Die nächtliche Heimreise kommt einen Schwarzfahrer aus Zug teuer zu stehen

Das Zuger Obergericht verurteilt einen Jugendlichen, der sich über zwei Jahre lang gewehrt hatte.

Kilian Küttel
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Justiz Am 27. Mai 2018, kurz nach 7.15 Uhr, sitzen drei Jugendliche in der zweiten Etage des Interregios 2326. Sie kommen von einer Party im Wilen bei Wollerau und sind nach einer schlaflosen und alkohollustigen Nacht direkt in den ersten Zug von Pfäffikon nach Luzern eingestiegen. Als kurz nach Zug der Kondukteur erscheint, zeigen zwei der drei ihre Billette ohne Umschweife. Der Dritte jedoch kramt in seiner Jackentasche herum. Unter dem Lachen seiner Kollegen fischt er abgelaufenes Ticket um abgelaufenes Ticket hervor, ein gültiges aber findet er nicht. Schliesslich übergibt der damals 18-Jährige dem Kondukteur einen Swisspass. Nur ist auf der Karte weder ein Halbtax noch ein GA. Als der Kondukteur den Jugendlichen mustert und ihn mit dem Bild vergleicht, das auf seinem Lesegerät erscheint, wird ihm klar: Der Swisspass, der ihm der Jugendliche soeben gegeben hat, gehört ihm nicht. Es war die Karte seines Kollegen.

«Dadurch hat sich der Beschuldigte der Fälschung von Auswiesen im Sinne on Art. 252 StGB (...) schuldig gemacht», hält die Zuger Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift vom 23. Oktober 2019 fest. Weil sich der heute 20-Jährige gegen den Strafbefehl der gewehrt hatte und die bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken nicht hinnehmen wollte, verhandelte das Zuger Strafgericht den Fall am 9. März dieses Jahres. Der Einzelrichter folgte vollumfänglich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, tat die Erklärungen den Beschuldigten als unglaubwürdig ab und verurteilte ihn erneut zu einer bedingten Geldstrafe sowie zu 120 Franken Busse.

Obergericht stützt Urteil des Strafgerichts

Jetzt zeigt sich: Das Obergericht des Kantons Zug stützt den Entscheid des Strafgerichts, den der Beschuldigte erneut angefochten hatte. Das geht aus einem Urteil vom 29. Oktober hervor, das vor kurzem veröffentlich wurde, jedoch noch nicht rechtskräftig ist. Über 26 Seiten hinweg rollt das dreiköpfige Obergericht den Fall des 20-Jährigen auf. Schlussendlich verurteilt auch die letzte kantonale Instanz den jungen Mann zu 30 Tagessätzen à 20 Franken bedingter Geldstrafe und zu einer Busse von 120 Franken. Alleine das Berufungsverfahren kostete 2582 Franken, die Kosten für die erste Instanz liegen bei 3785 Franken. Das alles hat jetzt der 20-Jährige zu tragen.

Auch die Oberrichter waren überzeugt, der Beschuldigte wollte dem Kondukteur den Swisspass seines Kollegen unterschieben und so mit einem fremden Generalabonnement schwarzfahren.

Sie werteten die Aussagen des Beschuldigten als unglaubwürdig. Dieser gab sowohl vor Gericht als auch bei den Befragungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft an, dem Kondukteur den Swisspass seines Kollegen gezeigt zu haben, da dieser auf der Toilette war. Dies widersprach aber den Aussagen der beiden Kollegen sowie des Kondukteurs, die allesamt mehrfach vernommen worden waren und ausgesagt hatten, der Kollege sei während der Kontrolle anwesend und nicht auf der Toilette gewesen.

Von der Kontrolle im Mai 2018 bis zum obergerichtlichen Urteil im Oktober 2020 beschäftigte die Geschichte die Zuger Justiz über zweieinhalb Jahre und alleine das Verfahren kostet den Beschuldigten über 6367 Franken. Ein Billett von Pfäffikon nach Luzern an einem Samstagmorgen ist für 13.50 Franken zu haben.