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HÜNENBERG: Die Erinnerung verschwindet nie

Nachdem die Grabesruhe geendet hat, wird Platz für kommende Bestattungen geschaffen. Diese Arbeit erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl, denn manchmal brennt auf der Wiese eine Kerze.
Derr Waldfriedhof Ehret der Pfarrei Maihölzli Hünenberg wird geräumt.Im Bild Hanspeter Huber mit einem Grabschmuck der weggeräumt wird. 16. März 2018 Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

Derr Waldfriedhof Ehret der Pfarrei Maihölzli Hünenberg wird geräumt.Im Bild Hanspeter Huber mit einem Grabschmuck der weggeräumt wird. 16. März 2018 Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

Raphael Biermayr

<u><font color="#0066cc">raphael.biermayr@zugerzeitung.ch</font></u>

Eine Schar Kindergärtler geht fröhlich an Gräbern vorbei. Ihr Weg zum Kindergarten Ehret führt über den Friedhof in Hünenberg. «Tod und Leben gehören hier zusammen», sagt Daniel Schriber, der Leiter Sicherheit und Umwelt der Gemeinde. Im Hintergrund räumt das Werkhofteam an diesem Morgen Gräber, wie das gegenwärtig in den meisten Gemeinden der Fall ist.
Schriber wird den genannten Satz noch einige Male sprechen an diesem Morgen. Und so abgedroschen er ist: Hier passt er. Auf dem Waldfriedhof ist die Toleranz gross. Auch Hunde sind erlaubt – nur Pferde müssen einen Umweg gehen. Tiere spielen hier eine sicht- und hörbare Rolle: Die Vögel zwitschern in den Bäumen des angrenzenden

Maihölzliwalds, und auf einem Grab sieht man nicht eine Aufnahme des Verblichenen, sondern eine sich fläzende Katze.

Umziehen für die Beerdigung

Die Grabesruhe endet in Hünenberg – wie fast überall – nach 20 Jahren. Nachdem die Angehörigen informiert worden sind, die Dekoration zu entfernen, geht es schnell: Mittels einer Baumaschine werden Grabsteine oder andere Male entfernt, danach noch allfällige Verankerungen im Boden ausgegraben und schliesslich das Erdreich wieder hergerichtet. Dann ist die Erinnerungsstätte zwar verschwunden, die Erinnerung aber nicht. Es kommt vor, dass die Werkhofmitarbeiter auf der Stelle eines geräumten Grabes eine Kerze antreffen. «Solange sie brennt, lassen wir sie stehen», sagt der Werkmeister Florian Bruderer.

Er erwähnt in seinen Schilderungen das nötige Fingerspitzengefühl, das man an diesem Arbeitsort aufbringen muss, um den Respekt zu wahren. Dazu gehört, dass der Maschineneinsatz auf das Minimum beschränkt werde. Und dass sich die Werkhofmitarbeiter für Beisetzungen umziehen. «Wir wollen nicht auffallen», erklärt Bruderer. Die Gemeindeangestellten erstarren auf dem Friedhof gleichwohl nicht in Ehrfurcht. «Letztlich ist es Arbeit für uns. Man muss auch Distanz aufbauen», sagt er.

Eine pragmatische Haltung vertritt auch Daniel Schriber. Denn so einem Friedhof liegt auch eine Planung zugrunde, und feste Regeln. Auf Wünsche, was die Grabstelle anbelangt, könne man nicht eingehen. «Auf dem Friedhof sind alle gleich», sagt er. Manchmal spielt jedoch der Zufall mit: «Wir hatten eine Anfrage, ob das Grab in Richtung Osten liegen kann. Das war bei der nächsten freien Stelle tatsächlich einigermassen der Fall», schildert Schriber.

Erdbestattungen von Verstorbenen in Särgen gibt es fast keine mehr, in Hünenberg seien es noch ein bis zwei pro Jahr. Der Friedhof ist so angelegt, dass eine Grabstelle mehrfach belegt werden kann: Die Überreste des Erstbestatteten liegen auf bis zu 1,60 Metern, eine bis maximal zwei Särge können in einem Abstand darüber folgen. Heutzutage sind jedoch Urnen in kleineren Einzelgräbern oder im Gemeinschaftsgrab angesagt. Selbst der kürzlich gestorbene, langjährige Pfarrer Markus Fischer sei eingeäschert worden, sagt Daniel Schriber.

Regeln wie in einer Wohngemeinschaft

In Hünenberg sind die meisten Namen der Verstorbenen im Gemeinschaftsgrab in Steinblöcke eingraviert. Auf einem dieser Steinblöcke liegt an diesem Morgen ein Herz. Ein solches beweisen auch die Hünenberger Gemeindeangestellten und lassen es an diesem Vormittag noch etwas liegen. Doch Ordnung muss sein, gerade beim Gemeinschaftsgrab. «Es ist wie in einer Wohngemeinschaft – jeder muss die Regeln einhalten, damit ein Miteinander funktioniert», erklärt Schriber. Gedenkstücke wie das Herz haben auf den vorgelagerten Stufen ihren zugewiesenen Platz, die Friedhofsbesucher werden auf einer Tafel darauf hingewiesen. Die Erinnerungen aber bleiben frei.

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