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«Hingeschaut» am Esaf: Der Frischequell der «Bösen»

Die grossen Holzbrunnen in der Arena gehören zum Hauptinventar eines jeden Schwingfestes. Für das
Esaf 2019 hat die Korporation Zug gemeinsam mit einem Chamer Künstler ganze Arbeit geleistet.
Andreas Faessler
Neben den Sportlern sind sie der Blickfang in der Esaf-Arena: Die Brunnen, an denen sich die Schwinger erfrischen, sind von der Korporation Zug und vom Bildhauer Daniel Züsli hergestellt worden. Sie zeigen beispielsweise einen Alphornbläser. (Bilder: Stefan Kaiser, Zug, 23. August 2019)

Neben den Sportlern sind sie der Blickfang in der Esaf-Arena: Die Brunnen, an denen sich die Schwinger erfrischen, sind von der Korporation Zug und vom Bildhauer Daniel Züsli hergestellt worden. Sie zeigen beispielsweise einen Alphornbläser. (Bilder: Stefan Kaiser, Zug, 23. August 2019)

An jedem Schwingfest sind sie die stummen Hauptprotagonisten am Rande des Sägemehls: Die traditionellen Holzbrunnen sind für die Männer mit den Leinenhosen als Erfrischungsstelle vor wie nach dem Kampf unverzichtbar – kurz die Arme eingetaucht, das Gesicht genetzt, einen Schluck Wasser genommen ... Dass ein Objekt mit so zentraler Funktion nicht nur zweckmässig zu sein hat, sondern auch eine ordentliche Falle machen muss, ist selbstredend. So ist es denn auch für denjenigen eine grosse Ehre, der den Auftrag fasst, die Schwingerbrunnen aus Holz herzustellen.

Besonders prestigeträchtig wird dies im Falle des Eidgenössischen, wenn zigtausende Augen und eine Vielzahl an Fernsehkameras auf die Kampfarena und alles, was auf ihr geschieht und herumsteht, gerichtet sind. Stammten die vier Holzbrunnen für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) 2016 in Estavayer-le-Lac von einem einzigen Holzkünstler, so sind die Brunnen für das Esaf 2019 in Zug ein Gemeinschaftswerk der Korporation Zug und des freischaffenden Chamer Holzbildhauers Daniel Züsli. Seitens Korporation war Ruedi Bachmann, Betriebsleiter Forst, Tätschmeister beim Brunnenprojekt. Sein ursprünglicher Vorschlag war es, die Brunnensäulen jeweils in Gestalt eines typischen Zuger Motivs auszuführen. Doch war dies den Verantwortlichen seitens Esaf zu viel des Lokalkolorits, die Motive sollen etwas urchiger und allgemeiner ausfallen, so der Wunsch. Da hat man sich mit der Korporation schliesslich auf drei unterschiedliche Sujets geeinigt: ein wassertrinkender Schwinger, ein Alphornbläser und der Zuger Zytturm – um mit dem Wahrzeichen der Stadt immerhin doch ein Motiv mit direktem Bezug zum Austragungsort zu haben. Die Zytturm-Version ist dabei zweimal ausgeführt worden – eine von ihnen steht nicht in der Kampfarena, sondern im Schwingercamp.

Douglasien, Fichten
und Weisstannen

Dass die Korporation Zug das Holz aus dem eigenen Bestand bereitstellen wird, stand von Anfang an fest. Für die beiden Zyttürme fand sich im Korporationswald oberhalb Oberwil eine stattliche Douglasie, und für die beiden «Brunnen-Manöggel» holte man Fichten vom Zugerberg. «Vor allem die Figuren bedürfen eines Baumstammes von grossem Volumen, da sie in einem Stück herausgearbeitet werden müssen», merkt Ruedi Bachmann hierzu an. Immerhin ist jede der Brunnensäulen mehr als mannshoch und demzufolge auch von entsprechend grossem Durchmesser. Das Holz für die Tröge wiederum kommt je von einer Weisstanne. Für die Ausführung der vier insgesamt je dreieinhalb Meter langen Schwingerbrunnen im Korporationswerkhof auf dem Zugerberg waren mehrere fleissige Hände zugange. Bei der Bearbeitung der Tröge zeichnete vorderhand Wendelin Hürlimann verantwortlich. Der hauptberufliche Förster hat reichlich praktische Erfahrung im Herstellen von Brunnentrögen aus Holz und bearbeitet die Objekte mit seiner Motorsäge mit geübter Hand. Dass er 
Brunnen für ein Schwingfest 
bereitstellt, war für ihn allerdings eine Premiere, daher waltete er erst recht mit besonderer Sorgfalt.

Einer der Brunnen zeigt einen Schwinger.

Einer der Brunnen zeigt einen Schwinger.

Derweil war Bildhauer Daniel Züsli konzentriert mit der Ausarbeitung der Brunnensäulen beschäftigt. Dass es zur Zusammenarbeit mit dem bekannten Chamer Holzkünstler gekommen ist, geht – für den überschaubaren Kanton Zug nicht ungewöhnlich – auf eine freundschaftliche Verbindung Züslis mit einem Korporationsmitarbeiter zurück. Züsli hat jede der Brunnensäulen fein detailliert ausgearbeitet, jedoch darauf geachtet, dass die Struktur des Holzes sichtbar bleibt. Anschliessend wurden die fertigen Kunstwerke gefasst, sprich bemalt. Die klassisch auf zwei Querträmeln platzierten Tröge tragen die Aufschrift «Zug 2019» und das Schweizer sowie das Zuger Wappen. Obwohl die Einzelteile der fertigen Schwingerbrunnen erst vor Ort in der Arena verschraubt worden sind, hatte jeder der Tröge bereits unmittelbar nach der Fertigstellung mit Wasser gefüllt werden müssen. Ansonsten liefe man Gefahr, dass das Holz Risse bildet und undicht wird. Sobald ein Holztrog gewässert ist, hält er viele Jahre zuverlässig. Der wohl auffälligste der drei Brunnen im grünen Hexagon ist derjenige mit dem Alphornbläser. Der Musikant mit Hut hat die eine Hand entspannt in der Hosentasche versenkt, mit der anderen hält er sein Instrument in Originalgrösse steil geschultert, es ragt meterweit in den Himmel. Aus dem Becher plätschert das Wasser.

Breite Mitwirkung 
der Korporation Zug

Wohlbemerkt sind die vier Schwingerbrunnen nicht der einzige Beitrag der Korporation Zug ans Esaf 2019. Die mit Holzschnitzeln besetzten Wege und Flächen sind ebenfalls von der Korporation angelegt worden. Auch der stattliche Halb-
bogen aus Holz mit dem Willkommensgruss «Allen ein schönes Fest» kommt von gleicher Stelle. So wie auch die massiven langen Stehtische auf dem Festgelände, zahlreiche Holzblumentröge oder der ZKB-Stand mitsamt Brunnen. «Wir sind stolz, dass wir diese Aufträge fassen und ausführen durften», sagt Ruedi Bachmann.

Ein anderer den Zytturm.

Ein anderer den Zytturm.

Welcher der drei grossen Arenabrunnen dem Schwingerkönig schliesslich als Frischequell dienen wird, weist sich morgen Sonntag. Die vier Brunnen gehen nach dem grossen Spektakel in Privatbesitz über – drei von ihnen sind bereits im Vorfeld gekauft worden. So viel vorneweg: Einer wird dereinst auf der Rigi anzutreffen sein, ein anderer kommt nach Hünenberg. Der künftige Standort eines dritten bereits verkauften Brunnens ist noch ungewiss. Das Exemplar mit dem Alphornbläser ist bis dato noch nicht an den Mann gebracht. Er wäre also noch zu haben...

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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