Hoch hinaus fürs beste Bild

Der international bekannte Star-Fotograf Robert Bösch aus Oberägeri fotografiert Natur in aller Welt. Die Berge haben es ihm dabei besonders angetan.

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Für manche Motive legt Robert Bösch weite Wege zurück, wie hier bei einem Fotoshooting in der Eiger-Nordwand. (Bild: Robert Bösch)

Für manche Motive legt Robert Bösch weite Wege zurück, wie hier bei einem Fotoshooting in der Eiger-Nordwand. (Bild: Robert Bösch)

Einige Sujets (hier der Raten) findet Robert Bösch vor der Haustür. (Bild: Robert Bösch)

Einige Sujets (hier der Raten) findet Robert Bösch vor der Haustür. (Bild: Robert Bösch)

Der Blick auf dem Oberägerer Raten. Eine geschorene Tanne, eine Weide, deren Pfähle und Stacheldrähte sich durch eine schneebedeckte Wiese ziehen. Robert Bösch, der sich Röbi nennt, ist hier schon oft vorbeigefahren. «Oberägeri», sagt der gebürtige Schliermer, «ist für mich Heimat. Aber vor allem auch ein Ausgangspunkt, um in der ganzen Schweiz zu sein, um in die Berge zu fahren oder in die Stadt, zum Flughafen.» Dann, an einem Tag im Winter, hatte diese Szene aus Bäumen und Wiese plötzlich einen eigenartigen Zauber. Robert Bösch hielt mit seinem Auto an und packte seine Kamera. Und jetzt ist dieses Bild in Schwarz-Weiss auf dickem, glänzendem Papier im aktuellsten Buch «Moments» des international bekannten Outdoor-Fotografen gedruckt – zwischen Naturaufnahmen aus aller Welt. Viele Fotografien vom Himalaja-Gebirge sind hier zu sehen, von China, Nepal, Bilder aus den USA und zahlreiche auch aus der Schweiz. Bilder, für die Robert Bösch weite Wege zurücklegen musste, und solche, für die er eben wie beim Raten kurz aus dem Auto stieg und auf den Auslöser drückte.

Im «Geo», im «Stern», im «Spiegel»

Einen Namen gemacht hat sich der 58-jährige Oberägerer in den letzten 30 Jahren durch Bildreportagen unter anderem im «Geo»-Magazin, bei den deutschen Zeitschriften «Stern» und «Spiegel». Auch im Fernsehen war Bösch, der für seine Tätigkeit alle Kontinente und die beiden Polregionen bereiste, mehrmals zu sehen. Jüngst begleitete ihn das Schweizer Fernsehen bei einem spektakulären Fotoshooting: Bösch schoss dabei das Werbebild, das 28 Bergführer zeigt, die wie ein Stachelkreis senkrecht von einer Felsnadel abstehen. «Die Berge haben mich ein Leben lang begleitet», sagt Robert Bösch. Und das sieht man ihm an: Der Körper ist drahtig, und die kleinen Falten um die Augen, so könnte man meinen, kommen vom vielen Blinzeln in die gleissende BergsonneRobert

Ein Werbebild: 28 Bergführer an einer Felsnadel. (Bild: Robert Bösch)

Ein Werbebild: 28 Bergführer an einer Felsnadel. (Bild: Robert Bösch)

Auf einem anderen Niveau

Es waren auch die Berge, die Robert Böschs erlernten und heutigen Beruf beeinflussten. Mit 20 Jahren begann der damalige Geografie-Student mit Bergsteigen – leidenschaftlich. Und genauso leidenschaftlich begann er im Laufe der Zeit bei diesen Touren zu fotografieren. «Wir hatten grosse Ambitionen, die Touren mussten immer schwieriger sein. Natürlich ging es auch um Ruhm und Ehre», sagt er. Er bestritt einige Achttausender, war auch oft mit dem bekannten Alpinisten Ueli Steck unterwegs. «Heute wäre es vermessen zu sagen, dass ich noch Bergsteiger bin. Klar, klettere ich noch immer ausserordentlich gerne und oft, für mein Alter sicherlich auch gut. Aber das ist alles auf einem anderen Niveau.» Das Reissen aber, einen Berg zu besteigen, spezielle Touren zu machen, das spüre er noch immer. Es versteht sich also von selbst, dass das grosse Thema in Robert Böschs Fotografie immer wieder die Natur ist. «Ich war in meinem Leben einfach mehr in der Natur unterwegs als in Städten», sagt er. Kürzlich sei er aber nach Dubai gereist, was auch aus fotografischer Sicht sehr spannend gewesen sei. An die 120'000 Bilder umfasst sein Archiv, das er gemeinsam mit seiner Frau verwaltet.

«Keine Verbotszonen»

Ob die Berge aus seiner Sicht besser geschützt werden sollten vor der immer stärkeren Inbesitznahme des Menschen? «Natürlich müssen wir aufpassen, die Alpen nicht zuzubauen. Aber die Bergregionen brauchen auch Tourismus, sonst gibt es dort kein Auskommen mehr für die Einheimischen.» Man solle nur dort ausbauen, wo schon eine Infrastruktur besteht, und die anderen Gebiete schützen. Aber nicht in Form von «Verbotszonen»: «Nur noch Nationalparks auszustecken, kann nicht die Lösung sein. Die Berge sollen nicht nur zum Anschauen da sein, dort, wo ich die Wege nicht verlassen darf und alles reglementiert ist. Mit Parks erhofft man sich immer einfach mehr Bekanntheit und damit mehr Besucher. Sonst würden die Tourismusregionen diese Projekte ja nicht unterstützen.»

Trotzdem: Robert Bösch sieht sich nicht als Gesellschaftskritiker oder als Anwalt der Berge. Er ist kein Mann der markigen Aussagen. Für ihn gibt es immer ein Dazwischen, Abstufungen, Schattierungen. So ist das auch bei seinen Bildern: «Es geht mir nicht darum, die Schönheit der Natur oder die Verschandelung derselben zu zeigen oder ein Zeichen gegen die Klimaerwärmung zu setzen. Es geht mir um Bilder», schreibt er im Vorwort seines Buches «Moments». «Bilder, die sich in dem verlieren, was wir ununterbrochen von der Welt sehen.»

Stephanie Hess

Hinweis:
Eine Auswahl von Böschs Bildern wird bis Ende Januar im Restaurant Blinker, Cham, gezeigt. Eine Vortragstour führt ihn unter anderem nach Nottwil (4. März, Paraplegiker Zentrum, 19.30 Uhr) und Cham (5. März, Lorzensaal, 19.30 Uhr). Weitere Informationen unter www.robertboesch.ch

«Kein Sport»

Der 58-jährige Robert Bösch arbeitet seit 30 Jahren als freier Berufsfotograf. Er wohnt in Oberägeri, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.

Robert Bösch über.....

Bergsteigen: «Bergsteigen ist kein Sport im eigentlichen Sinne. Weil es immer gefährlich ist, weil man immer auch sein Leben aufs Spiel setzt.»

Digital – analog: «Die Umstellung war für mich hart, nahm mir aber auch Druck. Früher wusste ich nie, ob tatsächlich alles im Kasten ist. Heute kann ich das einfach auf dem Display überprüfen.»