Interview

Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor: «Ich hüte mich, bei Mehrerträgen von Problemen zu sprechen»

Es war erwartet worden: Die Schweizerische Nationalbank schüttet mehr Geld an die Kantone aus. Wohin fliessen in Zug diese Millionen?

Harry Ziegler
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) schüttet aus dem Gewinn von 2019 mehr Geld an die Kantone aus (Ausgabe vom 10. Januar). Ausgezahlt wird das Doppelte der üblichen Ausschüttung. Für den Kanton Zug sind das rund 10 Millionen Franken zusätzlich, die von der SNB überwiesen werden. Finanzdirektor Heinz Tännler erklärt, was mit diesem Geld passiert.

Haben Sie damit gerechnet, dass die SNB das Jahr 2019 derart gut abschliesst?

Heinz Tännler: Ja, aufgrund der Marktentwicklungen war ein substanzieller Gewinn und damit verbunden eine höhere Ausschüttung an Bund und Kantone zu erwarten.

Der Kanton Zug bekommt jetzt total rund 20 Millionen Franken gutgeschrieben. Was passiert damit?

Bund und Kantone können ungefähr das Doppelte der üblichen Ausschüttung erwarten. Der Zusatzertrag ist wie der ordentliche nicht zweckgebunden und fliesst in die normale Jahresrechnung ein.

Wären zukunftsgerichtet Investitionen aus der hohen Ausschüttung denkbar? Die Frage wie Überschüsse intelligent und zukunftsorientiert verwendet werden können, beschäftigt ja aktuell den Regierungsrat?

Der Regierungsrat nimmt eine Gesamtschau vor. Konkret wird er die Gesamtertragslage berücksichtigen für die Ausarbeitung nachhaltig zukunftsträchtiger Investitionsprojekte. Keinesfalls wird er sich darin von Einzelergebnissen leiten lassen, insbesondere nicht von solch systembedingt unberechenbaren wie jenem der Nationalbank.

Gibt es bereits Prognosen für die nächsten Jahre oder mindestens das kommende Jahr bezüglich SNB-Ausschüttungen?

Die Nationalbank stellt auch für 2020 eine erhöhte Ausschüttung in Aussicht. Für die Zeit danach will sie 2021 eine neue Gewinnausschüttungsvereinbarung abschliessen, deren Ausgestaltung derzeit noch offen ist.

Mit welcher Summe kann gerechnet werden?

Für 2020 stellt die Nationalbank nochmals eine Ausschüttung in gleicher Grössenordnung wie 2019 in Aussicht. Die weitere Entwicklung ist offen.

Weshalb?

Man darf nicht vergessen: Die Nationalbank ist keine gewinnorientierte Geschäftsbank. Sie hat den klaren Auftrag, im Gesamtinteresse des Landes die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei die Konjunktur zu berücksichtigen. Dieser Auftrag kann grosse Gewinne mit sich bringen, oder auch Interventionen verlangen, die zu happigen Verlusten führen. Wohin die Reise geht, ist angesichts der aktuellen geopolitischen Grosswetterlage völlig ungewiss.

Bringt der Geldsegen Probleme für den Kanton? Dies vor dem Hintergrund der Negativzinsen beispielsweise?

Als Finanzdirektor werde ich mich hüten, bei Mehrerträgen von Problemen zu sprechen. Das strukturelle Defizit der Vorjahre und der damit verbundene Spardruck war ein Problem. Allerdings stehen wir heute vor der Herausforderung, angesichts des Geldsegens nicht in Euphorie und Übermut auszubrechen. So schnell, wie der Wind ins Positive gedreht hat, kann er sich auch wieder ins Gegenteil kehren. Deshalb entwickelt der Regierungsrat eine konsolidierte Strategie, um intelligent zu investieren. Die Negativzinsen beschäftigen uns so oder so, und wir achten sehr genau darauf, mit sorgfältigem Cash Management die Situation so gut als möglich im Griff zu behalten.

Es dürfte vor dem Hintergrund des durch die SNB-Ausschüttung höheren Ertragsüberschusses 2020 wohl der Ruf nach Steuersenkungen laut werden. Ist das bei den regierungsrätlichen Überlegungen zur Verwendung der Ausschüttung ein Thema?

Wie gesagt hängen die Gewinne und Verluste der Nationalbank nicht von einer klassischen Geschäftstätigkeit ab. Es wäre deshalb grundfalsch, die Finanzstrategie eines Kantons auf Ausschüttungen der Nationalbank abzustellen. Ich betone nochmals: Der Regierungsrat wird aufgrund der Gesamtertragslage und der Aussichten in Projekte investieren, die den Kanton Zug stärken und fit für die Zukunft machen. Dass dies mit einer Steuersenkung kombiniert werden könnte, ist nicht auszuschliessen. Diese Frage ist aber im Rahmen einer qualifizierten Gesamtbetrachtung zu beantworten und nicht übers Knie zu brechen.