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HÜNENBERG: Ehepaar gibt freiwillig den Führerausweis ab

Der Hünenberger Cäsar Rossi und seine Frau Adelheid Theresia werden 2018 nach 53 Jahren wieder ein gänzlich autofreies Jahr erleben. Die beiden haben ihre Führerausweise abgegeben und sind gut organisiert.
Andrea Muff
Cäsar und Adelheid Theresia Rossi auf dem Weg zur Post. Sie will den Brief an das Strassenverkehrsamt einwerfen. (Bild: Werner Schelbert (Hünenberg, 13. Dezember 2017))

Cäsar und Adelheid Theresia Rossi auf dem Weg zur Post. Sie will den Brief an das Strassenverkehrsamt einwerfen. (Bild: Werner Schelbert (Hünenberg, 13. Dezember 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Mobilität – Luxus und Fluch zugleich, aber ein unverzichtbares Gut. Die Freiheit, an jeden wünschenswerten Punkt zu gelangen, wann und wie oft man will. Dies ist ohne grosse Anstrengung mit einem Auto zu meistern – weder Fahrpläne müssen konsultiert noch Muskelkraft eingesetzt werden. Für Cäsar Rossi und seine Frau Adelheid Theresia (beide 86) aus Hünenberg geht nun eine Ära zu Ende: Nach 53 Jahren erwartet das Ehepaar 2018 das erste Jahr ohne fahrbaren Untersatz. «So viel Verantwortungs­gefühl sollte man schon haben», stellt Cäsar Rossi pragmatisch fest. Bereits vor zwei Jahren hat der ehemalige Chef­redaktor der «Zuger Zeitung» sein Billett abgegeben. «Dafür habe ich als Geschenk eine Tageskarte für die Zugerland Verkehrsbetriebe bekommen», sagt Rossi und lacht beim Gedanken daran.

Doch viel wichtiger als der fahrbare Untersatz scheint ihm sein Beruf zu sein. Er ist ein Vollblutjournalist. Cäsar Rossi erzählt aus früheren Tagen, wie er nach Zug und zur Zeitung kam, zeigt Bilder aus vergangenen Zeiten und hält noch heute in seinen Tagebüchern wichtige Ereignisse fest. «Ich mache ein Foto und schreibe einen kurzen Text dazu», erklärt der passionierte Schreiberling. Im Regal stehen etliche Fotobücher als Zeugen seiner Leidenschaft. Auch in der heutigen Medienlandschaft kennt sich der Pensionär aus – liest jeden Tag Zeitung und bleibt informiert.

Die Zeit von Cäsar Rossi bei den Zuger Lokalblättern war turbulent und von vielen Wechseln geprägt. 1967 stiess der gebürtige Schaffhauser vom «Fricktaler» in Laufenburg als Chefredaktor zu den «Zuger Nachrichten». Die Zeitung erschien damals dreimal pro Woche, und Rossi bestückte sie anfangs in Allein­regie. Erst später seien vier Redaktoren und ein Lehrling dazugestossen. «Aber wir hatten in jeder Zuger Gemeinde einen Korrespondenten», sagt Rossi und fügt hinzu: «Es war eine lupenreine Lokalzeitung.»

Der Ford gehörte zu den Rossis

Doch zurück zum Autofahren: Der 86-Jährige erzählt lachend, warum er seit 2009 einen Mercedes A190 gefahren sei. «Ich brauchte ein Auto, in dem ich meinen Kopf nicht an der Decke anstiess.» Beim Einsteigen habe er zunehmend Mühe gehabt, seinen Körper und seinen Kopf ohne Blessuren hinters Steuerrad zu klemmen. Der kleine Mercedes war etwas völlig Neues, denn die «Schaffhauser Rossi-Dynastie», wie er seine Familie scherzhaft nennt, zog es vor, in einem Ford durch die Gegend zu tuckern. «Die wohlbekannte EVZ-Familie Huber wurde zu meinem Stützpunkt für den Kauf der motorisierten Fort­bewegungsmittel», erklärt er mit einem Schmunzeln.

In seinen Anekdoten beweist Cäsar Rossi Humor und eine gute Portion Selbstironie. So ist auch sein zweites Hobby nicht weiter verwunderlich: Er ist passionierter Schauspieler, war bei den Zuger Spiillüüt und führte über 17 Jahre lang Regie bei den Theaterlüüt Risch Rotkreuz. Dies zum Ausgleich seines ereignisreichen Berufes.

Chefredaktor der «Zuger Zeitung»

Von 1985 bis 1989 machte der Vater von zwei Kindern einen kurzen Abstecher zur Landis & Gyr, bevor er zum Chef­redaktor der damals neu lancierten «Zuger Zeitung» berufen wurde. Bis 1996 arbeitete er bei dieser Zeitung. «Am Schluss habe ich oft zu Hause geschrieben, da ich keinen Platz im Büro hatte», erzählt er aus dem Nähkästchen. Und er gibt zu: «Ich bin froh, mache ich heute keine Zeitung mehr.» Der gelernte Buchdrucker erwähnt all die technischen Erneuerungen, die er in seiner Schaffenszeit miterlebt hat: von Lochbändern über die Setzmaschine bis hin zum Computer. Doch Cäsar Rossi schreibt seine Texte heute nicht etwa lieber von Hand, nein, er setzt sich an den Computer, der in seinem Büro steht.

Cäsar Rossi verweist auf ein goldenes Abzeichen im Regal: Nach 50 Jahren TCS-Mitgliedschaft habe er dieses bekommen. «Es ist gar noch nicht so lange her, als ich den Abschleppdienst gebraucht habe», erinnert Rossi sich. Sein Auto wollte beim Loreto-Quartier nicht mehr anspringen. Unfälle habe es in seiner 53-jährigen Fahrkarriere nicht viele gegeben. Einen prägenden allerdings: «Bei meiner ersten Ausfahrt als Journalist in Zug bin ich auf der Ägeristrasse Richtung Allenwinden in einen PW gefahren», erzählt der 86-Jährige.

In den letzten beiden Jahren hatte seine Frau Adelheid Theresia aber das Steuer übernommen. «Es ist vernünftig, wenn auch ich jetzt den Führerausweis abgebe», sagt sie. So hätten die Rossis das Auto nur noch selten benutzt. Cäsar Rossi meint schmunzelnd: «Wir mussten immer wieder die Batterie aufladen, weil wir so selten gefahren sind.» Und wenn die beiden nun einen fahrbaren Untersatz brauchen? «Im Notfall wird uns unsere Nachbarin zu Terminen fahren, und unser Sohn kommt einmal pro Monat vorbei, um das Entsorgungsgut abzuholen.» Cäsar Rossi lobt auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, und alle wichtigen Geschäfte seien in «unmittelbarer» Nähe zu erledigen.

Nun geben die Rossis den Mercedes, der 124'000 Kilometer auf dem Tacho hat, an jemanden weiter, der ihn besser brauchen kann. «Wir haben das Auto an einen Freund des Bruders meiner Frau verschenkt», sagt Cäsar Rossi. Das Vehikel trägt jetzt ein Thurgauer Nummernschild und hat seinen Heimatparkplatz in Diessenhofen. Damit verschwindet die Autonummer ZG 539 vorerst von den Strassen. Das oft benutzte «Presse-Schild» verschenkt er an die Verfasserin dieses Textes. «Auch nach meiner Pension habe ich es ab und zu hinter die Scheibe geklemmt», gibt Rossi zu.

Hinweis
In unserer Jahresendserie haben wir Zugerinnen und Zuger porträtiert, bei denen im Jahr 2018 eine grosse Veränderung ansteht. Mit diesem Beitrag endet die Serie.

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