationen überbrachten die weiteren fünf Regierungsräte Bonaventura Iten, Silvan Nussbaumer, Hans Straub, Carl Staub und Thomas Fraefel mit Landschreiber Gerold Meyer und Standesweibel Alois Christen. Auch Stadtpräsident Philipp Schneider, Stadtrat Walther A. Hegglin und Stadtschreiber Albert Grünenfelder waren dabei. Begleitet wurde die Delegation von Gemahlin Marie-Theres Hürlimann-Duft und zwei Trachtenfrauen. Landammann Iten sprach von einem glänzenden Erfolg. Die Wahl bezeichnete er als eine Überraschung im positiven Sinn. Als Ritschard gewählt war, habe man geglaubt, dass auch Hürlimann Erfolg habe.

Die Frau des neuen Bundesrates zeigte sich froh, dass «der ganze Rummel vorbei ist». Während der neu gewählte Bundesrat zum Bankett seiner Fraktion ging, feierten die Zuger «ihren Wahlsieg» untereinander. Da die Session weiterging, kehrte Hans Hürlimann erst am folgenden Tag in seine Heimat zurück.

«Mein Nachfolger»

«Einer meiner schönsten Tage», sagte der in Bern lebende alt Bundesrat Philipp Etter (82) am Wahltag von Hans Hürlimann zum Bundesrat. «Die National- und Ständeräte haben sicher einen guten Zug getan. Meine Freude ist besonders gross, weil ich noch zu Lebzeiten erleben durfte, wie ein persönlicher Freund von mir mein Zuger Nachfolger wurde, meinte der gebürtige Menzinger weiter. «Hans Hürlimann wird ein sehr guter Bundesrat sein – der Beweis ist seine bisherige Tätigkeit im Stände- und Regierungsrat.» Philipp Etter hatte während 25 Jahren, von 1934 bis 1959, das Departement des Innern geführt. Die Wahl von Hans Hürlimann habe er ein wenig erwartet, «trotzdem habe ich mich riesig gefreut».

Seine Laufbahn

Der Zuger Magistrat trat auf den 31. Dezember 1982 aus dem Bundesrat zurück. Er stand während der ganzen Zeit dem Eidgenössischen Departement des Innern vor. 1979 war er Bundespräsident. Vor seiner Wahl nach Bern war er Stadtschreiber in Zug (1949 bis 1954), Kantonsrat (1947 bis 1954) und wurde 1954 Regierungsrat – damals noch ein Nebenamt, sodass er weiterhin als Anwalt tätig war. Er war bis 1962 Justiz-, Polizei- und Militärdirektor und anschliessend Erziehungsdirektor. 1967 wählte ihn das Stimmvolk auch in den Ständerat.

Der 1918 geborene Hans Hürlimann hatte drei Kinder und lebte mit seiner Familie in Zug. Gestorben ist der gebürtige Walchwiler am 22. Februar 1994.

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