Hilferuf des Interimsvorstands: Zug 94 steht mit Schulden da 

Der Fussballverein steht finanziell am Abgrund. Ein Sechsergremium versucht zu retten, was noch zu retten ist.

Martin Mühlebach
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Zug-94-Stürmer Aleksandar Radovic am Boden: Die Aussichten des Vereins sind trist. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 26. Oktober 2019)

Zug-94-Stürmer Aleksandar Radovic am Boden: Die Aussichten des Vereins sind trist. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 26. Oktober 2019)

«Unser Verein liegt seit eineinhalb Jahren auf der Intensivstation – und nun wurde der Stecker gezogen.» Mit diesen drastischen Worten beschreibt der im Vorstand verbliebene Christian Volkart die missliche Lage, in der sich der Stadtzuger Fussballclub Zug 94 befindet. Das erstaunt nicht nach den Vorkommnissen an der Generalversammlung Ende Oktober: Der Präsident Beat Knoblauch war, wie lang zuvor angekündigt, ohne Nachfolger zurückgetreten. Und der Sportchef Dusan Ilic entschied sich vor der GV für die Demission. Dies, nachdem offenbar die Übernahme des Präsidiums durch einen Zürcher Geschäftsmann kurzfristig gescheitert war.

Die Mitglieder des derzeitigen Vorstands – Christian Volkart, (Vizepräsident), Fanionteamtrainer Ergün Dogru (beratende Funktion), Vural Oenen (Sportlicher Leiter), Biagio Campisi (Juniorenobmann), Martina Bazzani (J+S-Coach und Administratorin) und dem Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Faruk Mustafi (IT) – betonen unisono: «Wir sind nicht da, um Zug 94 zu übernehmen. Wir sind im Vorstand, um Zug 94 vor dem Untergang zu retten, wir sind da, weil uns das Wohl des Vereins am Herzen liegt.»

Der Klub benötigt eine halbe Million Franken

Volkart sagt, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, die nun ausgebügelt werden müssten. Diese Fehler seien nicht zuletzt gemacht worden, weil alle damaligen Vorstandsmitglieder zu 100 Prozent in der Privatwirtschaft gearbeitet und die Vorstandsarbeit bei Zug 94 in ihrer Freizeit ehrenamtlich gemacht hätten. Ein weiterer Punkt sei die Tatsache, dass in der Vergangenheit mit der grossen Kelle angerührt worden sei und damit die Relationen verloren gegangen seien. Vor allem dank der Unterstützung des Hauptsponsors, des Supporterclubs, der vor kurzem aufgelösten Aktiengesellschaft und weiterer Sponsoren habe sich Zug 94 bis im Sommer finanziell über Wasser halten können. Nun aber habe der Verein Schulden.

Ein Grund sei, so Christian Volkart, dass es heutzutage im Fussball nur noch ums Geld gehe. Die Zeiten, in denen die Spieler aus Leidenschaft und mit Stolz die Vereinsfarben getragen hätten, seien längst vorbei, bereits auf 3.-Liga-Niveau. Dieser Trend habe in den letzten Jahren im Breitensport stark zugenommen. Diese Entwicklung führe dazu, dass nicht nur Zug 94, sondern auch andere Vereine in der Klemme steckten.

Wie hoch die Verbindlichkeiten sind, kann Volkart noch nicht sagen: «Dafür müssen wir erst einmal Einblick in alle Zahlen erlangen, die bislang nur zwei Vorstandsmitgliedern bekannt waren.» Sicher sei aber, dass Zug 94 eine halbe Million Franken benötige, um im Verlauf von den bevorstehenden drei Saisons wieder gesunden zu können. Aus eigener Kraft könne sich der Verein nicht finanziell sanieren, da Einnahmequellen fehlten. Für ein lukratives Grümpelturnier stelle etwa die Stadt Zug die Spielfelder nicht zur Verfügung. Und die Miete für das Stadionrestaurant sei derart hoch, dass kein grosser Gewinn herausspringe.

Grosse Juniorenabteilung steht auf dem Spiel

Der interimistische Vorstand hat in den nächsten Monaten eine Herkulesaufgabe zu lösen. Christian Volkart zeigt auf: «Uns fehlen ein Präsident, ein Buchhalter, eine Person für das Recht und eine für das Marketing, darüber hinaus ein Hauptsponsor und mehrere Nebensponsoren. Wenn wir diese Positionen nicht besetzen können, stehen im nächsten Sommer 500 Kinder und Jugendliche auf der Strasse.»

Die Juniorenabteilung ist das Prunkstück des Vereins – nachweislich: In den letzten drei Jahren wurde Zug 94 zweimal vom Innerschweizerischen Fussballverband mit dem Preis für die beste Gesamtleistung im Juniorenwesen ausgezeichnet. Die A-, B- und C-Junioren des Klubs spielen derzeit in den höchsten Schweizer Juniorenligen. Ein Abstieg der ersten Mannschaft, die in der 1. Liga mit zehn Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz überwintert, wäre indes zu verkraften. Eine Liga tiefer böte sich eher die Chance, ein günstigeres Team zu formen.

Der Vorstand hofft nun, dass der Dienst des Klubs für die Öffentlichkeit von jener sowie der Politik anerkannt wird und er finanzielle Hilfe erhält.