HINGESCHAUT: Tragt Sorge zu eurer Heimat

Das Kunstwerk eines Wallisers ist 2013 in Oberägeri verblieben und nimmt seither eine symbolische Aufgabe wahr.

Andreas Faessler
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Selbstbewusst und aufmerksam blickt die «Talwächterin» von der Grindelegg aus ins Ägerital.

Selbstbewusst und aufmerksam blickt die «Talwächterin» von der Grindelegg aus ins Ägerital.

Bild: Andreas Faessler (Oberägeri, 18. April 2020)

Ihren wachen, aufmerksamen Blick lässt sie über das weite Ägerital schweifen, als wäre sie allzeit bereit, Alarm zu schlagen, falls dem herrlichen Flecken Erde Ungemach drohen sollte. Hier auf der Grindelegg hoch über dem Ägerisee entgeht ihr nichts. Sinnig ist denn auch ihr Name: Die «Talwächterin» stammt von der Hand des Walliser Bildhauers Beat Martig. Das Kunstwerk aus Schmiedeeisen und Bronze ist im Sommer 2013 im Rahmen der Ausstellung «Nichts bleibt, wie es war» nach Oberägeri gekommen, als zwölf Kunstwerke von acht Künstlerinnen und Künstlern im ganzen Dorf verteilt aufgestellt worden sind. Zwei dieser Kunstwerke – beide von Beat Martig – hat die Gemeinde im Anschluss an die Open-Air-Ausstellung erworben. Neben «Balance» («Hingeschaut» vom 19. Oktober 2016, heute im Pärkli vor der Pfarrkirche) war dies unsere «Talwächterin», welche während der Sommerausstellung auf dem ZVB-Areal gestanden hatte.

Ursprünglich war nur der Kauf von «Balance» vorgesehen, da jedoch ein gewährter Kredit zu diesem Zwecke noch nicht aufgebraucht war, behielt die Gemeinde auch die zweite Martig-Skulptur. Und weil auf der Grindelegg unweit des Quartiers Böschi auf exakt 1000 Metern über Meer kurz zuvor eine Aussichtsplattform errichtet worden war, erachtete man diesen Standort als besonders passend für die «Talwächterin». So steht sie seither direkt unter der Plattform an der Strasse in einem eigens für sie angelegten Mauertrog und hält Wache über das ganze Tal.

Formell lässt sich das stilisierte Kunstwerk als ägyptische Pharaonin in der Gestalt eines Sitzmöbels identifizieren. Der Künstler selbst weist auf den tieferen Sinn seiner «Talwächterin» hin, indem er den antiken römischen Dichter Ovid zitiert: «Glücklich ist, wer das, was er liebt, auch wagt, mit Mut zu beschützen.» Die Botschaft liegt auf der Hand: Wer seine Heimat liebt, der trägt auch Sorge zu ihr. Und genau das ist es, was die «Talwächterin» von der Grindelegg aus stellvertretend für alle Ägerer und diejenigen, welchen dieses schöne Tal am Herzen liegt, tut.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.