Hier stehen Zuger Kandidaten

Krawalle, Atom-ausstieg, Migration oder AHV: Drei Nationalräte und drei potenzielle Anwärter auf Sitze in Bern haben am Dienstagabend Stellung bezogen.

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Diskutierten am Dienstagabend (v. l.): Josef Lang, Eusebius Spescha, Martin Zimmermann, Gerhard Pfister, Marco Schmid und Marcel Scherer im Gespräch mit Christian Peter Meier. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

Diskutierten am Dienstagabend (v. l.): Josef Lang, Eusebius Spescha, Martin Zimmermann, Gerhard Pfister, Marco Schmid und Marcel Scherer im Gespräch mit Christian Peter Meier. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

Das Kandidatencasting geht zweieinhalb Wochen vor den Wahlen in die nächste, wohl noch nicht letzte Runde. An diesem Abend treffen in der Zuger Kantonsschule die amtierenden Nationalräte Gerhard Pfister (CVP), Marcel Scherer (SVP) und Josef Lang (ALG) mit den Nationalratskandidaten Marco Schmid (FDP) und Martin Zimmermann (GLP) sowie dem Ständeratskandidaten Eusebius Spescha (SP) aufeinander. Moderator Christian Peter Meier, Chefredaktor der «Neuen Zuger Zeitung», greift mit den Krawallen im Zürcher Fussballderby und den illegalen Partys zu Beginn aktuelle Sicherheitsfragen auf. Während Scherer darin einen «Auswuchs der Kuscheljustiz» ortet und nach härteren Strafen verlangt, verweist Lang auf die Fanarbeit, die andernorts einen wichtigen Stellenwert einnimmt, und erkennt: «Dieses übersteigerte Wir-Gefühl ist gefährlich.» Spescha outet sich als FCZ-Fan, der sich darob «masslos geärgert» hat, zumal sein Club «seit Jahrzehnten die Fanarbeit vernachlässigt». Die Schwierigkeit bestehe nicht darin, Gesetze zu schaffen, erklärt Zimmermann, «sondern sie durchzusetzen». Dem hält Schmid entgegen: Deren gebe es schon genug, er nennt den öffentlichen Pranger als Möglichkeit. Pfister wagt einen Erklärungsversuch, der auf einer Maturaarbeit einer seiner Schülerinnen beruht: «Für einzelne Jugendliche ist das Wochenendbeschäftigung, Lifestyle.» Man müsse dieses Phänomen erst begreifen und dann sehen, was man dagegen tun könne.

Atomausstieg: Ja, aber...

Mehr Klarheit herrscht in der Frage des Atomausstiegs, weil sich die sechs Podiumsteilnehmer einig sind, dass der Ausstieg grundsätzlich der richtige Weg ist, die weiteren Schritte und Massnahmen aber entscheidend sind. Pfister hat sich mit diesem Entscheid schwer getan, wie er sagt, und Scherer findet, «man kann die Kernkraftwerke nicht einfach abstellen». Können denn die alternativen Energien den Stromverbrauch decken? Im Moment noch nicht, sagt Schmid. Und Zimmermann, dass dies mehr eine Frage des Preises und des Willens sei: «Potenzial ist da, es liegt an der Förderung.» Zug könne von eben dieser Förderung «enorm profitieren», ist Lang überzeugt. Umso mehr sei es absurd, dass die Atomlobby im Kanton derart stark vertreten sei. Daran, dass die Gesellschaft beim Einsparen von Energie in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt wird, glaubt Spescha nicht. Auch die Optik, so Lang, leidet nicht. «Solarenergie ist in der Schweiz denkmalpflegerisch kein Problem.» Autofahren aber sei energieverschwenderisch. «Die Tangente würde man heute wohl nicht mehr bauen.»

Migration: Probleme sehen alle

Die Verbandelungen mit der EU, die Zuwanderung und ihre Auswirkungen gaben länger zu reden – die Positionen klar gegenteilig. Schmid ist der Überzeugung, dass es bilaterale Abkommen braucht, weil es Know-how und Arbeitskräfte brauche. «Unsere Wirtschaft würde ohne die Zuwanderung nicht funktionieren», sagt Spescha. Scherer widerspricht klar: Früher habe man Kontingente gehabt, damit hätte er auch Arbeiter aus Polen beschäftigt. «Jetzt entscheidet Brüssel, wer kommt.» Pfister verweist darauf, dass Zug «ein riesiger Profiteur» der Personenfreizügigkeit sei. Die Probleme will keiner der Podiumsteilnehmer negieren. «Man muss den Profit ins Verhältnis zum Malus setzen», sagt Zimmermann.

Dass die AHV dereinst nicht mehr für alle reichen könnte, bereitet nicht allen sechs im selben Mass Kopfzerbrechen. Scherer glaubt, dass man die Finanzierung nicht über die Einwanderung lösen kann. Schmid denkt, dass die Erhöhung des Rentenalters unumgänglich ist. Für Pfister und Spescha ist die Skizze einer Lebensarbeitszeit eine Idee wert. Das gilt auch für Zimmermann, auch wenn er glaubt, dass damit generell länger gearbeitet würde. Und für Lang besteht die einzig soziale Lösung darin, die erste Säule zu stärken.

Chantal Desbiolles/ Neue ZZ

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Nationalratskandidatin der Grünen Susanne Giger, Jahrgang 1960, aus Zug. (Bild: PD)
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Nationalratskandidat der Grünen Andreas Hürlimann, Jahrgang 1982, aus Steinhausen. (Bild: PD)
Nationalratskandidat der Alternative Kanton Zug Josef Lang, Jahrgang 1954 aus Aristau (bisher). (Bild: pd)
Nationalratskandidatin der Jungen Alternativen Jolanda Spiess-Hegglin, Jahrgang 1980 aus Oberwil. (Bild: pd)
Nationalratskandidat der Jungen Alternativen Levin Schmid, Jahrgang 1990 aus Steinhausen.
Nationalratskandidat der Jungen Alternativen Matthias Kilchsperger, Jahrgang 1990 aus Walchwil. (Bild: pd)
CVP Zug Ost Nationalratskandidat Dominik Schwerzmann (39) aus Zug.
CVP Zug Ost Nationalratskandidat Gerhard Pfister (49) aus Oberägeri. (Bild: Archiv Neue ZZ)
CVP Zug Ost Nationalratskandidatin Monika Barmet (50) aus Menzingen. (Bild: pd)
CVP Zug West Nationalratskandidatin Christine Knüsel-Moos, Jahrgang 1983, aus Baar.
CVP Zug West Nationalratskandidat Christian Schnieper (33) aus Zug. (Bild: pd)
CVP Zug West Nationalratskandidatin Christine Blättler (44) aus Hagendorn. . (Bild: pd)
CSP Nationalratskandidat Claudio Meisser (66) aus Cham. (Bild: Archiv PD)
CSP Nationalratskandidat Gishan Schaeren (45) aus Zug. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)
CSP Nationalratskandidatin Magda Feldmann-Müller (43) aus Zug. (Bild: Archiv PD)
FDP Zug Nord-Ost Nationalratskandidat Bruno Pezzatti (60) aus Edlibach-Menzingen. (Bild: Archiv Neue ZZ)
FDP Zug Nord-Ost Nationalratskandidatin Maja Dübendorfer (45) aus Baar. (Bild: pd)
FDP Zug Nord-Ost Nationalratskandidat Marco Schmid (36) aus Zug. (Bild: pd)
FDP Zug Süd-West Nationalratskandidatin Casha Frigo Schmidiger, Jahrgang 1967 aus Steinhausen. (Bild: PD)
FDP Zug Süd-West Nationalratskandidat Andreas Kleeb aus Zug. (Bild: PD)
FDP Zug Süd-West Nationalratskandidatin Linette Iten (46) aus Unterägeri. (Bild: PD)
Nationalratskandidat der GLP Martin Zimmermann (33) aus Zug. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)
Nationalratskandidatin der GLP Michèle Kottelat (57) aus Zug. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)
Nationalratskandidat der GLP Ivo Hunn (39) aus Baar. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)
Nationalratskandidat der Grünliberalen Partei Atilla Cilingir, Jahrgang 1989, aus Rotkreuz. (Bild: PD)
Nationalratskandidat der Grünliberalen Partei Marius Thürlemann, Jahrgang 1993, aus Unterägeri. (Bild: PD)
Nationalratskandidat der Grünliberalen Partei Pierre Schatt, Jahrgang 1983, aus Cham. (Bild: PD)
SP Nationalratskandidatin Christina Huber Keiser, Jahrgang 1979, aus Zug. (Bild: PD)
SP Nationalratskandidatin Karin Hägi, Jahrgang 1973, aus Zug. (Bild: PD)
SVP Nationalratskandidat Karl Nussbaumer, Jahrgang 1964 aus Menzingen. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)
SVP Nationalratskandidat Thomas Aeschi, Jahrgang 1979 aus Baar. (Bild: Archiv PD)
SVP Nationalratskandidat Marcel Scherrer, Jahrgang 1952 aus Hünenberg (bisher). (Bild: pd)
SVP Nationalratskandidat Xaver Ruckli, Jahrgang 1952, aus Zug. (Bild: PD)
SVP Nationalratskandidat Manfred Pircher, Jahrgang 1950, aus Zug. (Bild: Archiv PD)
SVP Nationalratskandidat Richard Schubnell, Jahrgang 1950, aus Neuheim. (Bild: PD)
SP Ständeratskandidat Eusebius Spescha, Jahrgang 1953, aus Zug. (Bild: PD)
FDP Ständeratskandidat Joachim Eder, Jahrgang 1951, aus Unterägeri. (Bild: PD)
SVP Ständeratskandidat Philip C. Brunner (56) aus Zug. (Bild: Archiv Neue ZZ)
CVP Ständeratskandidat Peter Bieri (59) aus Hünenberg. (Bild: pd)
Ständeratskandidat der «Alternative - die Grünen Zug» Stefan Gisler, 43-Jährig aus Zug. (Bild: Archiv PD)

Nationalratskandidatin der Grünen Susanne Giger, Jahrgang 1960, aus Zug. (Bild: PD)