HÜNENBERG: «Es wird teurer – das stimmt»

Für die Sanierung des Schulhauses Ehret B existiert ein Kostendach – doch das Geld reicht nicht.

Interview Luc Müller
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Ueli Wirth, Schulpräsident von Hünenberg, posiert vor dem Schulhaus Ehret B, das 1974 bezogen worden ist. (Bild Stefan Kaiser)

Ueli Wirth, Schulpräsident von Hünenberg, posiert vor dem Schulhaus Ehret B, das 1974 bezogen worden ist. (Bild Stefan Kaiser)

Der Auftrag ist klar: Die Sanierung und der Umbau des Schulhauses Ehret B dürfen nicht mehr als 22,5 Millionen Franken kosten. Aber Hand aufs Herz: Um wie viel wird der Bau teurer?

Ueli Wirth: Es wird teurer, das stimmt. Derzeit läuft die Submission, damit wir ganz klare Zahlen haben und nicht mit Kostenschätzungen arbeiten müssen, die eine Abweichung von plus/minus 10 Prozent aufweist.

Über welche Summe werden die Hünenberger am 22. September abstimmen?

Wirth: Das kann ich noch nicht eindeutig sagen ...

... aber ungefähr?

Wirth: Das Projekt wird nicht mehr als 25 Millionen kosten.

Komisch – so viel sollten der Umbau und die Sanierung ursprünglich kosten, bis an der Gemeindeversammlung vom Dezember 2011 auf Antrag der CVP ein Kostendach von 22,5 Millionen festgelegt wurde. Was haben Sie falsch gemacht?

Wirth: Wir haben wie üblich eine Baukommission gebildet, in der alle Parteivertreter sitzen. Wir haben, wie gefordert, das Projekt noch kostengünstiger gemacht. Dass die Kosten höher als 22,5 Millionen sind, hat die Baukommission einstimmig beschlossen.

Wie wollen Sie das den Bürgern erklären?

Wirth: Es gibt neue Zusatzkosten, die vorher nicht eingerechnet worden sind. Geht es rein um den Bau und die Sanierung des Ehrets B, so wie dies im Projektwettbewerb ausgeschrieben war, sind wir auf den 22,5 Millionen Franken. Wir haben unter anderem beschlossen, das Schulhaus aus dem Jahre 1974 bis auf das Erdgeschoss abzubauen und die alte Stahlkonstruktion durch Stahlbeton zu ersetzen. Durch diese Massnahmen können wir die Brandschutzkosten um fast 800 000 Franken senken. Zudem verzichten wir auf zwei Informatikzimmer, die nun Schulzimmer werden. Auch das separate Religionszimmer wurde eingespart.

Und welche Zusatzkosten kommen denn noch dazu?

Wirth: Während der Umbauphase ziehen die Schüler in ein Provisorium. Der Bau des Provisoriums sowie der Umzug kosten rund 650 000 Franken. Aus Sicherheitsgründen wird der Baustellenumschlagplatz um 90 000 Franken teurer, und es wird ein Kostenblock für Unvorgesehenes von 1 Million eingeplant. Aus schulischer Sicht sind Zusatzkosten für den Ersatz des teilweise sehr alten Schulmobiliars und die Lernlandschaften entstanden. So kommen wir auf knapp 25 Millionen Franken.

Warum waren diese Kosten eigentlich nicht schon vorher bei der Fixierung des Kostendaches auf 22,5 Millionen Franken bekannt?

Wirth: Das Kostendach wurde festgelegt, als es eigentlich um den Projektierungskredit ging. Zu einem solch frühen Zeitpunkt schon die definitiven Gesamtkosten festzulegen, ist unüblich, weil man dann vor allem mit Kostenschätzungen arbeitet. Zudem ging es rein um die Bau- und Sanierungskosten.

Also bleibt eigentlich alles beim Alten: Die Bürger stimmen schliesslich doch über 25 Millionen Franken ab?

Wirth: Ja, wenn wir alles einrechnen, auch die Reserve von 1 Million für Unvorhergesehenes. Über dieses Gesamtpaket wird am 22. September abgestimmt.

Sie haben vorher aufgezeigt, wo Sie am Bau Kosten gekürzt haben. Trotzdem haben Sie kürzlich im Ehret B die modernste interaktive Wandtafel im Kanton Zug demonstriert, und seit einem Jahr sind die 1.-Sek-Schüler mit iPads ausgerüstet. Das kostet doch sicher sehr viel Geld?

Wirth: Die interaktiven Wandtafeln sind bei Neuinvestitionen, wie für das Ehret B, nicht teurer als eine konventionelle Klassenzimmerausrüstung.

Aber Sie haben schon einmal erklärt, dass im Ehret B vor allem Lernlandschaften entstehen werden. Das sind Schulzimmer, die durch einen Gruppenraum verbunden sind. Braucht es das wirklich?

Wirth: Im jetzigen Ehret B haben wir fast keine Gruppenräume – die Schüler müssen oft im Gang arbeiten. Aber die Zeit des einseitigen Frontalunterrichts ist vorbei – die Schüler müssen immer selbstständiger in Gruppen arbeiten und Aufgaben erfüllen. Das wird immer wichtiger, das hören wir auch von der Arbeitgeberseite. Die Lernlandschaften orientieren sich genau an diesen Bedürfnissen des neuen Lernens.

Inwiefern?

Wirth: Zwei Schulzimmer sind durch einen Gruppenraum miteinander verbunden. Die Schulzimmer können aber auch durch Schiebetüren geschlossen oder von zwei Klassen der gleichen Stufe gemeinsam genutzt werden. Mit dieser sehr flexiblen Anordnung der Unterrichtsräume sind wir für die zukünftigen Unterrichtsformen gut vorbereitet. Für diese Verbindung der 28 Klassenzimmer entstehen nun Zusatzkosten von 280 000 Franken für die Schiebetüren.

Wieso übernimmt die Schule Hünenberg mit den Lernlandschaften schon wieder eine Vorreiterrolle, obwohl viele Eltern genug von Experimenten in der Schule haben?

Wirth: Der kantonale Bildungsrat hat eine Reform des 9. Schuljahres beschlossen. Diese Reform ist in einem künftigen Schritt auch für das 7. und das 8. Schuljahr vorgesehen. Wie betont geht es darum, dass die Schüler selbstständiger Stoff erarbeiten und in Gruppen arbeiten. Das hat langfristig auch bauliche Massnahmen zur Folge, wie auch der Bildungsrat betont hat. Deshalb macht es Sinn, die Schulzimmer jetzt entsprechend zu gestalten und nicht für viel Geld später.