HINGESCHAUT: Es war das letzte der alten Zuger Stadttore

Durch das Ägeritor führte einst der Haupthandelsweg von Zug ins Ägerital. Heute herrscht hier kaum Verkehr mehr. Eine Abbruchstelle und ein Schriftzug erinnern an den einstigen Durchlass.

Andreas Faessler
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Das Haus Zum Aegeritor ist nach dem Stadttor benannt, welches bis 1879 die Fortsetzung der im Hintergrund sichtbaren Mauer bildete. Wie es aussah, zeigt die historische Fotografie.

Das Haus Zum Aegeritor ist nach dem Stadttor benannt, welches bis 1879 die Fortsetzung der im Hintergrund sichtbaren Mauer bildete. Wie es aussah, zeigt die historische Fotografie.

Bilder: Stefan Kaiser (Zug, 24. März 2020) / PD

Von insgesamt drei Mauerringen war die Stadt Zug im Mittelalter umgeben, wobei jeder von ihnen im Zuge des Wachstums der Stadt neu angelegt worden ist. Die dritte Stadtbefestigung entstand ab dem frühen 16. Jahrhundert. Sie zog sich, von der Liebfrauenkapelle ausgehend, in einem grossen Halbrund um die Stadt, ungefähr dahin, wo heute das Regierungsgebäude steht. Von dieser Umfriedung stammen die heute noch bestehenden Türme und Reste des einstigen Wehrganges. Ganz aus dem Stadtbild verschwunden sind die grossen und kleinen Mauertore des äusseren Rings, durch welche die fortifizierte Stadt betreten oder verlassen werden konnte.

An eines der kleinsten dieser Tore erinnert heute ein Schriftzug über der Tür am Haus Bohlstrasse 5 – «Zum Aegeritor». Beim verniedlicht «Ägeritörli» genannten Durchlass handelte es sich um einen einfachen gemauerten Torbogen an der einst «Bohlgasse» genannten Bohlstrasse im Mauerabschnitt zwischen Huwiler- und Knopfliturm.

Man erkennt den einstigen Standort noch genau: Gegenüber des Hauses mit dem Schriftzug, am Ende des Kunsthaus-Grundstücks ist die einstige Wehrmauer wie abgeschnitten sichtbar. Hier stand das Ägeritörli von 1524 bis 1879. Es wurde als letztes der ehemaligen Stadttore des äusseren Mauerrings abgebrochen. Der Überlieferung zufolge aus dem Grund, weil es für den Güterverkehr hinderlich war. Wie das Ägeritor aussah, zeigt unsere historische Abbildung. Der Durchlass war spitzbogig, darüber verlief der einstige Wehrgang der Stadtmauer.

Von der Ägeristrasse abgelöst

Was angesichts der heutigen Stadtanlage kaum mehr nachzuvollziehen ist: Über die Dorf- und Bohlgasse und somit durch das Ägeritor führte einst die wichtigste Verbindung von Zug – über St.Verena und Allenwinden – ins Ägerital, daher der Name. Die heutige Ägeristrasse, welche unterhalb des Klosterhügels die Altstadt verlässt und nunmehr als Hauptachse nach Ägeri dient, ist erst 1863 angelegt worden. Dass das Ägeritor danach noch weitere 16 Jahre existierte, lässt jedoch zweifeln, ob der oben genannte Abbruchgrund wirklich zutrifft, zumal sich die Ägeristrasse von Anfang an als neue Hauptverkehrsachse behauptet haben dürfte. Tant pis; dass das einfache, aber schmucke Ägeritörli dasselbe Schicksal ereilt hat wie alle anderen historischen Stadttore, ist schade.

Übrigens taucht das Ägeritor in den Chroniken von Zurlauben und Landtwing auch als Mülitörli oder Mühle Tor auf. Dafür war eine alte Mühle massgebend, welche hier einst direkt vor der Stadtmauer existiert hatte.


Hinweis:
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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