HOCHHÄUSER: So gut sind die Zuger Wolkenkratzer

Im Augenblick lassen die «One-One»-Türme in Cham ihre Hüllen fallen. Grund genug, um die Zuger Skyline Revue passieren zu lassen.

Wolfgang Holz (text), Werner Schelbert, Stefan Kaiser (bilder)
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Zuger Hochhäuser im Vergleich (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Zuger Hochhäuser im Vergleich (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Uptown, Zug

Der Standort rechtfertigt sich mehr aus der Quersubventionierung des Eishockeystadions als auf Grund städtebaulicher Notwendigkeit. Eine öffentliche Nutzung ergibt sich durch ein Restaurant im Erdgeschoss und ein weiteres im Dachgeschoss - wo man auch als nicht zahlender Gast die Aussicht geniessen kann. Die ungewöhnliche Scheibenform wirkt in der Ferne problematisch. Die Fassade gegen Norden mit Dachfenstern als Öffnung wirkt fremd. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
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One-One, Cham

Die bestehende, ursprünglich in die freie Landschaft gebaute Alpenblick-Hochhaussiedlung wird um zwei Türme erweitert. Es gibt keine öffentliche Anbindung, da One-One für reines Wohnen gedacht ist. Auch im Inneren ist keine öffentliche Nutzung, also kein Mehrwert vorhanden. Die Türme weisen ein bescheidenes Sockelgeschoss auf. Der obere Abschluss wird nicht akzentuiert, im Gegensatz zum Projekt des Bebauungsplanes. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Park-Tower, Zug

Der Standort im Zentrum um den Bahnhof erscheint logisch. Mehrere Eigentümerwechsel haben den ursprünglichen Bebauungsplan stark verändert - unter anderem fehlt ein Turm. Die Anbindung im Erdgeschoss an den öffentlichen Raum ist noch nicht sichtbar. 
Die vertikale Gliederung in Sockel und Regelgeschosse bleibt nur bedingt sichtbar. Die stark gerasterte Fassade stiftet nur wenig Identität. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Untermüli, Zug

Zwischen Zug und Baar an der Hauptachse ist dieses Gebäude gut platziert. Laden und Restaurantnutzung im Erdgeschoss bieten öffentliche Nutzungen. Die Anbindung an den Aussenraum erfolgt über eine grosszügige, öffentliche Terrasse. Der minimalistische Turm weist ein überhohes Sockelgeschoss, Normalgeschosse und eine Turmkrone auf, in die die Haustechnik integriert ist. Als Mietobjekt ist es bis zu den Einbaumöbeln durchkomponiert. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Obstverband, Zug

Das Hochhaus steht an der urbanen Hauptachse. Das Erdgeschoss wird öffentlich genutzt, darüber sind vier Geschosse mit Büros angeordnet - der Rest besteht aus Wohnungen. Es gibt einen grosszügigen, parkähnlichen Freiraum auf der Rückseite. Insbesondere die Wohnungen werden mit überhohen Räumen zu einem differenzierten Raumgefüge komponiert. Nicht die minimalistische Form, sondern der skulpturale Körper des Turms wird gesucht. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Baar-City, Baar

Der Standort hat sich aus der gewachsenen Historie mit dem ehemaligen Getreidesilo ergeben. Eine Turmwirkung ist nur beschränkt vorhanden. Es gibt praktisch keine öffentliche Nutzung im Erdgeschoss, das Treppenhaus ist bescheiden. Das Restaurant im Dachgeschoss ermöglicht zumindest dem zahlenden Publikum ein Erlebnis. Der Baukörper ist klar gegliedert: Architektonisch eher nüchtern und nur bedingt eigenständig. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Roche-Haus, Rotkreuz

Innerhalb des Firmen-Campus präsentiert sich das Hochhaus als zentraler Bau: Diverse Annexbauten umgeben den Turm. Von weitem ist er als «Landmark» sichtbar. Das Hochhaus ist weniger städtebauliche Notwendigkeit als Markierung der Marke Roche: Rotkreuz wird quasi zur Rochestadt. Das Hochhaus wird lediglich von der Firma genutzt. Es erhält durch die Fassadengestaltung ein eigenständiges Gesicht, was der Marke hilft. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Glashof, Zug

Das erste Zuger Hochhaus steht an der Baarer- und der Gubelstrasse und markiert den Kreuzungspunkt. Das Erdgeschoss wird von Läden genutzt und ist damit an den öffentlichen Raum angebunden. Es weist eine Auskragung des Mezzaningeschosses auf, mit Arkade darunter. Das Gebäude ist schön vertikal gegliedert in Sockelgeschoss und Mezzanin - welches nicht nur den Turm, sondern das gesamte Gebäudeensemble optisch «verankert». (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Uptown, Zug

Der Standort rechtfertigt sich mehr aus der Quersubventionierung des Eishockeystadions als auf Grund städtebaulicher Notwendigkeit. Eine öffentliche Nutzung ergibt sich durch ein Restaurant im Erdgeschoss und ein weiteres im Dachgeschoss - wo man auch als nicht zahlender Gast die Aussicht geniessen kann. Die ungewöhnliche Scheibenform wirkt in der Ferne problematisch. Die Fassade gegen Norden mit Dachfenstern als Öffnung wirkt fremd.

(Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Im Jahr 1885 wurde in Chicago das erste Hochhaus der Welt gebaut. In Zug ragte 1966 der vollendete Glashof mit seinen 47 Metern Höhe als erstes Hochhaus bescheiden in den heimischen Himmel. Danach setzte auch hier der erste Hochhausboom ein – ausgelöst durch die gut gehende Konjunktur in den Sechzigerjahren. In gut anderthalb Jahrzehnten baute man im kleinen Zug sage und schreibe 20 Hochhäuser, wie Architekt Hugo Sieber in seinem Aufsatz «Der Hochhausbau im Kanton Zug» in der neuesten Ausgabe des «Zuger Neujahrsblatts» schreibt. Nach der Ölkrise 1973 setzte eine «Hochhaus-Baisse» in der ganzen Schweiz ein, und erst in den Neunzigerjahren wurden infolge der blühenden Dienstleistungsgesellschaften neue Büro- und Wohnflächen gebraucht. Im «Boom-Kanton» Zug nimmt die zweite Hochhauswelle nach der Jahrtausendwende Fahrt auf – eine Dynamik, deren Ende noch nicht absehbar ist.

Richtiger Standort ist zentral

Doch welche Qualität weisen Zugs Hochhäuser auf? Das Bauforum Zug hat exklusiv für unsere Zeitung mittels der drei Kriterien «Standort», «Anbindung an den öffentlichen Raum» und «architektonische Gestaltung» die neuesten Hochhäuser im Kanton Zug bewertet – inklusive den Klassiker, den Glashof, als, wie gesagt, erste «Landmark» in Zug.

Für Hugo Sieber, der Vorstandsmitglied des Bauforums Zug ist, verkörpert das zentrale Kriterium für die Qualität eines Hochhauses der richtige Standort. «Ein Hochhaus soll einen Ort markieren und muss sowohl aus der Nähe wie aus der Ferne eine positive Ausstrahlung erzeugen sowie in den Stadtkörper eingebunden sein.» Gute Beispiele sind für ihn die neuen Hochhäuser Untermüli und Obstverband – die ideal die urbane Achse zwischen Zug und Baar kennzeichnen.

Von «Autisten» und «Massenware»

Schlechte Beispiele verkörpern für ihn das Uptown, das im städtebaulichen Niemandsland platziert wurde. Und der Park-Tower, der zwar städtebaulich richtig stehe, jedoch wie ein «Autist» im Zentrum – ohne Bezug zur Umgebung. Zudem offeriere der Park-Tower, der mit seinen 82 Metern Höhe derzeit die Zuger Skyline dominiert und «unbestreitbar über eine eigene Präsenz verfügt», so Sieber, kaum mehr öffentlichen Raum als «ein verbreitertes Trottoir». Ganz zu schweigen vom absurden, öffentlichen «Dachstübli». «Viel wichtiger ist, dass das Erdgeschoss gut genutzt werden kann – denn dies ist die Ebene, mit der die Menschen täglich auf Augenhöhe konfrontiert werden.»

Daher bleibt es für Sieber wichtig, dass in Zug künftig mehr Qualitätssicherung bei der Umsetzung von Wettbewerbsprojekten betrieben wird. Es seien in Zug teils ausserordentlich gute Hochhäuser entstanden, aber auch viel Massenware. Sagts und kritisiert, dass Bauverwaltungen in Zug Investoren oft zu wenig Paroli bieten. Sieber: «Ein gutes Hochhaus muss nicht den Clown machen, aber es muss sich in den Stadtkörper einfügen.»