Interview

Höchster Zuger Apotheker zum Corona-Virus im Kanton Zug: «Es wird nur eine Minderheit betreffen»

Der Präsident des Vereins der Zuger Apotheken Martin Affentranger äussert sich zum Corona-Virus im Zusammenhang mit dem Kanton Zug.

Raphael Biermayr
Hören
Drucken
Teilen
Martin Affentranger.

Martin Affentranger.

Bild: PD

Martin Affentranger (43) und seine Kollegen haben in den letzten Tagen besonders viel zu tun. Der Inhaber der Anklin Apotheke in Cham und Präsident des Vereins der Zuger Apotheken spricht von unzähligen Anrufen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Die meisten betreffen die Nachfrage nach Schutzmasken. Affentranger rät dazu, kühlen Kopf zu bewahren.

Sind Schutzmasken in den Zuger Apotheken derzeit Mangelware?

Ich kann nur für uns sprechen. Seit zwei Wochen wenden wir bis zu einer Stunde pro Tag auf, nur um bei Galaxus und anderen Anbietern Masken zu suchen. Unser Grossist ist ausverkauft.

Was soll jemand tun, der keine Maske erhält?

Nach den weissen Schutzmasken zu verlangen, ergibt momentan keinen Sinn. Diese sind in erster Linie dem Gesundheitswesen vorbehalten, also etwa Pflegekräften. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die gleichen Hygienemassnahmen wie bei der normalen Grippe. Man soll in den Ellbogen husten und sich nicht ins Gesicht fassen, nachdem man beispielsweise einen Türgriff angefasst hat. Wer aber hustet, kann eine chirurgische Maske tragen, wie man sie vom Zahnarzt kennt. So steckt man keine anderen Personen an.

Wo bekommt man eine solche Maske?

Die Fachleute des Kantons beobachten die Situation und würden Masken verteilen, sobald das nötig wäre. Ausserdem kann man im Keller nachschauen, ob man von der Schweinegrippe her noch welche hat. Damals hat übrigens kaum jemand die Maske getragen, obwohl der Übertragungsweg derselbe ist wie beim Corona-Virus – über Tröpfchen.

«Wer sich krank fühlt, sollte sowieso Menschenansammlungen wie die Fasnacht oder EVZ-Spiele meiden.»

Welche Symptome können auf eine Ansteckung mit dem Corona-Virus hindeuten?

Normale Erkältungssymptome wie Fieber, Husten und Schnupfen. Wer diese aufweist, soll sich zunächst telefonisch beim Arzt melden und nicht direkt in die Praxis oder in den Notfall im Spital gehen.

Sie erwähnten, dass man sich nicht ins Gesicht fassen soll. Das ist oftmals eine unbewusste Handlung und damit kaum zu steuern.

Auch der Bundesrat Alain Berset hat während der Pressekonferenz zum Thema Corona-Virus in die Hand gehustet und sich danach mehrmals an die Nase gefasst. Das sollte man gerade nicht tun, ist aber natürlich, besonders in Stresssituationen. Denn ein Griff ins Gesicht gibt Sicherheit. Wir haben aber noch etwas Zeit, das richtige Verhalten einzuüben.

Rechnen Sie denn mit einer Erkrankungswelle in Zug?

Wir befinden uns im hier Kanton auf einem engen Raum. Allerdings muss man schon sehen, dass die Fallzahlen selbst in den riesigen Städten Chinas verhältnismässig gering sind. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der halbe Kanton Zug erkranken wird, sondern es wird nur eine Minderheit betreffen. Die Betroffenen sollen einfach isoliert werden, bei mildem Verlauf können sie also auch zu Hause bleiben. Und wer sich krank fühlt, sollte sowieso Menschenansammlungen wie die Fasnacht oder EVZ-Spiele meiden.

Irrtum: Kinder muss man besonders schützen – 12 Richtigstellungen zum Corona-Virus

Noch schneller als sich das Corona-Virus ausbreitet, machen Gerüchte und Fake News über die Krankheit die Runde. Abstruse Geschichten über Viruswolken und infizierte Katzen kursieren. Die WHO spricht von einer «Infodemie». Vor allem auf Twitter und Facebook sollen bis zu 95 Prozent der Beiträge zum Thema Corona-Virus Falschinformationen enthalten. An dieser Stelle darum 12 Richtigstellungen in Sachen #covid19.
Katja Fischer, Niklaus Salzmann, Christoph Bopp, Sabine Kuster