HÜNENBERG: Dem Wirteehepaar Gerber fällt der Abschied nicht leicht

Das Wirteehepaar Rösli und Werner Gerber wird auf Ende Jahr den Landgasthof Bützen verlassen. Bis dahin steht jedoch noch einiges an Arbeit an.

Monika Wegmann
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Räumen die nostalgische Gaststube: Werner und Rösli Gerber mit Sohn Florian Gerber.Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 21. Dezember 2016)

Räumen die nostalgische Gaststube: Werner und Rösli Gerber mit Sohn Florian Gerber.Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 21. Dezember 2016)

Auf dem Schild vor dem Eingang steht mit Kreide geschrieben: «Heute Ruhetag.» Doch in der Gaststube des «Bützen» herrscht keine Ruhe. Dort stehen stapelweise Teller und alle Varianten von Gläsern, Schachteln mit Besteck, Pfannen sowie Berge von Tischwäsche bereit, um von Küchenchef Florian Gerber, dem Sohn der Wirtsleute, in Kisten gepackt zu werden. Als er den erstaunten Blick sieht, hält er einen Moment inne und sagt: «Ja, es ist sehr viel, aber wir konnten bis zu 300 Gäste bewirten.»

Es ist ein wehmütiger Blick, den Werner Gerber (66) durch die nostalgische Gaststube schweifen lässt: «Das war unser Grundstock. Da steckt ein Haufen Geld drin.» Man spürt, dass dem Wirt und seiner Frau Rösli (68) der Abschied aus dem historischen Landgasthaus, das über die Region hinaus wegen der Storchenstation des nebenan wohnenden Liegenschaftsbesitzers Willy Huwyler bekannt ist, schwerfällt. Denn Restaurant und Küche müssen bis Ende Monat geräumt und geputzt werden, nur das Mobiliar bleibt. Beim öffentlichen Liquidationsverkauf sei nicht so viel weggegangen. «Kollegen von mir haben sich am meisten für die grossen Pfannen interessiert», hat Werner Gerber festgestellt.

Gehobene Kulinarik von Grund auf gelernt

Beide Wirtsleute berichten nun begeistert über die vergangenen sieben Jahre im «Bützen» und ihre langjährige Tätigkeit in der Gastronomie, die ihnen keineswegs verleidet ist – im Gegenteil. «Es sind gesundheitliche Gründe, die zum Entscheid der Auf­gabe der Wirtetätigkeit geführt haben», sagt Rösli Gerber mit grossem Bedauern.

Sobald man nämlich auf das Wirten zu sprechen kommt, leuchten die Augen der beiden auf, und sie sprudeln los. «Inzwischen wirten wir seit 43 Jahren selbstständig, vorher sind wir das Leiterli hinaufgestiegen», sagt Werner Gerber schmunzelnd. Kennen gelernt hätten sie sich im Parkhotel Wengen: Sie war in der Rezeption, er in der Küche tätig, um die Geheimnisse der gehobenen Kulinarik kennen zu lernen. Vor dem «Bützen» wirtete das Ehepaar 32 Jahre im «Rebstock» in Muri. Als das Restaurant verkauft wurde, hörten die beiden vom «Bützen», und weil der nicht weit entfernt lag, hätten sie zugesagt. «Viele unserer Gäste aus Muri sind hierher gekommen, aber auch Zuger und Zürcher», sagt Werner Gerber. Als Gildekoch einer gutbürgerlichen Küche sei ihm die Verwendung regionaler Produkte wie Gemüse, Eier und Fleisch stets wichtig gewesen: «Beim Fleisch konnte ich bei jedem Stück sagen, woher das Tier kam.» Vor allem die Spezialitätenwochen mit Spargel, Stockfischen, Wild und Zuger Rötel seien gut angekommen. An fünf Tagen hatte der «Bützen» von 9 Uhr bis Feierabend geöffnet. «Bis niemand mehr da war», sagt Werner Gerber und grinst. Es waren lange Tage, und trotzdem hätten sie den «Chrampf» gerne gemacht – eben mit Leib und Seele. Er sei mit Leidenschaft Koch gewesen, während seine Frau mit gutem Gespür und Menschenkenntnis die Gäste betreut habe. Mit Stolz ergänzt Werner Gerber: «Wir haben jede Menge Lehrlinge für Service und Küche ausgebildet, in Muri 80, hier 4. Einige sind auf der ganzen Welt in der Gastronomie tätig. Mit einigen ehemaligen Angestellten stehen wir immer noch in Kontakt.» Wichtig ist ihm ausserdem: «Ein Gast war für uns nicht nur Gast, sondern ein Freund. Wir hatten es oft schön, auch mit unseren Nachbarn hier. Sie haben uns ins Herz geschlossen – und wir sie.»

Zuerst einmal «abefahre»

Alles, was jetzt nicht verkauft werden kann, muss die Familie einpacken und in das Haus nach Oberlunkhofen zügeln, wo Gerbers künftig wohnen werden. Auf die Frage nach weiteren Plänen müssen beide lachen. «Wir haben vier Enkelkinder, aber nehmen jetzt alles vorzu. Zuerst einmal müssen wir ‹abefahre›, und wir lassen uns nicht verplanen», sagt Rösli Gerber und betont: «Wir haben es hier in der Natur der Region so schön. Man muss einfach zufrieden sein mit dem, was man hat.»

Darüber, wie es im «Bützen» weitergeht, ist gemäss Informationen des Ehepaars zurzeit nichts bekannt.

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch