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Hingeschaut: Der römische Legionär von Niederwil als Märtyrer

Der Kirchenpatron Mauritius wacht von seiner Mauernische aus über den Chamer Weiler. Vermutlich verehrt man ihn hier bereits seit dem Frühmittelalter. Etymologisch birgt der Name des Heiligen einen spannenden Aspekt.
Andreas Faessler
In ritterlicher Montur mit Palmwedel als Symbol des Märtyrertums und einer Lanzenfahne: der hl. Mauritius, Kirchenpatron von Niederwil, in seiner Nische. (Bild: Maria Schmid, Niederwil Cham, 12. April 2019 )

In ritterlicher Montur mit Palmwedel als Symbol des Märtyrertums und einer Lanzenfahne: der hl. Mauritius, Kirchenpatron von Niederwil, in seiner Nische. (Bild: Maria Schmid, Niederwil Cham, 12. April 2019 )

Stoisch blickt der edle Ritter – mit Helm und Waffenrock bekleidet – aus seiner Nische in die Ferne. Die eine Hand liegt auf seiner Brust und hält einen Palmwedel. Mit der anderen Hand umfasst er eine Lanzenfahne, zu seinen Füssen steht ein Schild. Der anmutige Herr, der da von der Fassade der Kirche in Niederwil über den Chamer Weiler wacht, heisst Mauriz, wie die Inschrift an seinem Sockel verrät. Es ist der Kirchenpatron höchstselbst. Das schmucke Gotteshaus im Stil des Spätbarock steht hier seit 1848. Freilich ist es nicht das erste, sondern folgte auf mehrere Vorgängerbauten, welche nachweislich allesamt ebenfalls dem hl. Mauritius geweiht waren. Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche datiert ins Jahr 1185, als Niederwil eine eigene, grosse Pfarrei war, die bis ins Zürcherische Gebiet reichte. Doch kann man davon ausgehen, dass die Kirchengeschichte von Niederwil, welches einst «Wiprechtswil» geheissen hat, noch weiter zurückreicht, da die Mauritiusverehrung in der Schweiz bereits im 5. Jahrhundert eingesetzt hatte – ausgehend von seinem mutmasslichen Sterbeort Agaunum, heute St-Maurice im Kanton Wallis. Die Heiligsprechung des Patrons erfolgte im Jahre 962 durch Papst Johannes XII. Die Maurizfigur in Niederwil ist in etwa gleich alt wie die heutige Kirche, trägt Vollbart und einen ausgeprägten Schnauzer. Sie vermittelt ein bisschen das Bild des gestandenen Urschweizers in Kriegsmontur. Doch stammt Mauritius der Überlieferung nach aus dem fernen Theben in Ägypten. Er war römischer Anführer der thebäischen Legion, welche hauptsächlich aus Christen bestand. Mauritius’ Legion soll darauf vom römischen Kaiser Maximian in dessen Heer integriert worden sein, um gegen die Christen vorzugehen. Als der Kaiser mit seinen Truppen um das Jahr 303 über die Alpen marschierte, wehrte sich Mauritius mitsamt seiner Legion in der Gegend um Agaunum gegen die Pläne des Kaisers, die Christen zu bekämpfen. Der im heutigen Martigny residierende Kaiser gab die Anweisung, die Widerspenstigen hinzurichten. Kampflos nahmen diese ihr Schicksal hin. Somit sind Mauritius und seine Leute als christliche Märtyrer hervorgegangen, worauf denn auch symbolisch der Palmwedel verweist, den unsere Maurizstatue in Niederwil in der linken Hand hält.

Mauritius, der Mohr

Im Gegensatz zur Figur in Niederwil wird der hl. Mauritius häufig als dunkelhäutiger Mann dargestellt, als «Mohr». Der Heilige und sein Name liefern hierbei einen interessanten Reflexionsanstoss, mit dem sich die von der Gesellschaft konstruierte rassistische Konnotation des Begriffs «Mohr» mit etwas Weitsicht relativieren liesse. Der Wortstamm des «Mohr» – und somit auch derjenige des Namens Mauritius – geht auf das griechische Wort «mauros» zurück, was «dunkel» bedeutet und seinen Urstamm wohl in einer nordafrikanischen Berbersprache wiederfindet. Durch die geografische Verbreitung dieser Sprache quer durch Nordafrika bis nach Spanien hat sich schliesslich auch die Bezeichnung der Mauren manifestiert, der kulturell sehr einflussreiche Volksstamm aus Nordwestafrika. So hat es der Begriff schliesslich bis in unsere Breitengrade geschafft, wo die einst harmlose Bezeichnung für einen Menschen mit dunklerer Hautfarbe Pate stand für Begriffe wie den Mohrenkopf oder für Firmensignete wie der berühmte Mohr von Meinl-Kaffee. Ein anschauliches Beispiel ist überdies das Gemeindewappen von Möriken-Wildegg, welches ebenfalls einen Mohr zeigt. Ergo hat der Name der Gemeinde mit dem Begriff des Mohrs wiederum denselben Ursprung wie Mauritius, womit wir wieder bei unserem Patron angelangt sind.

Ohrenweh? Mauriz hilft

St. Mauritius ist Schutzheiliger der Kantone Wallis und Appenzell-Innerrhoden. Auch das mondäne St. Moritz resp. San Murezzan ist nach dem Legionär benannt, er erscheint auf dem Gemeindewappen. Und im Wappen der aargauischen Gemeinde Mandach tritt Mauritius als Mohr auf. Der hl. Mauritius hat zahlreiche Zuständigkeiten: Er ist Patron der Soldaten, Kaufleute, Waffenschmiede und mehrerer weiterer Handwerksberufe. Er wacht ferner über die Weinstöcke und Pferde, wird bei Gicht, Ohrenleiden und «Besessenheit» angerufen.

Hinweis: Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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