HÜNENBERG: Diese Indianer kennen Scherz

Am Donnerstagabend war es wieder so weit: Die Schnitzelbankgruppe Mey-Mei» präsentierte freche-witzige Sprüche.

Drucken
Teilen
Mey-Mei als wilde Indianer: (v.l.) Gody Bucher, Klaus Meyer und Ehefrau Anna Meyer. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Mey-Mei als wilde Indianer: (v.l.) Gody Bucher, Klaus Meyer und Ehefrau Anna Meyer. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

So auch im Restaurant Degen, wo eine sensationelle Stimmung herrschte. Alle Plätze waren besetzt. Eiche-Zunft-Mutter Renate Huwyler und ihre allfälligen Ambitionen auf das Gemeindepräsidentenamt oder Zugs Bauchefin Andrea Sidler Weiss bekamen ihr Fett weg.

Aber auch die internationale Politik wurde ins närrische Kreuzfeuer genommen. US-Präsident Barack Obama wurde auf humorvolle Art auf die Finger geklopft. Auch die Schnitzelbankgruppe motz-Art sorgte für tolle Stimmung mit bissigen Sprüchen. «Nach dieser Fasnacht ist Schluss», sagt das Ehepaar Meyer. Seit 1977 sind sie zur närrischen Zeit als Gruppe Mey-Mei durch die Gasthäuser in Hünenberg gezogen und haben die Anwesenden mit ihren Schnitzelbanksprüchen unterhalten. «Lokalpolitik war in all den Jahren unser Spezialgebiet. Aber auch das aktuelle Weltgeschehen haben wir kommentiert», erklärt Klaus Meyer (72). «Die Verse waren durchaus bissig-frech, aber wir sind nie unter die Gürtellinie gegangen.» Der 72-Jährige ist Fasnächtler durch und durch. 1976 gehörte er zu den Gründungsvätern der Hünenberger Eiche-Zunft, der er dann 22 Jahre als Zunftmeister vorstand.

«Mit Schnitzelbänken bin ich aufgewachsen», verrät Meyer, der seine Jugend in Reinach BL verlebte. Irgendwie haben ihn die traditionellen Basler Schnitzelbänke infiziert, wo die Pointe erst am Schluss erscheint. «Unsere Texte bestehen aus vier Versen», so Klaus Meyer, der wie seine Frau Anna Meyer (69) in Hünenberg lange Jahre als Primarlehrer tätig war. Zudem ist Meyer auch als Hünenberger Dorfhistoriker bekannt. «Wir versuchen die Pointe immer ganz am Schluss zu setzen.»

Wie und wann entstehen die Schnitzelbankverse? Im Januar treffen sich die verschiedenen Hünenberger Schnitzelbankgruppen – aktuell sind es sechs – zum Ideenaustausch. «Diese Börse ist so etwas wie der Startschuss für meine Schreibtätigkeit.» Manchmal kommen ihm die Gedanken in der Nacht, «dann schreibe ich schnell was auf ein Zettelchen» – oder es läuft halt gar nicht, «und ich trinke stattdessen ein Bier». Klaus Meyer schreibt die Texte, die er dann mit seiner Frau vorträgt.

Seit drei Jahren haben sich die Mey-Mei mit Gody Bucher an der Handorgel verstärkt. «Meine Frau ist im Vorfeld meine schärfste Kritikerin», verräte Meyer, «lächelt sie nur leicht säuerlich, weiss ich – dieser Vers gehört in den Papierkorb.»

Jetzt ist Schluss
Nun wollen sich die Meyers als Schnitzelbänkler zur Ruhe setzen. «Wir haben schöne 34 Bänklerjahre erlebt. Doch man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und solange die Leute einen noch hören wollen.»

Luc Müller, Freddy Trütsch