Hünenberg
«Divico» und «Solaris»: Die Pfarrei Hünenberg stellt ihren eigenen Wein her

Beim Projekt steht das Gemeinschaftliche im Vordergrund. Im Herbst sollen die Kirchgängerinnen und Kirchgänger ein Glas verkosten können.

Rahel Hug
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Xaver Werder, Christian Kelter und Roman Fuchs (von links) stossen auf ihr Projekt an.

Xaver Werder, Christian Kelter und Roman Fuchs (von links) stossen auf ihr Projekt an.

Bild: Matthias Jurt (Hünenberg, 31. März 2021)

Wieso nicht einen eigenen Wein herstellen? Das dachte sich der katholische Hünenberger Gemeindeleiter Christian Kelter, als er sich mit der Frage beschäftigte, wie er die Wiese beim Maihölzli-Wald künftig nutzen könnte. Der langjährige ehemalige Pfarrer von Hünenberg, Markus Fischer, hatte das Land früher selbst bewirtschaftet.

Kelter wollte etwas für die Allgemeinheit machen, viele Pfarreimitglieder ermutigten ihn, ein Projekt zu realisieren. So pachtete die Pfarrei Hünenberg das gemeindeeigene Land und pflanzte im Frühjahr 2019 140 Rebstöcke auf dem Gelände. Jetzt trägt das Projekt erstmals Früchte, beziehungsweise die Früchte sind bereits erfolgreich verarbeitet worden: Kürzlich wurden die ersten 40 Flaschen des pfarreieigenen Weins geliefert.

Pilzwiderstandsfähige Sorten

Der Wein mit dem Namen 6331 – die Postleitzahl von Hünenberg – besteht aus den Traubensorten Divico (Rotwein) und Solaris (Weisswein). «Es handelt sich um pilzwiderstandsfähige Sorten, die man komplett biologisch anbauen kann», erklärt Christian Kelter. Den Rotwein beschreibt er als kräftig und mit dunkler, blauroter Farbe – er wird im Barrique (Eichenfass) ausgebaut. Die fruchtige Weissweinsorte Solaris liege generell im Trend und die erste Degustation des Weissweins sei «vielversprechend» gewesen.

Der Hünenberger Pfarreiwein trägt den Namen 6331 – die Postleitzahl von Hünenberg. Im Bild sind Xaver Werder, Roman Fuchs und Christian Kelter (von links) zu sehen.

Der Hünenberger Pfarreiwein trägt den Namen 6331 – die Postleitzahl von Hünenberg. Im Bild sind Xaver Werder, Roman Fuchs und Christian Kelter (von links) zu sehen.

Bild: Matthias Jurt (Hünenberg, 31. März 2021)

Eigentlich ist Diakon Kelter kein Weinexperte. Er erhielt deshalb Unterstützung von zwei Freunden, die vom Fach sind. Der Landwirt Roman Fuchs und der Werkhof-Angestellte Xaver Werder sind beide involviert bei der Chäppeli-Genossenschaft, die den Rebberg bei der Weinrebenkapelle unterhält und den Chäppeli-Wy produziert. Sie haben laut Kelter massgeblich dazu beigetragen, dass das «Gemeinschaftsprojekt», wie er es nennt, gelungen ist. Der Initiant erklärt:

«Für die Pflanzung der Reben haben sich zehn Männer gemeldet, zum Teil auch solche, die keinen Bezug zur Kirche haben.»

Auch bei der ersten Lese im vergangenen September hat diese Gruppe tatkräftig mitgeholfen. Die Vinifikation (die weitere Verarbeitung der Trauben und das Abfüllen) hat Winzer Toni Ottiger in Kastanienbaum übernommen. Ein Hünenberger Grafiker hat die goldig-graue Etikette gestaltet.

Blick auf die kleine, aber feine Weinanbaufläche neben dem Maihölzli-Wald.

Blick auf die kleine, aber feine Weinanbaufläche neben dem Maihölzli-Wald.

Bild: Matthias Jurt (Hünenberg, 31. März 2021)

Die erste Ernte ist noch bescheiden

Der Pfarreiwein wird für den Eigengebrauch produziert. «Im Vordergrund stehen die Gemeinschaft und die Arbeit in der Gruppe», betont Christian Kelter. Mit dem Start des Projekts ist er zufrieden – obwohl die erste Ernte in bescheidenem Rahmen liegt. «Wir gehen davon aus, dass der Ertrag im kommenden Herbst noch etwas grösser ausfallen wird.» Kürzlich ist die Gruppe von Hobby-Weinbauern in die neue Saison gestartet: Es galt, die Reben zu stutzen. Der Gemeindeleiter verspricht: «Beim Erntedankfest Ende September können die Kirchgängerinnen und Kirchgänger ein Glas Wein verkosten.»