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HOSPIZ ZUG: Sie begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg

Gabriela Rüegg ist dabei, wenn Menschen sterben. Dabei erlebt sie viel Intimes. Heute berichtet sie von ihren Erfahrungen.
Samantha Taylor
Gabriela Rüegg in der Stadt- und Kantonsbibliothek Zug. Bild: Stefan Kaiser (23. März 2017)

Gabriela Rüegg in der Stadt- und Kantonsbibliothek Zug. Bild: Stefan Kaiser (23. März 2017)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

«Sterben ist nie leicht», sagt Gabriela Rüegg. «Es ist verbunden mit Schmerz, Verlust und Angst – für die Angehörigen, aber auch für den Menschen, der geht.» Darum, so ist Rüegg überzeugt, wird das Thema in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt – möglichst weit weg vom Leben. «Wir wollen das Leben geniessen, wollen ewig aktiv, gesund und jung sein. Das gilt auch für mich, auch ich will nicht sterben», sagt die 54-Jährige. «Aber das ist nun mal nicht die Realität.»

Darum drängt die Steinhauserin das Sterben nicht an den Rand. Sie hat dem Tod einen Platz in ihrem Leben eingeräumt. Neben ihrem Beruf als Direktionsassistentin bei der kantonalen Finanzdirektion engagiert sie sich seit vier Jahren freiwillig als Sterbebegleiterin für den Verein Hospiz Zug. Auslöser für das Engagement war der Tod ihrer Mutter, die sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern bis zum Schluss begleitet hat. «Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich nicht mit dem Sterben befasst. Nach diesem Erlebnis war es mir aber wichtig, das Thema mehr in mein Leben zu integrieren.» Heute berichtet Rüegg im Rahmen des Anlasses «Living Library» in der Stadt- und Kantonsbibliothek Zug von ihren Erfahrungen (siehe Box).

Wenn das Leben auslöscht

Ihre Einsätze leistet Gabriela ­Rüegg nachts. Dann sitzt sie ab 22 Uhr bis in die frühen Morgenstunden am Bett eines Sterbenden, hält hin und wieder dessen Hand, singt, betet oder lauscht seinem Atem und versucht eine Verbindung zu diesem Menschen herzustellen. «Manchmal ist das beschwerlich. Dann sitze ich da und höre das Rasseln, den schweren Atem, den Kampf, den jemand austrägt, und ich kann nichts machen, ich kann einfach nur da sein.» Der Weg, den ein Sterbender gehe, sei sehr individuell. «Jedes Sterben ist anders. Das Einzige, was sich sagen lässt: Es stirbt sich nicht so schnell.» Denn der Weg sei nicht leicht zu gehen. Nicht zuletzt, weil ein Sterbender alles zurücklassen müsse. «Die Liebsten, die Heimat, die Erinnerungen und dann, ganz am Schluss, sogar noch den eigenen Körper.»

Gabriela Rüegg versucht jeweils, diesen Prozess bewusst mitzuverfolgen, hinzuschauen und sich das Sterben anzusehen. Um sich mit dem Tod zu befassen, «der uns einst alle ereilen wird». Und obwohl sie schon viele Sterbende begleitet hat – wie viele es waren, weiss sie nicht – ist das Ende für sie noch immer etwas Abstraktes. «Ich weiss, irgendwann werde ich mal daliegen. Trotzdem kann ich mir das heute nicht vorstellen, und es macht mir manchmal auch Angst.» Gleichzeitig hat die Mutter eines erwachsenen Sohnes ein «Gottvertrauen, dass es gut kommt». Sie sei zwar nicht sonderlich religiös. «Ich glaube an etwas Höheres, sonst könnte ich diese Begleitungen wohl nicht machen.»

Ihre Erfahrungen bestärken sie in diesem Glauben. «Dieser Moment, in dem das Leben auslöscht, beseelt einen. Ich habe dann immer das Gefühl: Jetzt ist es geschafft, jetzt ist alles gut», erzählt sie. Es sei für sie eine Ehre, in diesem intimen Moment dabei sein zu dürfen. «Es ist ein heiliger Moment.» Sie weint deshalb auch nicht, wenn ein Mensch, den sie begleitet hat, stirbt. «Natürlich ist es traurig, und ich versuche, den Angehörigen Trost zu spenden. Aber ich bin meist glücklich, dass sich dieser Geist aus dem schmerzenden Körper befreien konnte.»

Den Weg mit der Familie gehen

Gabriela Rüegg wirkt nicht morbid oder schwermütig. Im Gegenteil, sie wirkt sehr lebensfroh, strahlt und lacht viel. Ihre Kleidung ist bunt. Sie wirkt frisch. «Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben, mit meiner Familie, meiner Arbeit, und ich bin gesund.» Die Konfrontation mit dem Tod stimme sie auch nicht traurig oder lasse das Leben gar banal erscheinen. «Ich würde sogar sagen, dass mich mein Engagement noch mehr ins Leben bringt.» Dass solche Aussagen für viele seltsam klingen oder dass sich viele nicht mit dem Thema des Sterbens befassen möchten, ist Rüegg bewusst. «Auch mein Mann und mein Sohn können nicht immer nachvollziehen, weshalb ich das mache. Auch sie schieben das Thema manchmal lieber weg.» Das sei auch okay. «Jeder muss für sich entscheiden, wie er damit umgehen möchte.»

Wie sie selbst das Ende erleben möchte, darüber hat sich Gabriela Rüegg schon viele Gedanken gemacht. Auf gar keinen Fall wolle sie allein sterben. «Wenn ich daran denke, dass es Menschen gibt, die sterben, ohne dass jemand bei diesem schwierigen Schritt bei ihnen ist, macht mich das unsagbar traurig.» Sie hofft, diesen Weg des Abschieds irgendwann mit ihren Lieben gehen zu können. Und sie wolle loslassen können. «Das sage ich jetzt, aber wer weiss, wenn es dann so weit ist, hänge ich vielleicht mit jeder Faser meines Seins am Leben.»

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