HÜNENBERG: Eine Lehrstunde für die Sicherheit

Was haben die Schüler vom Verkehrsunterricht behalten? Gestern überprüfte die Polizei das Wissen.

Luc Müller
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Patric Stalder von der Zuger Polizei erklärt ein paar Mädchen, wie sie richtig über den Fussgängerstreifen gehen sollen. (Bild Werner Schelbert)

Patric Stalder von der Zuger Polizei erklärt ein paar Mädchen, wie sie richtig über den Fussgängerstreifen gehen sollen. (Bild Werner Schelbert)

Gestern Nachmittag wurde in Hünenberg auf der Chamerstrasse ein Kind von einem Bus der Zugerland Verkehrsbetriebe touchiert. Der 10-Jährige löste sich nach ersten Erkenntnissen der Zuger Polizei aus einer Gruppe von rund zehn Kindern und trat plötzlich auf die Fahrbahn. Der Chauffeur war aufmerksam und hatte zuvor die Geschwindigkeit bereits auf Schritttempo reduziert. Der Junge erlitt dabei leichte Kopfverletzungen. Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, dazu: «Es ist unglaublich – ein paar Stunden zuvor hat die Zuger Polizei genau dort noch eine Schulwegüberwachung gemacht. Wir haben geschaut, wie sich die Kinder beim Überqueren des Fussgängers verhalten. Das bestätigt uns: Die Kontrollen sind sehr wichtig.»

Auch der Schreibende war am Vormittag vor Ort. Rückblick. Es ist 11.15 Uhr. Die vier kleinen Mädchen verhalten sich vorbildlich. Sie halten sich gegenseitig an den Händen und warten artig vor dem Fussgängerstreifen im Hünenberger Dorfzentrum. Blick nach links, Blick nach rechts – erst dann huschen sie schnell über die Strasse. «Gut gemacht», gibt es Lob von Bereitschaftspolizist Patric Stalder. Die Kinder strahlen und ziehen weiter. Seit Ende der Herbstferien macht die Zuger Polizei während zweier Wochen bei den Schulen des Kantons Zug sogenannte Schulwegüberwachungen.

Fehler direkt besprechen

«Die Polizei gibt Verkehrskunde in allen Zuger Kindergärten und Schulen. Es geht bei den Kindern darum, auch draussen auf der Strasse zu üben, wie man sicher über den Streifen geht und den Verkehr einschätzt», sagt Marcel Schlatter. Auch bei den Oberstufenschülern sei man vor Ort, wobei es dort mehr auch um Themen wie Gewalt gehe. Nach Schulbeginn im Sommer hat die Zuger Polizei rund drei Wochen lang in allen Gemeinden im Kanton eine Verkehrswegüberwachung gemacht. Das Ziel: Die Kinder und Jugendlichen werden in ihrem Verhalten im Strassenverkehr beobachtet. Sehen die Polizisten Fehler – sei es seitens der Fussgänger, aber auch seitens der Auto- oder Velofahrer – schreiten sie ein. «Wir verteilen nicht gezielt Bussen, sondern suchen das Gespräch und zeigen vor Ort auf, wie man es eben richtig machen würde», so Marcel Schlatter. Jetzt nach den Herbstferien richtet die Zuger Polizei nochmals während zweier Wochen das Augenmerk auf das Verhalten beim Schulweg. «Wir schauen, ob die Kinder das Gelernte auch jetzt noch richtig anwenden», so Schlatter. Kombiniert werden die Schulwegüberwachungen mit Geschwindigkeitskontrollen vor den Schulhäusern (siehe Box).

«Warte, luege, lose»

Patric Stalder hebt die Hand und stoppt eine Velofahrerin. Eben ist sie unerlaubterweise auf dem Trottoir gefahren, bevor sie über den Fussgängerstreifen fährt – was grundsätzlich nicht verboten ist. Patric Stalder bespricht mit ihr den Fall. Alles klar – die Velofahrerin setzt ihre Fahrt fort. «Es ist wichtig, dass die Erwachsenen sich richtig verhalten, denn sie sind Vorbilder für die Kinder», so Stalder.

Wieder gibt es Redebedarf beim Fussgängerstreifen, der im Dorfzentrum von Hünenberg von der Chamer- in die Zentrumsstrasse zum Schulhaus Ehret führt. Ein Mädchentrio ist ins Gespräch vertieft. Den Verkehr haben sie nicht im Blick – plötzlich halten sie doch noch an. Mit einem Fuss stehen sie aber bereits auf dem Streifen. «Die Ablenkung ist das Hauptproblem», sagt Patric Stalder. Genau diese führe zu den gefährlichen Situationen am Zebrastreifen. Suter erklärt den Mädchen das richtige Verhalten. «Es gilt immer noch das selbe wie früher: Warte, luege, lose.» Eben ist Deniz über den Streifen gelaufen. «Es ist wichtig, dass man erst läuft, wenn die Räder des Autos, das anhält, wirklich stehen», erklärt der 8-Jährige, der im Ehret die 2. Primarklasse besucht. Und Schlatter ergänzt: «Die Autofahrer sollten kein Handzeichen geben.»