Hingeschaut in Cham: Wo der Rabe im Kreise fliegt

Die luftige Eisenplastik im Zentrum des Chamer Rabenkreisels «mimt» die Verkehrsführung.

Andreas Faessler
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Seit dem Jahr 2000 dreht die «Rabenkrähe» im Zentrum von Cham ihre Runden. Die Zugerin Françoise Nussbaumer hat das Kunstwerk entworfen.

Seit dem Jahr 2000 dreht die «Rabenkrähe» im Zentrum von Cham ihre Runden. Die Zugerin Françoise Nussbaumer hat das Kunstwerk entworfen.

Bild: Maria Schmid (11. Dezember 2019)

Seit 1998 sorgt der «Rabenkreisel» im Chamer Dorfzentrum für einen flüssigeren Verkehr an einer der wichtigsten Kreuzungen im Dorf. Nach seiner Fertigstellung lag der Kreisel schmucklos und nüchtern da, was bald den Ruf nach einer optischen Aufwertung laut werden liess.

Kurz vor dem Millennium schrieb der Gemeinderat einen Gestaltungswettbewerb aus zwischen drei geladenen Kunstschaffenden, namentlich Barbara Jäggi aus Luzern, Romuald Etter aus Hochdorf und Françoise Nussbaumer aus Zug. Alle Entwürfe gefielen, doch entschied sich die Gemeinde für den Vorschlag von Françoise Nussbaumer. Barbara Jäggis «Kreisel im Kreisel» schien der Jury etwas zu flach für eine würdige Wahrnehmung und Romuald Etters Konzept «Kreise» wurde als etwas zu heikel für diesen Standort befunden, da es aus unterschiedlichen Materialien bestanden hätte.

Dass sich die Jury schliesslich für Françoise Nussbaumers «Rabenkrähe» entschieden hat, lag einerseits im wirtschaftlichen Aspekt der Skulptur, andererseits in ihrem direkten Bezug zum Standort und in ihrer Unaufgeregtheit, mit welcher die Verkehrsteilnehmer nicht zu stark abgelenkt würden. Letzteres war ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl. Am 30. März 2000 wurde Nussbaumers Eisenplastik mit Hilfe eines mobilen Gerüsts und eines Krans in der Kreiselmitte montiert und ihrer Bestimmung übergeben.

Abstrakt und figürlich

Das Kunstwerk «Rabenkrähe» setzt sich zusammen aus einer zentralen, etwa viereinhalb Meter hohen Stange, um die sich eine Eisenspirale windet. Sie ist mit feinen Verstrebungen an der Stange befestigt und erinnert entfernt an eine zylinderförmige Bettfeder. Am oberen Ende der Spirale ist eine im Flug sich befindende Rabenkrähe montiert. Sie trägt eine (ursprünglich) goldene Nuss im Schnabel. Die Plastik bezieht sich nicht nur über ihre Namensgebung auf den Ort, sondern lehnt sich durch den kreisförmig «nachgezeichneten» Flug des Raben auch auf die Verkehrsführung rund um sie herum an – die Richtung des Spiralverlaufs korrespondiert. Françoise Nussbaumers filigran wirkende Kreiselkunst vereint Abstraktes und Figürliches in sich: Der durch die Spirale wiedergegebene Flugverlauf steht als abstraktes Element dem voll ausgeformten Raben mit der Nuss gegenüber.

Die Eisenskulptur dient ab und an als «Ständer» für Aktionen, Interventionen und Installationen unterschiedlicher Art, sei es aus Anlass eines Protestes, einer Mahnung oder zu rein dekorativen Zwecken.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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Andreas Faessler