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HANS SCHLUMPF: Nachruf auf einen liebenswürdigen Dickkopf

Engagierter Familienvater, Geschäftsmann, Politiker und Autor: Hans Schlumpf ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Nachruf.
Raphael Biermayr
Ein begnadeter Netz­werker: Hans Schlumpf. (Bild Christof Borner-Keller)

Ein begnadeter Netz­werker: Hans Schlumpf. (Bild Christof Borner-Keller)

Raphael Biermayr

1972 musste der damals 47-jährige Hans Schlumpf seinem hohen Lebensrhythmus Tribut zollen. Infolge eines Herzinfarkts wurde er zur Kur ins Tessin geschickt. Nach wenigen Tagen hielt er es dort nicht mehr aus, packte seine Sachen zusammen, stieg ins Auto und besuchte zahlreiche Länder hinter dem Eisernen Vorhang. Diese Anekdote steht für zwei der wichtigsten Werte Schlumpfs: für die Unabhängigkeit und für die Offenheit. Im strengen katholischen Elternhaus in Steinhausen hatte er das nicht ausleben können, stattdessen hatte er Einengung und Fremdbestimmung erlebt.

Schlumpf wurde als Erstgeborener vom Vater ausersehen, die Familienfirma in dritter Generation zu übernehmen, was auch geschah. Das hielt ihn nicht davon ab, seinen eigenen Weg zu gehen, der von Toleranz und Menschlichkeit, aber auch von Dickköpfigkeit geprägt war – ein Attribut, das er immer als positiv verstand. Der spätere Freimaurer trat aus der Konservativen Katholischen Partei aus, um der liberalen FDP beizutreten.

Seine sechsköpfige Familie zog im Jahr 1973 aus den Räumlichkeiten in der Fabrik in Steinhausen in ein Haus nach Neuheim. Schon ein Jahr später wurde er dort in den Gemeinderat gewählt und war bis 1990 Teil davon, die letzte Legislaturperiode als Gemeindepräsident. In der FDP bleibt er als liebenswürdige und gesellige Person in Erinnerung, die den Menschen nah war und Politik in den Wirtshäusern und an den Dorffesten machte. Spontaneität gehörte nicht zu Schlumpfs typischen Wesenszügen. Doch es gab auch Ausnahmen, beispielsweise, als er einst in der Adventszeit aus dem Nichts einen geschmückten Christbaum auf den Dorfplatz zauberte. Ihm war zu Ohren gekommen, wie langweilig es doch wäre in Neuheim – nicht mal einen Baum hätte es dort.

Verfasser der Dorfgeschichte

Auch in Organisationskomitees ungezählter Anlässe nahm er seine Paraderolle als begnadeter Netzwerker ein. Im Hause Schlumpf herrschte stets ein Ein- und Ausgehen von Kunden und Freunden. Neuheim wurde dem reiselustigen Schlumpf zur Heimat, die er mit dem Abfassen der Dorfchronik würdigte. Später schrieb er zwei Bücher mit Geschichten aus seinem reichen Leben. Einmal heisst es darin: «Das Leben kann nur rückblickend verstanden werden, es muss aber vorausschauend gelebt werden.» Dem wurde Hans Schlumpf gerecht, wie sich besonders in der Berufswelt zeigte. Nach harten Zeiten zu Beginn entwickelte sich die neu ausgerichtete Schlumpf AG unter seiner Führung zu einem weltbekannten Hersteller von Komponenten für die Papier- und Folienindustrie. Er galt den Angestellten als bestimmter, aber fairer Patron alter Schule.

Er übergab die Firma 1987 in die Hände seines ältesten Sohns Hans Peter. Jener verunfallte im Jahr 2008 tödlich. Dieses Ereignis zählte zu den wenigen dunklen Stunden im Leben von Hans Schlumpf. Dazu gehört auch der Tod seiner Frau Caroline im Jahr 2003.

Schmunzeln am Stammtisch

Er stellte sich diesen grossen emotionalen Herausforderungen mit Fassung und erfreute sich seiner um acht Enkelkinder gewachsenen Familie. Den Kindern war er bis zuletzt ein enger Freund, sagt Schlumpfs jüngster Sohn Andreas. Nach aussen pflegte der begeisterte Hobbykoch mit zunehmendem Alter vorwiegend Kontakt zu seiner ebenfalls betagten Nachbarin. Aus der grösseren Gesellschaft zog er sich zurück – nicht ohne zuvor der Selbstbestimmung und Dickköpfigkeit abermals Ausdruck verliehen zu haben: Am Altherrenstamm im «Ochsen» nahm man schmunzelnd zur Kenntnis, dass er trotz fortschreitender Schwerhörigkeit partout seine Hörgeräte nicht einsetzen wollte.

Hans Schlumpf starb am 7. September im Kreise seiner Familie und wurde am vergangenen Mittwoch in Neuheim beigesetzt.

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