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Interview

Heinz Tännler kandidiert für den Ständerat: «Ich will den Kanton Zug besser vertreten»

Regierungsrat Heinz Tännler (SVP) will in den Ständerat, um Innovationen und Technologien aus Zug mit dem ganzen Land zu teilen.
Cornelia Bisch
Im schattigen Garten des Restaurants Brandenberg in Zug fühlt sich Ständeratskandidat Heinz Tännler wohl. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 06. August 2019)

Im schattigen Garten des Restaurants Brandenberg in Zug fühlt sich Ständeratskandidat Heinz Tännler wohl. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 06. August 2019)

Das Restaurant Brandenberg in Zug ist eine Wirtschaft der traditionellen Art mit guter, währschafter Schweizer Küche, einem Stammtisch und einem von altem Baumbestand beschatteten, für Stadtgebiet erstaunlich grosszügigen Garten. Gut gelaunt trifft der 59-jährige SVP-Politiker Heinz Tännler an einem sonnigen Nachmittag dort zum Interview ein. Noch ist er Regierungsrat. Im kommenden Oktober kandidiert er jedoch für den Ständerat. Es gilt, den Sitz von Joachim Eder (FDP) neu zu besetzen.

Warum ist dies Ihr Lieblingslokal?

Heinz Tännler: Ich fühle mich wohl im urchigen Brandenberg. Hier verkehren Jung und Alt sowie Menschen aus allen Schichten. Ich treffe hier immer auf Bekannte und Freunde. Auch mit meiner Familie gehe ich gerne ins traditionelle Schweizer Gasthaus zum Essen. Aber am liebsten bin ich immer noch zu Hause.

Ihr aussichtsreichster Mitstreiter für den frei werdenden Ständeratssitz ist alt Regierungsrat Matthias Michel (FDP). Ist er eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Sie?

Konkurrenzdenken liegt mir fern. Es bietet sich mir hier eine Chance. Diese möchte ich nutzen. Wenn ich gewählt werde, versuche ich, meine Aufgabe bestmöglich zu erfüllen. Das war schon immer meine Prämisse.

Für welches Hauptanliegen würden Sie sich in Bern einsetzen?

Für eine bessere Vertretung des Kantons Zug in Bern. Zug ist ein innovativer Kanton, der auf nationaler Ebene vor allem finanzpolitisch unterschätzt wird. Unser Kanton verfolgt eine sehr gut strukturierte Finanzstrategie, die während der schwierigen Jahre aufgegangen ist. Diese Erfahrungen kämen auch dem Schweizer Staatshaushalt zugute. In einem Sparprozess macht man nie alles richtig. Es gilt, viele verschiedene Interessen zu berücksichtigen. Zug hat hier sehr gute Arbeit geleistet.

Gibt es weitere Erkenntnisse und Erfahrungswerte, die Sie als Zuger Vertreter nach Bern bringen können?

Auch in Punkto Raumplanung hat Zug in den vergangenen 20 Jahren vorbildliche Prozesse vollzogen. Wir haben unser Gebiet nicht einfach zugebaut, sondern sind sorgsam mit den Ressourcen umgegangen und wurden dafür mit Bestnoten vom Bund ausgezeichnet. Ebenfalls hat sich energie- und gesundheitspolitisch in Zug einiges getan. Mit Innovation, neuen Technologien und Kreativität entsteht hier viel Gutes. Dieses Zug will ich in Bern besser vertreten und unsere Erfolge auch auf Bundesebene umsetzen.

Sie haben sich bereits als Gegner des Lobbyings in Bern geäussert, warum?

Aus meiner Sicht werden die verfassungsmässigen Grundsätze in Bern nicht genügend ein- und hochgehalten, weil viel zu viele Lobbyisten im Bundeshaus sitzen. Diese politisieren nicht fürs Volk, sondern für ihre Mandate. Das geht auf Dauer nicht und ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Werden Sie demnach keine Mandate annehmen?

Nein, ich werde keinerlei Mandate annehmen, ausser sie sind gemeinnütziger oder unbezahlter Natur. Ich setze mich ausschliesslich für jene Werte ein, die ich bis anhin gelebt habe und für welche ich bekannt bin. Von Verbänden, Konzernen und Lobbyisten lasse ich mich nicht einwickeln.

Für welche Themenbereiche interessieren Sie sich am meisten?

Ich interessiere mich vor allem für die Finanzpolitik und die räumliche Entwicklung der Schweiz, beides politische Bereiche, die ich als Baudirektor und als Finanzdirektor in Zug geprägt habe. Auch die Energie- und Gesundheitspolitik liegen mir nahe. Ich will mich aber auch aktuellen Themen stellen, beispielsweise der Europadiskussion.

Wie steht es mit der Problematik des Klimaschutzes?

Der Klimaschutz ist eine grosse Herausforderung. Man darf sich dieser Problematik nicht isoliert stellen, sondern muss sie in einem Gesamtkontext betrachten. Die Frage stellt sich, was mit modernen Technologien, Abgaben oder Verzicht erreicht werden kann und welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und auf den Mittelstand hat. Hier muss man den Blick öffnen und aufpassen, dass man das Prinzip der Verhältnismässigkeit nicht ausser Acht lässt.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Eigenschaften, die ein Ständerat mitbringen muss?

Man darf kein Schwarz-Weiss-Denker sein. In der Politik ist es zwar wichtig, klare Vorstellungen zu haben, aber auch Meinungen abzuholen und Lösungen zu finden. Entscheidend ist ausserdem, ehrlich und authentisch zu sein.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Ich bringe einiges an Erfahrung mit aus der Privatwirtschaft, dem Alltag in einem Anwaltsbüro, auf internationaler Ebene in einer grossen Weltorganisation, aber auch von der politischen Seite her als Kantons- und Regierungsrat. Ich bin es gewohnt, mit allen Seiten einen lösungsorientierten Konsens zu finden und diesen als Macher umzusetzen.

Wie gehen Sie im kommenden Wahlkampf vor?

Für den Wahlkampf werde ich von einem kleinen Team von Wahlhelfern unterstützt. Die Wahlkommission steckt den organisatorischen und finanziellen Rahmen ab. Für Interviews, diverse schriftliche Beiträge und die Bewirtschaftung der Social-Media-Kanäle bin ich selbst verantwortlich. Das ist nicht mein erster Wahlkampf. Man kennt mich hier. Ich muss also nicht von null anfangen. Das ist ein grosser Vorteil.

Wie werden Sie Ihrer neuen Aufgabe im Fall ihrer Wahl begegnen?

Vor der Aufgabe des Ständerats habe ich Respekt. Ich glaube, es ist wichtig, sich selbst richtig einschätzen zu können, seine Stärken und Grenzen zu kennen. Meine Familie und vor allem meine Ehefrau unterstützen die Wahl. Auch mein Bruder und meine über 90-jährigen Eltern unterstützen mich. Das ist wichtig und nicht selbstverständlich.

Welche Nachfolge würden Sie sich für Ihr Amt im Regierungsrat wünschen?

Ich habe keinen eigentlichen Wunschkandidaten. Ich hoffe, dass der Sitz in bürgerlicher Hand bleibt und die eingeschlagene, vernünftige Stossrichtung beibehalten wird.

Zur Person

Name: Heinz Tännler
Partei: SVP
Wohnort: Stadt Zug
Jahrgang: 1960
Zivilstand: verheiratet, 3 erwachsene Kinder
Beruf: Anwalt/Notar, heute Regierungsrat
Hobbys: Velofahren, Tennis, Studium von Fachliteratur
Politische Ämter: Kantonsrat 1995 bis 2003, Regierungsrat seit 2007, Präsident der Swiss Blockchain Federation, funktionsbezogene Ämter. (cb)

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