Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Hindernisfreiheit ist für diese künftige Zuger Kantonsrätin eine Herzensangelegenheit

Die Rechtsanwältin Manuela Leemann hat den Sprung in den Grossen Gemeinderat wie auch in den Kantonsrat geschafft. Nun erhielt sie ausserdem Anerkennung von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung.
Vanessa Varisco
Manuela Leemann ist «Querschnittgelähmte des Jahres 2018» neu Mitglied des Kantonsrats und GGR. Im Bild ist sie vor dem Regierungsgebäude Zug.(Bild: Maria Schmid ( Zug, 14. Dezember 2018 ))

Manuela Leemann ist «Querschnittgelähmte des Jahres 2018» neu Mitglied des Kantonsrats und GGR. Im Bild ist sie vor dem Regierungsgebäude Zug.
(Bild: Maria Schmid ( Zug, 14. Dezember 2018 ))

Die «Querschnittsgelähmte des Jahres» heisst Manuela Leemann. Bereits zum 26. Mal hat die Schweizer Paraplegiker-Stiftung diesen Titel vergeben. «Diese Anerkennung freut mich sehr», sagt die 37-Jährige. Besonders, weil die Ehrung von Menschen kommt, die verstehen, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen. Gemäss der Jury ist sie ein Vorbild für andere Betroffene, denn: Sie lässt sich nicht unterkriegen.

Die Zugerin hatte 1997 einen Unfall, bei dem sie so unglücklich stürzte, dass der fünfte Halswirbel brach. Seitdem ist sie Tetraplegikerin. «Der Unfall hat vieles in meinem Leben verändert, plötzlich war ich auf Hilfe angewiesen», erinnert sie sich. Doch sie hat gekämpft. Nach neun Monaten Rehaklinik kehrte sie zurück in ihre Klasse und schloss die Matura ab. «Ich bin jemand, der ein Ziel vor Augen braucht», betont sie. Weshalb es ihr auch gelungen sei, im Alltag oder Beruf immer wieder Neues zu erreichen.

Plötzlich ist nichts mehr wie vorher

«Von einem Moment auf den anderen konnte ich überhaupt nichts mehr selbstständig machen, trotzdem hatte ich Ziele und Träume, die ich Schritt für Schritt erreichen wollte», erklärt sie. Und dieses Vorgehen bewähre sich. Als Tetraplegikerin ist sie stark eingeschränkt. In alltäglichen Situationen wie dem Aufstehen, dem Jacke An- oder Ausziehen benötigt sie Unterstützung. «Dank Angeboten wie der Spitex kann ich selbstständig wohnen, wobei mich auch mein Freund tatkräftig unterstützt», wie sie berichtet. Nichtsdestotrotz gibt es für sie auch jetzt noch unangenehme Situationen. «Ich musste lernen, Hilfe anzunehmen, was für mich anfangs schwierig war und ich auch jetzt noch nicht gern mache», sinniert sie. Sie weiss aber, dass sie sich dadurch viel freier bewegen kann.

Auch in der Öffentlichkeit muss sie oft um Hilfe bitten. Etwa, wenn sie beim Einkaufen nicht an die Waren kommt, die oben im Regal liegen. «Viele Menschen haben zwar Berührungsängste aber sind durchaus hilfsbereit, wenn man sie danach fragt», führt sie aus. Durch ihre körperliche Einschränkung hat sie ausserdem immer wieder die Chance neue Menschen kennen zu lernen. Auf ihrem früheren Arbeitsweg nach Luzern machte sie im Zug beispielsweise schon spannende Bekanntschaften, weil sie beim Einsteigen Unterstützung brauchte. «Schön, auf diese Weise Kontakte knüpfen zu können», freut sie sich.

Nächstes Jahr kommt eine neue Aufgabe auf die Rechtsanwältin zu. Denn sie wurde am 7. Oktober für die CVP in den Grossen Gemeinderat und den Kantonsrat gewählt. Für ihren Wahlkampf hat sie Videos gedreht. «Das musste ich erst lernen», verrät sie, «doch ich wollte unbedingt einen etwas unkonventionelleren Wahlkampf betreiben.»

«Noch Luft nach oben»

Sie erklärte in ihren Videos, wofür sie sich künftig politisch engagieren will. Und hat auch Schwierigkeiten angesprochen. So muss laut der Geschäftsordnung des Kantonsrats der Eid stehend abgelegt werden - für sie unmöglich. Die Staatskanzlei habe aber umgehend reagiert und eine Passage eingefügt, die es Menschen in Leemanns körperlichem Zustand erlaubt, diesen Eid auch sitzend abzugeben.

Besonders die Hindernisfreiheit ist für sie eine Herzensangelegenheit. «In den letzten Jahren hat sich viel getan. Aber es ist immer noch Luft nach oben», betont sie. Beispielsweise kann sie aus sicherheitstechnischen Gründen in kein Kino der Stadt Luzern, weil es keine Rollstuhlplätze gibt und sie nicht mit ihrem Rollstuhl im Gang sitzen darf. Sie ist sich aber sicher, dass sie in dieser Hinsicht etwas bewegen kann. «Ich habe teilweise einfach einen anderen Blick auf die Geschäfte», überlegt sie.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.