HÜNENBERG: Ein Paar startet lachend in die Fasnacht

Das am besten gehütete Dorfgeheimnis ist gelüftet: Thomas I. Suter und seine Frau Irma besteigen den Eichethron.

Martin Mühlebach
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Thomas I. Suter und Irma die Lachende gehen mit dem Motto «Eifach es Hü eichiger» in die Fasnacht. (Bild Roger Zbinden)

Thomas I. Suter und Irma die Lachende gehen mit dem Motto «Eifach es Hü eichiger» in die Fasnacht. (Bild Roger Zbinden)

Die Inthronisationsfeier der Eichezunft Hünenberg ist an Ideenreichtum und Witz kaum mehr zu überbieten. In Anlehnung an das Motto «es Hü besser», unter dem die Gemeinde ihr 600-Jahr-Jubiläum feiert, kreierten die Eichezünftler das Motto «es Hü süüberer». Die Zunftmeister Michael Werder und Erich Fiechter schickten mit Videokameras ausgerüstete Abfallinspektoren in die Nacht hinaus. Das Publikum im voll besetzten Heirisaal konnte die Jagd nach Abfallsündern auf einer Grossleinwand verfolgen. Als sich ein Inspektor mit der «Degen»-Wirtin einigte, dass alte CDs fortan in der Jukebox des Gasthauses entsorgt werden können, brach im Saal ebenso Gelächter aus, wie als im Hause des Zünftlers Hans Ziltener haufenweise nicht entsorgte leere Weinflaschen entdeckt wurden. Als die Inspektoren mit allerlei Müll in den Saal zurückkehrten, verwandelte sich die Bühne in eine Abfallentsorgungsstelle.

Promis bekommen ihr Fett ab

Und dort ging es hoch zu und her. Einem Aargauer wurde unmissverständlich mitgeteilt, dass Ausserkantonale ihren Müll nicht mehr nach Hünenberg bringen dürfen. Zudem könnten ihre weissen Socken nicht mehr nach Afrika geschickt werden, weil die Leute dort barfuss gingen. Noch krasser wurde es, als eine Mitarbeiterin der Sammelstelle einer verdutzten Frau erklärte: «Ab sofort können hier nur noch Dosen und Flaschen entsorgt werden, die in Hünenberg gekauft wurden.»

Wie nicht anders zu erwarten war, bekam die Dorfprominenz immer wieder ihr Fett ab. Kantonsratspräsident Hubert Schuler musste sich kritische Fragen zum Kirschgenuss seiner Ratskollegen gefallen lassen, und Regierungsrat Urs Hürlimann wurde aufgezogen, weil er keine Nebeneinkünfte auszuweisen hat. Alexandra und Martin «Biber» Cerletti wurden schliesslich zu den «saubersten Hünenbergern des Jahres» erkoren, da in ihrem Haushalt kaum Abfall gefunden werden konnte. Sie erhielten als Preis eine Rolle Abfallsäcke die laut der Jury wohl für ein Jahr ausreichen sollte.

Ein Natelanruf lüftet das Geheimnis

Der Höhepunkt folgte zu vorgerückter Stunde. Der noch amtierende Eichevater Beat I. Luthiger gestand: «Ich gebe mein Amt mit einem weinenden und einem lachenden Auge ab. Viele schöne Erlebnisse werden mir zeitlebens in Erinnerung bleiben. Als Eichevater erhält man viel mehr zurück, als man gibt.» Wer neuer Eichevater wird, stand noch in den Sternen geschrieben, als in der Abfallentsorgung ein schwarzes Büchlein gefunden wurde, in dem eine Natelnummer notiert war. Die Nummer wurde eingetippt – und tatsächlich – es klingelte im Saal. «Thomas Suter», meldete sich eine Männerstimme. Das streng gehütete Geheimnis war gelüftet. Suter, seines Zeichens Lehrer, Oberstufenschulleiter und Korporationspräsident, wird als Thomas I. mit seiner Frau Irma die Lachende die Eichefasnacht 2014 anführen. Nach der Entgegennahme der Insignien und des Zepters sagte Thomas I.: «Meine Frau und ich stellen die diesjährige Eichefasnacht unter das Motto «Eifach es Hü eichiger». Mit mehrmaligen «Eiche proscht, Eiche proscht, Eiche proscht, proscht, proscht»-Rufen ging unter den schrägen Tönen der Guggenmusik Quaker eine Inthronisationsfeier zu Ende, die in allen Belangen zu gefallen vermochte.