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HÜNENBERG: Hagel zerschlägt den Grossteil der Erdbeerkultur

Das Unwetter hat auf dem Hof der Familie Boog 80 Prozent der Freiland-Erdbeerernte zerstört. Die Familie denkt nun an Massnahmen.
In nur 15 Minuten wurden bei dem Unwetter am Freitag rund 80 Prozent der Freiland-Erdbeerernte zerstört. Nun überlegt sich Jonas Boog (Bild) die Kulturen künftig mit Tunnels zu schützen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

In nur 15 Minuten wurden bei dem Unwetter am Freitag rund 80 Prozent der Freiland-Erdbeerernte zerstört. Nun überlegt sich Jonas Boog (Bild) die Kulturen künftig mit Tunnels zu schützen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Gedauert hats zwar nur 15 Minuten, aber die haben gereicht, um ein ganzes Jahr Arbeit auszulöschen. Der Hagelschlag vom Freitagabend hat auf dem Hof der Familie Boog in Drälikon in Hünenberg innert kürzester Zeit praktisch die komplette Freiland-Erdbeerernte zerstört. Von den Kulturen, die die Obstbauern während des vergangenen Jahres auf den rund vier Hektaren gehegt und gepflegt haben, sind nur noch einzelne Stängel übrig. Blätter und vor allem die Früchte wurden alle abgeschlagen. «Wir haben einen Totalausfall. 80 Prozent der Ernte ist futsch», sagt Jonas Boog (27), der in der dritten Generation im Betrieb tätig ist. Einen solchen Hagelschlag hätten sie zuletzt am 5. Juni 2000 erlebt. «So ein Datum prägt sich ein», so Boog.

Der Verlust ist umso happiger, da die Familie am Montag – also nur drei Tage nach dem Unwetter – mit der Haupternte beginnen wollte. Die Erntehelfer, die für diese Zeit aufgeboten worden sind, mussten die Boogs vorübergehend in die «Ferien» schicken. «Wenn so etwas passiert, hat man schon mal Lust, alles hinzuschmeissen. Das demoralisiert ganz schön», sagt Jonas Boog. Inzwischen hätten sich alle wieder gefangen. Es sei nun mal das Risiko, das man bei Beeren und besonders bei Freilandbeeren trage.

Schutz durch Tunnel

Obwohl auf dem Hof in Drälikon kaum mehr Erdbeeren übrig sind, hält sich der finanzielle Schaden für die Boogs in Grenzen. «Wir sind gegen Hagel versichert. Jetzt gilt es zu klären, welchen Anteil die Versicherung davon übernimmt», erklärt Jonas Boog. Und noch in einem anderen Punkt hatte die Familie Glück im Unglück. Erst Anfang Jahr hat sie sich nämlich entschieden, einen kleinen Teil der Erdbeeren – wie die anderen Beeren übrigens auch – in einem sogenannten Tunnel zu schützen. «Dank dem ist ein Teil unversehrt geblieben», berichtet Boog. Es seien gerade so viel, dass man im eigenen Hofladen noch Erdbeeren verkaufen und am Markt noch aktiv bleiben könne. Ob die Boogs nun in Zukunft vermehrt mit solchen Tunnels bei den Erdbeeren arbeiten wollen, kann Jonas Boog noch nicht sagen. Das sei eine finanzielle Frage. Gleichzeitig sei damit zu rechnen, dass die Erdbeeren wie anderes Obst in Zukunft wohl nur noch gedeckt wirtschaftlich angebaut werden können. «Es ist zudem wichtig, dass wir unseren Partnern Kontinuität zusichern können. Wenn wir also auch weiterhin solche Wetterereignisse haben wie heuer, dann müssen wir sicher über solche Massnahmen nachdenken», so Jonas Boog. Vorerst wollen die Boogs nun aber einfach weiter machen. «Es gibt nach wie vor viel zu tun, die nächsten Kulturen kommen. Wir hoffen dort auf gute Ernten und sind wieder motiviert.»

Sonne und Trockenheit

Bei dem Unwetter am Freitag wurde nicht der ganze Kanton so stark getroffen wie der Hof der Familie Boog. «Vor allem im Ennetsee war es aufgrund des Hagels heftig», sagt Louis Suter, Leiter der kantonalen Fachstelle für Obstbau. Die meisten Kulturen seien jedoch gegen Hagel geschützt, weshalb sich die Schäden bei vielen in Grenzen hielten, so Suter weiter. Ganz grundsätzlich betont der Fachmann jedoch, dass das nasse und zu kühle Wetter für den Obstbau und besonders die Chriesi derzeit nicht ideal sei (siehe Kasten). Suter: «Wir bräuchten jetzt dringend eine Weile Sonne und Trockenheit.»

Chriesi wie 2015

Erntest. Die Ernteaussichten bei den Tafelkirschen sehen laut dem Schweizer Obstverband gut aus. Er geht davon aus, dass schweizweit in diesem Jahr etwa gleich viele Tafelkirschen (2200 Tonnen) geerntet werden wie 2015. Dem stimmt Louis Suter, Leiter der kantonalen Fachstelle für Obstbau, zu. «Die Einschätzung dürfte auch für Zug zutreffen.» Wie viele Tonnen es konkret sein werden, will Suter noch nicht schätzen. «Kirschen hat man erst, wenn man sie abliest», sagt er.

Das nass-kühle Wetter setze den Kulturen zu und befördere den Fruchtfall. Suter rechnet damit, dass die Haupternte Ende Juni beginnt. «Das ist fünf bis sieben Tage später als letztes Jahr», so der Fachmann.

Samantha Taylor

Einen Teil der Erdbeeren haben die Boogs dieses Jahr mit einem Tunnel geschützt. Im Bild Jonas Boog. (Bild Stefan Kaiser)

Einen Teil der Erdbeeren haben die Boogs dieses Jahr mit einem Tunnel geschützt. Im Bild Jonas Boog. (Bild Stefan Kaiser)

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