Heinz Tännler: «Verteidigung ist nichts für mich»

Finanzdirektor Heinz Tännler (58) kandidiert im Oktober erneut für den Zuger Regierungsrat. In der Politik wie auch auf dem Tennisplatz kennt er nur eine Richtung – nach vorne.

Livio Brandenberg
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Finanzdirektor Heinz Tännler mit seinem Racket am Pult seines Büros in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (15. August 2018))

Finanzdirektor Heinz Tännler mit seinem Racket am Pult seines Büros in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (15. August 2018))

Gefühlt sind es bereits um die 30 Grad an diesem Vormittag im August. Finanzdirektor und SVP-Regierungsrat Heinz Tännler verspätet sich um wenige Minuten, meldet sich aber zweimal aus dem Auto. Abgemacht ist ein Tennismatch im TC Allmend Zug.

Den Platz betritt Tännler dann – stilecht – ganz in Weiss. Er ist frisch aus den Sommerferien zurückgekehrt, rund 10 Tage hat er mit seiner Frau im Tessin und in Sardinien verbracht. Den Tennisschläger habe er nun drei Monate nicht angefasst, er komme schlicht zu wenig dazu. Doch dafür trifft der 58-Jährige die Bälle ziemlich sauber. Schon von Beginn weg regt sich «Heinz», wie er in Zug von den allermeisten genannt wird, aber über Fehler auf, ist nicht zufrieden mit zu kurzen Bällen.

Es scheint typisch für den Mann, der ohne Ehrgeiz kaum eine solche Karriere – in der Privatwirtschaft wie auch politisch – zu Stande gebracht hätte. Und diese Karriere soll jetzt nicht zu Ende sein, Tännler will es im Herbst nochmals wissen, er tritt bei den Wahlen erneut an, um einen der zwei SVP-Sitze zu verteidigen. Bei einer Pause auf dem Platz, als die gespielten Ballwechsel analysiert werden, sagt er: «Immer auf Angriff. Verteidigung ist nichts für mich.» Er sagt es, als würde der Satz als Motto für sein ganzes Leben gelten.

Kreuzbänder, Knacknüsse Kraftausdrücke

Mit dem Tennis angefangen hat Tännler erst nach dem Studium. Der Sport tat es ihm an, er spielte regelmässig und wurde zu einem guten Clubspieler, später Präsident des TC Zug und der Tennisvereinigung Zug. Heute sei er körperlich havariert, seine Knie machen ihm Schwierigkeiten. «Ich musste acht Mal die Kreuzbänder an den Knien operieren lassen», dann sei vorerst fertig gewesen mit Tennis. Seine Spielweise vor den Eingriffen beschreibt der promovierte Jurist folgendermassen: keine Fehler machen und schnell unterwegs sein.

Er könnte über seinen politischen Stil gesprochen haben, vor allem, was das Tempo angeht. Tännler ist keiner, der lange debattieren, «sondern zügig und lösungsorientiert arbeiten» will. Doch das sei keinesfalls gleichzusetzen mit unüberlegten, überstürzten Alleingängen, stellt er klar. Im Gespräch bestätigt sich dies: Tännler hört gut zu, fordert sein Gegenüber aber auch – und will gefordert werden. So komme er immer wieder zu tragfähigen Resultaten. Das habe er in den letzten Jahren bewiesen.

«Ich hätte auch andere Möglichkeiten gehabt, doch eben: Wir haben die Finanzen noch nicht ganz im Griff.»
Heinz Tännler, SVP-Regierungsrat und
Zuger Finanzdirektor

Und zu tun gebe es noch genug, darum trete er nochmals an im Oktober. «Ich bin jetzt drei Jahre Finanzdirektor. Das ist kein einfacher Job.» Man werde von verschiedenen Seiten kritisiert – «wenn man die Finanzen ins Lot bringen muss, sowieso. Denn dann kann man es nie allen recht machen». Er glaube aber, bei den Finanzen sei man «im Steigflug, kontinuierlich in die richtige Richtung, aber wir sind wirklich noch nicht fertig». Das sei einer der Beweggründe gewesen für seine Kandidatur. «Ich hätte auch andere Möglichkeiten gehabt, doch eben: Wir haben die Finanzen noch nicht ganz im Griff.»

Zur Person

— Name: Heinz Tännler
— Partei: SVP
— Wohnort: Zug
— Jahrgang: 1960
— Zivilstand: verheiratet, drei Kinder
— Im Amt seit: 2007
— Beruf: Finanzdirektor/ Regierungsrat
— Hobbys: Tennis, Velofahren, Sport allgemein, Gärtnern
— Ämter: Mitglied der Finanzdirektorenkonferenz, Vizepräsident der Pensionskasse Zug, OK-Präsident des Eidgenössischen Schwing- und  Älperfests in Zug (ESAF 2019)

Das Programm «Finanzen 19» steht laut Tännler vor dem erfolgreichen Abschluss. Die Bundesprojekte NFA und Steuervorlage 17 würden dagegen veritable Knacknüsse darstellen, «das sind happige Themen», sagt er ernst. Und auch intern seien da noch Baustellen, etwa die Reorganisation des Amts für Informatik und Organisation (AIO): «Das Fundament haben wir gelegt, jetzt sind wir im ersten Obergeschoss, doch da kommen noch zwei Stockwerke obendrauf. Fertig sein werden wir im 2020 oder 2021. Diese Aufgaben dauern also sicher noch ein paar Jahre».

Das AIO beschäftigt Tännler, seit er vor knapp drei Jahren die Finanzdirektion übernommen hat. Der Kanton musste 2013 ein Software-Projekt für die Entwicklung einer neuen Lösung für die Einwohnerkontrolle abbrechen und verlor viel Geld. Daraufhin ordnete Tännler eine Reorganisation an.

Wenn Tännler über solche Vorkommnisse, seine Motivation – oder über das Tennis spricht, tut er das so, dass jeder gleich versteht, was er sagen will: ohne Umschweife und auch mal mit Kraftausdrücken («huere Büetz», «en Seich»).

Lösungen – und zwar «schnell, bitteschön»

Jetzt gelte es eben, noch einige Themen in die richtige Richtung zu steuern. Zentral sei etwa die Entwicklung des Crypto Valley, hier ist Tännler auch mit dem Bundesrat in Kontakt. Seine Sorge: dass Jungfirmen aus Zug abwandern könnten, weil sie keine Bank finden, die sie als Kunden aufnimmt. Das wäre dann wirklich «en Seich», meint er.

Bei der jungen Branche gehe es um viel mehr, als um Kryptowährungen, ist er überzeugt. «Die neue Blockchain-Technologie bietet viel Potenzial und die Schweiz nimmt dank Zug eine führende Rolle im Standortwettbewerb ein – die sie allerdings zu verlieren droht.» Auch wenn das nicht primär seine Aufgabe sei, setze er sich dafür ein, «dass sich die Akteure auf Bundesebene zusammensetzen und Lösungen erarbeiten – schnell, bitteschön. Die dynamische Branche soll nicht abwandern, weil sie in der Schweiz nicht einmal Löhne überweisen kann», fordert er energisch. Und man glaubt ihm, wenn er sagt, er werde hier nicht locker lassen.

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