HÜNENBERG: Der Konflikt um den Ersatz des Asylzentrums schwelt weiter

Die Gegner des neuen Asylzentrums im Bösch äussern sich erstmals öffentlich – und erheben Vorwürfe an den Gemeinderat. Dieser relativiert und erklärt, weshalb die Baubewilligung erteilt wurde.

Rahel Hug
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Dieses Gebäude muss für den Neubau der Asylungerkunft im Bösch in Hünenberg abgerissen werden. (Bild: Werner Schelbert / Zuger Zeitung (Hünenberg, 21. September 2016))

Dieses Gebäude muss für den Neubau der Asylungerkunft im Bösch in Hünenberg abgerissen werden. (Bild: Werner Schelbert / Zuger Zeitung (Hünenberg, 21. September 2016))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Die Asylunterkunft im Bösch ist in einem sehr schlechten Zustand. Der Gemeinderat will die baufällige Baracke deshalb ersetzen, auch mit dem Ziel, zusätz­liche Plätze zu schaffen. Im letzten Herbst lag das Baugesuch auf – doch die Arbeiten haben bis jetzt nicht begonnen. Der Grund liegt bei den Einsprachen, die das Projekt lange Zeit blockierten.

Nun ist Bewegung in die Sache gekommen – und die Nachbarn, die die Einsprachen eingereicht haben, nehmen erstmals Stellung. Wie aus einer Mitteilung der IG Bösch-Rothus hervorgeht, liegt inzwischen die Baubewilligung vor. Die einzelnen Einsprecher, die anonym bleiben möchten, üben in ihrer Stellungnahme Kritik am Gemeinderat. «Grundsätzlich sind die Einsprecher nicht gegen eine Asylunterkunft im Bösch», heisst es. Sie seien jedoch nach der Annahme des Baukredits an der Gemeindeversammlung Ende 2015 «nur schriftlich kontaktiert und vor festgelegte Tatsachen gestellt» worden.

Einsprecher bemängeln Formfehler

Den Einsprechern stossen mehrere Punkte sauer auf. Nach einem Infoabend mit den Eigentümern im Umkreis der Asylunterkunft hätten die Einsprecher der Gemeinde einen Projektvorschlag zur Unterkunft unterbreitet, wie sie diese akzeptieren würden. «Auf diesen Vorschlag ist die Gemeinde in keiner Weise ein­gegangen», schreiben sie. Auch habe die Gemeinde mit den direktbetroffenen Nachbarn nie Kontakt aufgenommen, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Die Anwohner bemängeln, das Baugesuch weise diverse Formfehler auf. «Die Gemeinde möchte in der Arbeitszone Bösch einen Wohnbau erstellen, welchen sie als Zweckbau benennt.» Sie halte sich aber nicht an die Auflagen und die Vorschriften der Bauordnung, zum Beispiel was die Sicherheit bezüglich der Ein- und der Ausfahrt zu den Parkplätzen betreffe. Auch zur künftigen Belegung äussert sich die IG skeptisch. Anstatt 28, wie es an der Gemeindeversammlung vorgeschlagen worden sei, seien plötzlich 35 bis 50 Plätze geplant worden. Auf den Wunsch der Einsprecher, dass keine abgewiesenen Asylsuchenden in der neuen Unterkunft untergebracht werden, sei man seitens des Kantons und der Gemeinde nie eingegangen.

Kaum Spielraum auf der Parzelle

Die Hünenberger Sozialvorsteherin Käty Hofer nimmt Stellung zu den Vorwürfen. Sie bestätigt, dass Anfang Mai die Baubewilligung erteilt wurde, und sagt: «Zu den Einsprachepunkten hat der Gemeinderat seine Ansicht dargelegt. Die Einsprachen wurden bis auf einen Punkt abgewiesen.» Diesen habe man in die Baubewilligung übernommen. Hofer erklärt weiter: «Die Einsprachen beinhalten vor allem Einwände gegen die Gesetzeskonformität und nicht Vorschläge zu einer allfälligen Verbesserung des Projekts.» Aufgrund der Form und der Grösse der Parzelle bestehe praktisch kein Spielraum. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die Baute gesetzeskonform ist, und hat deshalb auf eine erneute Anhörung der Nachbarschaft verzichtet.» Zur Belegung äussert sich die Gemeinderätin wie folgt: «Die Anzahl Personen war weder Bestandteil der Gemeindeversammlungsvorlage noch der Baubewilligung.»

Wie geht es nun weiter? Die Beschwerdefrist gegen die Erteilung der Baubewilligung laufe in diesen Tagen aus, sagt Käty Hofer. Man habe noch keine Kenntnis über eingegangene Beschwerden. «Solange die Baubewilligung auf dem Rechtsweg bestritten wird, kann die Gemeinde nichts weiter tun.» Die Frage unserer Zeitung an die IG, ob man sich weiter wehren werde, blieb gestern unbeantwortet. Es könnte aber gut sein, dass das letzte Kapitel in dieser Geschichte noch nicht geschrieben ist. In der Mitteilung heisst es nämlich: «Die nun weiteren Schritte der Einsprecher hätte sich die Gemeinde sparen können», wenn es ein Gespräch gegeben hätte.