In Steinhausen soll es Hochstämmer statt Häuser geben

Ein über 2700 Quadratmeter grosses Areal im Ortszentrum mutet wie prädestiniert für eine weitere Überbauung an. Die Kirchgemeinde widersteht jedoch der finanziellen Versuchung.

Raphael Biermayr
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Die katholische Kirchgemeinde plant auf diesem Grundstück einen Begegnungsgarten. (Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 16. März 2019))

Die katholische Kirchgemeinde plant auf diesem Grundstück einen Begegnungsgarten. (Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 16. März 2019))

Die katholische Kirchgemeinde hat einen sogenannten Begegnungsgarten an zentraler Lage, gleich gegenüber des Gemeindezentrums Dreiklang, geplant. Dieser Garten hält auf 2736 Quadratmetern einiges bereit: einen Bereich für Wildbienen, ein Kräuterlabyrinth mit gegen 1000 Pflanzungen, eine Wildblumenwiese, einen Spielbereich für Kinder sowie einen Bereich, der für «Urban Gardening» reserviert ist. Hinter diesem Begriff steckt die Möglichkeit, selbst Kulturen anzupflanzen. Das soll «für Familien, Schulklassen und Einzelpersonen» möglich sein, geht aus den Projektunterlagen hervor, die gegenwärtig bei der Einwohnerkontrolle aufliegen. Die in diesem Garten geplanten Hochstamm-Obstbäume und Sträucher sollen allesamt einheimische Arten sein und bedrohten Tierarten einen Lebensraum bieten.

Das (spirituelle) Herzstück bildet die sogenannte Begegnungszone, wo beispielsweise Taufen stattfinden oder auch Lektionen im Religionsunterricht abgehalten werden können. Dem Motiv des Gartens kommt in der Bibel eine grosse Bedeutung zu: Von Adam und Eva im Garten Eden bis hin zum Garten Gethsemane, wo Jesus von Judas an die Römer verraten wird.

Ein Pflegezentrum kam nicht zustande

Das Vorhaben der katholischen Kirche ist erstaunlich, nimmt man die Tatsache, dass dieses zentral gelegene Grundstück wohl äusserst gewinnbringend überbaut respektive verkauft werden könnte. Es liegt in der Kernzone A, ist aber nicht Teil eines Bebauungsplans. Vor einigen Jahren existierten Pläne, dort ein Pflegezentrum zu errichten. Weil Steinhausen aber keine zusätzlichen Pflegeplätze zugesprochen erhielt, zerschlugen sie sich. «Irgendwann, vielleicht in zehn bis zwanzig Jahren, wird das Land überbaut sein», vermutet Kirchenratspräsidentin Marlen Schärer. Bis dahin lohne sich die Nutzung als Begegnungsgarten aber allemal – auch wenn dies mit einem hohen Betrag zu Buche schlagen wird. Die Kirchgemeindeversammlung im vergangenen November sprach einen Kredit von 162000 Franken.

«Wir wollen der Steinhauser Bevölkerung etwas bieten, und können an dieser Stelle gleichzeitig unsere Kirche präsentieren, das ist eine einmalige Chance», sagt Schärer. Die Einwohner sollen nicht nur beobachten, was der vom Kirchenrat beauftragte Gartenbauer Thomas Uebelhart aus Oberägeri machen wird: Sie sollen sich beteiligen. «Thomas Uebelhart ist bereit, den Garten in Zusammenarbeit mit interessierten Personen anzulegen», führt die Kirchenratspräsidentin aus.

Sofern keine Einsprachen eingehen, wird Anfang April mit den Arbeiten begonnen, diese sollen bis Anfang Juli abgeschlossen sein. Voraussichtlich im September will die Kirche den Garten mittels eines Gottesdiensts unter freiem Himmel einsegnen. An diesem Ort voller Symbolik wird auch dieser Akt eine übertragene Bedeutung haben: «Man soll sehen, dass die Kirche nicht nur innerhalb von Mauern stattfindet, sondern vielmehr in Begegnungen von Menschen überall», erklärt Marlen Schärer.