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Leserbrief

Hoffnung ist der Ernüchterung gewichen

«Jubelschreie und eine Schrecksekunde», Ausgabe vom 22. Juni

Der Besuch von Papst Franziskus in Genf ist passé. Die römisch-katholische Kirche ist nach wie vor nicht Mitglied des ökumenischen Weltkirchenrats. Wer diesbezüglich grössere Erwartungen hegte, hatte wohl nicht mit dem gerechnet, was ich im Folgenden kurz schildern möchte:

Der römische Bischof mit seiner geistlichen Machtfülle stellt wohl die stärkste Differenz zum Amtsverständnis der reformatorischen Kirchen dar. Das I. Vatikanische Konzil (1870) schrieb dem Papst in «Glaubens- und Sittenfragen» höchste Rechtsprechungsvollmacht und Unfehlbarkeit zu. Daran hat auch das Vatikanum II nichts geändert. Im Vatikanum I erreichte eine papalistische Strömung ihren Höhepunkt, die schon im frühen Mittelalter eingesetzt hatte. Ein Beispiel ist der berühmte «Dictatus Papae» von Papst Gregor VII. im Jahre 1075. Als höchste Autorität der Christenheit soll der Papst auch über Kaiser und Könige (die «weltlichen Mächte») gestellt sein. Über dem Papst steht nur Gott.Hier soll aber daran erinnert werden, dass in der mittelalterlichen Christenheit auch eine andere Strömung lebte: der Konziliarismus. Kurz erläutert: Der Konziliarismus stellt die Vollversammlung der Bischöfe über den Papst – höchste und letzte Lehrautorität erhält also das Konzil und nicht der Papst.

Von 1414 bis 1418 tagte das Konzil von Konstanz. Angestossen durch den deutschen König Sigismund sollte in dieser Versammlung der unselige Zustand dreier (!) Gegenpäpste überwunden werden. Tatsächlich wurde dann mit der Wahl Martin V. dieses Schisma beseitigt. Zugleich hielt das Konzil im Dekret «Haec sancta» unmissverständlich fest, dass auch der Papst dem Konzil unterstellt sei. Dieses Dekret wurde zwar nie widerrufen, doch die papalistische Strömung gewann schlussendlich die Oberhand.

Ich erinnere mich, als junger Student in den Jahren des Vatikanum II (1962 bis 1965) grosse Hoffnung in einen Wandel des römisch-katholischen Amtsverständnisses gesetzt zu haben. Die Hoffnung ist der Ernüchterung gewichen.

Immerhin zeigt gerade auch Papst Franziskus, dass es, laut Professor Vorholt, Uni Luzern,«sachgerechter ist, eher vom Petrusdienst als vom Petrusamt zu sprechen». Der interessierte Leser vergleiche dazu auch die zwei Stellen im Neuen Testament: Matthäus 16, 18 – 19 und 18,18. «Binde- und Lösevollmacht» wird Petrus, aber auch dem engeren Jüngerkreis Jesu zugesprochen.

Und noch eins: Die Fernsehbilder von begeistert den Papst feiernden Menschen sollten uns nicht täuschen. Der gesamtgesellschaftliche Mainstream in der Schweiz und in Westeuropa kümmert sich kaum um katholisch-kirchliche Themen (Missbrauchsfälle ausgenommen) oder um Ökumene. Die modernen Götzen von Social Media und materialistischem Körper- und Konsumkult prägen Mehrheiten; gläubige Christen des katholischen oder reformatorischen Weges finden sich wieder als «kleine Herde». Vielleicht ähnlich den Anfängen des Christentums?

Arnold Frei, Hagendorn

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