HOLZHÄUSERN: Ein besonderes Clubhaus

Wo heute die Golfer vom Ennetsee residieren, wurde einst Wäsche gemacht und Schnaps gebrannt.

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Sicher eines der schönsten Clubhäuser weit und breit: das um 1800 erbaute Wasch- und Brennhaus auf dem Katharinenhof in Holzhäusern. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Sicher eines der schönsten Clubhäuser weit und breit: das um 1800 erbaute Wasch- und Brennhaus auf dem Katharinenhof in Holzhäusern. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Sucht man im Internet nach «Clubhaus», so werden hauptsächlich Bilder angezeigt von Gebäuden, die in etwa so aussehen, wie man sich ein Clubhaus halt so vorstellt: recht einfache, barackenartige Hütten, die lediglich dem Zweck dienen. Klar, Golfclubs hingegen warten tendenziell eher mit Vereinsresidenzen auf, die auch einer gewissen Repräsentation dienen. Aber welcher Golfclub ist schon in einem historischen, denkmalgeschützten Juwel aus dem Jahre 1800 zu Hause? Abgesehen von einigen Elitevereinen Grossbritanniens vielleicht.

Als 1995 der Golfpark in Holzhäusern erbaut und eröffnet wurde, war bereits im Vorfeld entschieden worden, dass das zum Landgut Katharinenhof gehörende Wasch- und Brennhaus Domizil des 1994 gegründeten Golfclubs Ennetsee werden sollte. Besonders in der Zentralschweiz waren/sind solche Ökonomiegebäude als Teil eines Gehöfts weit verbreitet. Wie es der Name sagt, wurden sie meist verwendet, um die Wäsche zu machen und Alkohol zu brennen. Das zum Zeitpunkt der Clubgründung fast 200-jährige Gebäude befand sich jedoch in einem desolaten Zustand, worauf man die ersten Mitgliederbeiträge hauptsächlich in dessen Sanierung investierte. Am 14. November 1994 wurde beschlossen, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird, um über klare Vorgaben für die bevorstehende Restaurierung zu verfügen. Diese waren streng, dennoch erstrahlte das schmucke Haus im August 1995 in neuem Glanz. Als ausführender Architekt zeichnete Eduard Flückiger aus Meggen verantwortlich. Die Kellermauern erwiesen sich als so feucht, dass diese mit Hilfe von Sickerleitungen trockengelegt werden mussten. Die Deckenkonstruktionen der oberen Geschosse indes waren laut Befund zu wenig tragfähig für künftige Belastungen durch die neue Nutzung. So musste jeweils ein zusätzlicher Balken eingezogen werden. Nicht erhalten werden konnten die beiden Eingangstüren, die Fensterläden, die Bretterböden der Obergeschosse und der Plattenboden im Erdgeschoss sowie die alte Holztreppe. Alles wurde jedoch gemäss der Originale rekonstruiert. 1999/2000 wurden am Haus einige Anpassungen vorgenommen.

Auch wenn die Epoche des Barock und des Rokoko in der Schweiz mancherorts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauerte, ist unser Wasch- und Brennhaus klassizistisch gegliedert, sprich mit strengen, klaren Linien und Formgebungen. Es handelt sich um einen Massivbau aus verputzten Bruchsteinwänden, der sich in erhöhter Lage an die dortige Geländekuppe anpasst. Somit gibt es sowohl im Erd- als auch im Kellergeschoss je einen Eingang. Besonders charakteristisch sind das Krüppelwalmdach und die giebelseitigen Klebdächer. Letztere verleihen dem einstigen Ökonomiegebäude einen ländlichen Touch. Die gelbliche Ecksteinquaderung ist aufgemalt, entspricht aber dem ursprünglichen Zustand.

Andreas Fässler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.