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Hingeschaut bei der Kantonsschule Zug: Mann und Frau im Kopf vereint

Wie ein stiller Platzwächter wirkt Fritz Roths (†) massive Eisenskulptur auf dem Areal der Kantonsschule Zug.
Andreas Faessler
Der «Kopf» von Fritz Roth auf dem Platz der Kantonsschule besteht aus massivem Eisen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. August 2019)

Der «Kopf» von Fritz Roth auf dem Platz der Kantonsschule besteht aus massivem Eisen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. August 2019)

Von weitem könnte man es für einen Hydranten halten, einfach ein unübliches Modell mit runderen Formen als die Schweizer Standardversion. Dann aber erkennt der Herantretende, dass es sich um ein Kunstwerk handeln muss, welches da einsam und fast etwas verloren am Rande des Platzes vor der Mediothek der Kantonsschule Zug steht. Es sieht aus wie eine Person, die fast bis zur Schulter im gepflästerten Boden feststeckt. Die Skulptur ist knapp einen Meter hoch.

Dieser «Kopf», wie die Plastik sinnigerweise und schlicht heisst, ist ein Werk des Chamer Künstlers Fritz Roth (†2016). Der Kopf ist überlebensgross, weist etwas wulstige Gesichtsteile auf und eine unregelmässige Gesichtsform. Der dicke Hals geht in eine angedeutete Schulterpartie über, die man zugleich als Sockel interpretieren könnte. Dass die Figur – frontal betrachtet – aussieht, als hätte man ihr im noch weichen Zustand mit der Faust in die linke Gesichtshälfte gehauen, ist bewusst so gehalten: Die Kopfplastik vereint das Männliche und das Weibliche in sich. So symbolisiert die linke, konvex verlaufende Gesichtshälfte das Männliche, die rechte, rundlich geformte Gesichtshälfte das Weibliche. Hinten zieht sich – wie ein überdimensioniertes, nach oben verlängertes Rückgrat – eine Art Verstrebung vom Boden bis zum Kopfende. An ihr scheint das Ganze fixiert. Der Oberflächenverlauf des «Kopfes» ist mehrheitlich unregelmässig. Man erkennt Dellen und Gussgräte, Korrosion hat sich breitgemacht – ein erwünschter Effekt. Die Eisenplastik ist ein Vollguss, also massiv. Sie wiegt mehrere Zentner. Diese Dichte und die fast wilde Unregelmässigkeit des Äusseren wirken durch und durch archaisch.

Bewusst im Abseits platziert

Den «Kopf» hat der Kanton 1996 vom Künstler erworben, nachdem die Eisenplastik als Teil einer grossen Roth-Ausstellung im Kunsthaus Zug zu sehen gewesen war. Dass der Kopf an seinem Standort etwas «einsam» wirkt, wie weiter oben beschrieben, ist durchaus gewollt. Der Künstler hat den Platz gemeinsam mit Hanspeter Gnos, damals Präsident der Zuger Kunstgesellschaft, ausgesucht. Die schiere Schwere des Kunstwerkes kommt am Rande des Platzes nicht so sehr zum Tragen, vielmehr wirkt es so ruhend und in sich gekehrt. Den ganzen Platz im Blickfeld, wirkt der «Kopf» wie ein stiller Wächter über das Gelände.

Fritz Roth wurde 1945 in Herzogenbuchsee geboren, lernte den Beruf des Bauzeichners, war dann aber jahrelang tätig im Atelier des bedeutenden Schweizer Bildhauers Schang Hutter. An der Schule für Gestaltung in Luzern bildete sich Roth weiter und fasste bald Fuss in der Schweizer Kunstszene. Der Mensch war seit jeher Inspirationsquelle seiner bildhauerischen Arbeit. Fritz Roth lebte und arbeitete ab 1993 bis zu seinem Tod in Cham.


Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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