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HOCKEY: Ein Zuger Star, der alles andere als ein Star sein will

Heute Abend startet der EVZ gegen Davos in den Playoffs – Zugs stärkste Waffe steht im Tor.
Marco Morosoli und Luc Müller
Agiert sowohl beim Blumen­giessen zu Hause als auch als Goalie des EVZ mit ruhiger Hand: Tobias Stephan. (Bild Stefan Kaiser)

Agiert sowohl beim Blumen­giessen zu Hause als auch als Goalie des EVZ mit ruhiger Hand: Tobias Stephan. (Bild Stefan Kaiser)

Marco Morosoli und Luc Müller

Im Vorgarten liegen noch ein paar Konfetti – vom Fasnachtsumzug der «Letzibuzäli», die im Herti ihre Heimat haben. «Als der grosse Umzug stattfand, wollte ich eigentlich meinen Mittagsschlaf halten. Wie ich es vor einem Spiel immer mache – das gehört zu meinem Vorbereitungsritual. Doch ich konnte nicht einschlafen», sagt der EVZ-Goalie Tobias Stephan (31) mit einem Lächeln.

Er sitzt zu Hause am massiven Esstisch. Schnell ist klar: Bei der Einrichtung des zweistöckigen Bungalows, das unweit vom Herti-Schulhaus liegt, war eine weibliche Hand federführend. «Die Wohnung haben wir selber über ein Inserat gesehen. Meine Freundin Melanie hat zuerst hier schon mal alles eingerichtet, ich bin dann im Sommer von Genf hierher gezogen.» Das Paar kennt sich schon seit rund vier Jahren: Gefunkt hat es im Ausgang in Zürich. Im Sommer werden sie nun den Bund fürs Leben schliessen. Die Hochzeit findet in Vitznau statt, den Antrag hat Tobias Stephan seiner Melanie (29) in seiner Lieblingsstadt London gemacht. «Ich kann mir durchaus vorstellen, Kinder zu haben, auch wenn ich noch Hockeyprofi bin. Meine Frau müsste sich an den Match-Tagen um den Nachwuchs kümmern.»

Ein Mann mit ruhiger Art

Im Hintergrund hat sich Kater Balu genüsslich im Wohnzimmer hingelegt – Wohlfühlatmosphäre pur. «Ich bin sehr gerne hier in der Region. Die Eltern meiner Freundin haben auf dem Ägerisee ein Boot und dort auf dem Camping seit Jahren einen Platz», sagt der EVZ-Torhüter. Zudem lebt eine Cousine von ihm hier in Zug. Während seines Engagements für Servette von 2009 bis 2014 lebte er mitten in der Stadt. «Das war toll, aber eigentlich bin ich ein Landtyp», berichtet er in seiner ruhigen Art. Auch auf dem Eis ist er kein Mann, der das Rampenlicht sucht – und Egoismus liegt ihm fern: «Ich bin kein Einzelsportler, ich habe einfach eine spezielle Position. Auf dem Eis falte ich keinen zusammen, das gehört sich nicht.» Wie eine gute Mannschaft nicht ohne guten Goalie bestehen könne, sei ein Goalie ohne gutes Team nichts wert.

Mit seinen überragenden Leistungen hat der gebürtige Klotener die Zeiten der Zuger «Lottergoalies», welche die EVZ-Supporter in der vergangenen Spielzeit in eine temporäre Depression stürzten, auf einen Schlag beendet. Schon vor der Saison galt er als Königstransfer des EVZ, nun hat er seine Leistungen konstant auf höchstem Niveau (Fangquote in den bisherigen 50 Qualifikationsspielen: 92,44 Prozent) abgerufen. Zentral sei für ihn die Erholung: «Diese Phase wird bei mir immer länger. Ich bin ja nicht mehr so jung», berichtet der 31-Jährige. Er habe mittlerweile gelernt auf die Signale seines Körper zu hören: «Ich weiss nun, wenn ein zusätzliches Training nichts mehr bringt.» Auch im mentalen Bereich arbeitet der 1,93-Meter-grosse und 88 Kilogramm schwere Vorzeigeathlet. «Wobei es in dieser Saison vor allem unser Masseur war, der mit dem Team auch mental gearbeitet hat. Wir haben Ziele definiert und festgelegt, wie wir diese gemeinsam erreichen.»

Erfahrungen in der NHL gesammelt

Viel hat Tobias Stephan auch von seiner Zeit in der National-Hockey-League (NHL) profitiert, wo er bei den Dallas Stars das Tor hütete. «Ich konnte mit den weltbesten Spielern trainieren.»

Stephan bittet in den Keller seines Domizils. Hier steht neben einem Billardtisch, an dem er mit seiner zukünftigen Frau ab und zu mal eine Partie austrägt, ein Trophäenschrank. Darin bewahrt er unter anderem die Torwartmaske auf, die er in Dallas getragen hat. Daneben hängt an der Wand das eingerahmte Matchblatt seines ersten NHL-Spiels. Zudem sind einige von Genfer Fans gezeichnete Porträts zu sehen. «In der Westschweiz wurde ich auf der Strasse schon öfters mal erkannt und angesprochen. In Zug kann ich unerkannt durch die Stadt gehen – aber schliesslich habe ich im Spiel immer eine Maske auf, weshalb mein Gesicht nicht so bekannt ist», witzelt er. Im Keller ist auch eine Golfausrüstung zu sehen. «Ich bin kein grosser Golfer, aber so zweimal im Monat stehe ich schon auf dem Platz.»

Berufsmatura als privates Ziel

Nun startet der EVZ heute Abend mit einem Heimspiel gegen den HC Davos in die Playoff-Serie. Alle zwei Tage wird nun ein Spiel anstehen – wenn alles optimal läuft, dauert die Saison noch rund fünf bis sechs Wochen.

Um zu entspannen, liest Tobias Stephan gerne: aktuell Bernhard Schlinks «Der Vorleser». Doch auch in Sachen Weiterbildung greift er zu den Büchern: Bevor Stephan Hockeyprofi wurde, hat er das KV gemacht. Nun besucht er in Zug zweimal in der Woche die Berufsmaturitätsschule, die er im Sommer 2016 abschliessen will. «Nach der Karriere kann ich mir vorstellen, in einem Büro zu arbeiten.» Zum Glück will er aber zuvor noch einige Jahre auf dem Eis stehen.

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