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Heimspiel für die Messiahs

Die Metal-Band Messiah hat sich nach 24 Jahren neu gegründet, demnächst wird sie ihr einziges Konzert in Zug geben. Ein Treffen mit zwei der vier Musiker, die zwar altersmilde geworden sind – aber längst nicht ruhig.
Raphael Biermayr
Remo Broggi, Steve Karrer, Patrick Hersche und Andy Kaina (von links unten im Uhrzeigersinn) von Messiah. (Bild: Mike Weibel Fotografie)

Remo Broggi, Steve Karrer, Patrick Hersche und Andy Kaina (von links unten im Uhrzeigersinn) von Messiah. (Bild: Mike Weibel Fotografie)

Da sitzen sie, zwei Männer mittleren Alters, vom bürgerlichen Leben gezeichnet: Der eine ist Kirchenchormitglied und trägt eine Bauchtasche, der andere linst durch eine Brille und hat sein Haar artig zu einem strengen Zopf gebunden.

Sie erzählen an diesem Abend von ihrem anderen Leben, einem ganz anderen Leben. Denn die gebürtigen Baarer Remo «Brögi» Broggi (52) und Patrick «Frugi» Hersche (48) sind Mitglieder der Metal-Band Messiah (auf Deutsch: Messias). Metal, das ist für Laien Krach und Geschrei. Wer sich ein Bild machen beziehungsweise eine Hörprobe nehmen will, kann das am 29. September in der Galvanik in Zug tun. Es ist – nach Auftritten in halb Europa vor manchmal mehreren tausend Zuschauern – das einzige Heimspiel von Messiah. Vieles deute auf ein volles Haus hin, sagt Roger Wicki, der Manager der Band. Wobei der Begriff Manager einen falschen Eindruck vermittelt. Wicki ist kein gescheitelter Anzugträger. Er ist der Götti von Brögis Tochter und entsprechend ein enger Freund. Und er ist ein grosser Fan von Messiah, der in Fronarbeit stundenlang mit Konzertveranstaltern über die Gage verhandelt und etliche Sonntage damit verbringt, Werbeartikel zu verpacken.

Dem Rumpelstil treu geblieben

Nach 24 Jahren Pause haben sich Messiah neu gegründet. Neben dem Gitarristen Brögi und dem Bassisten Frugi gehören der Schlagzeuger Steve Karrer (49) und der Sänger Andy Kaina (49) zur Band. Hatten sie keine Angst, lächerlich zu wirken? Brögi ist diese Frage in letzter Zeit häufig gestellt worden, er antwortet postwendend. «Klar, haben wir das besprochen. Für uns steht der Spass über der Angst. Ausserdem hat es Messiah noch nie interessiert, was andere denken.»

In den 1990er-Jahren sei die Band von der Fachpresse zerrissen worden, erinnert sich der Wortführer Brögi. «Trotzdem sind wir unserem Stil treu geblieben – wir sind halt eher eine Rumpelband.» Messiah machte sich durchaus einen Spass daraus, mit diesem Anderssein zu spielen. Wie beim Cover zum Album Extreme Cold Weather, das einen Eisbären in freier Wildbahn zeigt und damit einen Kontrast zu den üblichen, oft makabren und religionsbezogenen Motiven der Szene bildet. Der Hintergrund zu diesem Cover ist erstaunlich banal: Es ist ein Song auf dem Album, der sich auf den kalten Winter 1987 bezieht, in dem die Bandmitglieder froren.

Diese Trotzhaltung war und ist ein Antrieb der Band. Dabei handelt es sich weniger um Trotz gegenüber anderen, sondern gegenüber sich selbst. Nach dem Motto: Können wir das schaffen? Als sich im Winter 2017 die Möglichkeit ergab, im Luzerner Sedel zu spielen, sah sich die Band mit eben dieser Frage konfrontiert. Sie schafften es. Obwohl das Konzert nicht offiziell beworben worden war, war die Halle voll. Es stellte sich anschliessend die Frage, ob die Band wieder offiziell auftreten soll.

«Ich habe eine Familie und eine Firma, da kann und will ich nicht wochenlang wegbleiben.»
Remo «Brögi» Broggi, Gitarrist

Im Januar kam es zur entscheidenden Sitzung. «Es waren harte Diskussionen», erinnert sich Frugi. Jedes Bandmitglied hatte seine eigenen Vorstellungen. Brögi etwa machte zur Bedingung, dass es keine Tour geben würde. «Ich habe eine Familie und eine Firma, da kann und will ich nicht wochenlang wegbleiben», sagt der Architekt. Frugi, der im Sozialwesen tätig ist, hätte sich hingegen eine Tour vorstellen können. Mittlerweile ist aber auch er nicht unglücklich darüber, nur vereinzelte Konzerte zu spielen. Als Begründung dafür folgt der Satz, der in dieser Geschichte einfach vorkommen muss: «Wir sind ja nicht mehr zwanzig.»

Auch die Stimmbänder halten noch

Die Altersmilde schlägt sich auch im Umgang der Bandmitglieder miteinander nieder. Der Schlagzeuger Steve und Brögi sind nach wie vor die Alphatiere der Gruppe. «Früher gerieten wir manchmal aneinander. Da konnte es schon mal so richtig knallen – manchmal flogen Instrumente durch den Raum. Heute gehen wir verständnisvoller miteinander um und hören dem anderen zu», sagt Brögi. Die Band zieht einen Teil ihrer Freude aus der Tatsache, dass sie sich in diesem Jahr selbst überrascht.

«Früher gerieten wir manchmal aneinander. Da konnte es schon mal so richtig knallen – manchmal flogen Instrumente durch den Raum.»
Brögi

Das ist auch den Umständen geschuldet: Zeit zum Proben bleibt kaum, die Mitglieder bereiten sich in der Regel zu Hause vor und spielen erst an den Konzerten zusammen. Der Bassist Frugi hatte Bedenken, ob die Stimme von Sänger Andy die Strapazen noch aushält. Gänzlich zu Unrecht, stellte Brögi fest: «Andy ist in der Form seines Lebens!»

Die Bandmitglieder schafften eine Art Feedback-Kultur, um die Wirkung ihrer Auftritte zu besprechen. Wie das heute so ist, läuft das über die Plattform WhatsApp. Das Internet war in der ersten Karriere von Messiah – die Band kannte damals unterschiedliche Besetzungen, nur Brögi war immer dabei – höchstens Sonderlingen ein Begriff.

Heute trägt es dazu bei, die Wiedergeburt von Messiah zu verkünden. Die Facebook-Timeline zeigt Jugendliche in Japan oder Indonesien mit T-Shirts der Band. Frugi erhielt eine Freundschaftsanfrage eines Mexikaners, der ihn für einen der besten Bassisten aller Zeiten hält, sagt er schmunzelnd. Eigens zum Konzert in der Galvanik wird ein Fan aus Florida anreisen, wirft der Manager Wicki ein. Ja, sogar ihre Werbeartikel würden in China gefälscht, sagt Brögi. Das sei zwar einerseits ärgerlich, «andererseits fühlen wir uns geehrt, dass wir genug wichtig sind».

Das sechste Album ist in Arbeit

In den 34 Jahren seit der Gründung habe man 250'000 Platten verkauft. Das ist eine stolze Zahl angesichts des Nischendaseins und geringer Erstauflagen. Reich sei damit aber keiner geworden. «Wegen des Geldes macht bei uns keiner mit», sagt Brögi. Er knüpfte seine Zusage zum Comeback auch an die Bedingung, dass ein neues Album, das sechste seit 1986, gemacht wird. Dieses ist gegenwärtig in Entstehung, im Frühling oder Sommer 2019 soll es veröffentlicht werden.

Bleibt die Frage: Wie lange wird die zweite Karriere von Messiah dauern? «Das Risiko einer Auflösung besteht immer», sagt Brögi dazu, «aber jetzt geben wir erst einmal Vollgas!»

Hinweis:
Weitere Informationen zum Konzert in der Galvanik und Vorverkauf: www.galvanik-zug.ch

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